Handlungsfeld 4: Resiliente Region
Deutschland und die NATO-Staaten sind mit neuen Sicherheitsherausforderungen konfrontiert. Ziel der Außen- und Sicherheitspolitik des Bundes ist die Bewahrung eines Friedens in Freiheit und Sicherheit. Weiterhin machen der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel die multiplen, miteinander verbundenen Krisen sichtbar: Klimawandel, geopolitische Verwerfungen, Cyberangriffe, gezielte Desinformationen und Herausforderungen der Transformation in Form von demographischem Wandel, Digitalisierung, Dekarbonisierung sowie Deglobalisierung. Diese sorgen für eine fortschreitende gesellschaftliche Verunsicherung.
Im Hinblick auf die Resilienz der Region ist daher wesentlich, dass die Akteure der Zukunftsoffensive diese Herausforderungen als Anlass sehen, Resilienzfähigkeiten zu stärken, aus Krisen zu lernen und sie als Chance zu sehen, die regionale Wettbewerbsfähigkeit robuster zu gestalten. Dafür braucht es ein Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gegenüber neuen Lösungswegen.
Unverzichtbare Voraussetzung einer funktionierenden Wirtschaft ist eine resiliente Gesellschaft, die über den Willen verfügt, die Demokratie auf allen Ebenen zu verteidigen, um so die Voraussetzung für den Erhalt von Frieden, Freiheit und Wohlstand zu sichern.
Aufgaben aus dem „Operationsplan Deutschland“
Deutschland ist erstmals seit Ende des Kalten Krieges wieder sicherheitspolitisch bedroht, ergänzt um hybride Konflikte und neue Technologien. Gemäß der Nationalen Sicherheitsstrategie sollen bis zum Jahr 2029 die Fähigkeit zur wirksamen militärischen Gesamtverteidigung aufgebaut und mögliche Gegner von einem Angriff auf NATO, EU oder Deutschland abgeschreckt werden.
Die Vorbereitung auf Verteidigung ist zentrales Instrument, um weitere kriegerische Auseinandersetzungen zu verhindern. Die Rahmenrichtlinie Gesamtverteidigung und der Operationsplan Deutschland fassen die Vorgaben für die Vorbereitung auf ziviler und militärischer Ebene sowie die Grundlagen für die Bedarfsplanung der Bundeswehr zusammen. Diese gilt es in der Region Ostwürttemberg gemeinsam anzugehen.
Zusätzlich erfordert die zivile Verteidigung mit ihrer Komplexität eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, zivilen Sicherheitsbehörden, Bevölkerung und Wirtschaft. Notwendig sind hierfür rechtliche Grundlagen sowie eine ausreichende Finanzierung kommunaler Behörden und Institutionen, um Gesellschaft und Wirtschaft auf ihre Verantwortung ausreichend gut vorzubereiten. Die föderale Organisation der zivilen Verteidigung führt zudem zu erheblichen regionalen Unterschieden.
| Projekte | Projektverantwortliche |
|---|---|
| Abstimmung zu zukünftigen Anforderungen der Bundeswehr | Landkreise, Kommunen, IHK |
Zeitenwende in Europa - Veranstaltung mit General a. D. Erhard Bühler
Resiliente Wirtschaft
Das aktuelle Bedrohungsszenario für die Wirtschaft ist multidimensional. Umfasst sind insbesondere Medien-, Energie- und Rohstoffsicherheit sowie - rasant zunehmend - die Cybersicherheit. Zudem sind die geopolitischen Verhältnisse, wirtschaftlichen Verflechtungen und technologischen Möglichkeiten gegenüber den Zeiten des Kalten Krieges ungleich komplexer geworden.
Die Wirtschaft muss daher auf mögliche „Angriffe“ vorbereitet sein. Um die Resilienz der Unternehmen zu steigern, müssen sie ihre Strukturen hinterfragen. Das bedeutet auch, dass mehr Resilienz in der Regel mit weniger Effizienz einhergeht, da Redundanzen für den Fall einer Störung notwendig sind. Personelle Auswirkungen eines etwaigen Verteidigungsfalls sind dabei auch zu berücksichtigen. Eine Balance zwischen hohem Resilienzniveau und damit einhergehenden Kostensteigerungen für den Unternehmensstandort ist jedoch zu beachten. Unnötige Bürokratie und Auflagen für die Betriebe sind zu vermeiden.
| Projekte | Projektverantwortliche |
|---|---|
| Beratung von Unternehmen & Austauschformate | IHK |
| Best-Practice zu Erfahrungswerten mit (Krisengebiets-)erfahrenen Unternehmen | IHK |
Resiliente Raum- und Regionalplanung
Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen sowie weiterer potenzieller Gefahren stellen die Region Ostwürttemberg vor große Herausforderungen. Die Region ist aufgrund ihrer topografischen Lage und der fortschreitenden Klimaveränderungen besonders anfällig für Naturgefahren: Starkregen kann zu schnellen Überschwemmungen führen, anhaltende Niederschläge zu Hochwasser, und Trockenperioden erhöhen das Risiko von Waldbränden und Wasserknappheit. Kenntnisse über Gefahren, Risikogebiete sowie eine angepasste resiliente Regionalplanung vermindern und vermeiden zusätzliche Gefahren für die Wirtschaft, kritische Infrastrukturen und die Bevölkerung. Vorausschauende Planungen bieten zielgerichtete Festlegungen zur Stärkung der Region.
Ein resilienter Bevölkerungsschutz (Resilienzmanagement) sowie die systematische Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind daher wichtig, um Bevölkerung, Umwelt und Infrastruktur zu schützen und die Auswirkungen von Krisen und Katastrophen zu minimieren. Ziele sind die Verbesserung der Krisenvorsorge und -planung, die Stärkung des Bevölkerungsschutzes sowie der Selbsthilfefähigkeit der Bürgerinnen und Bürger.
Durch die Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Katastrophenschutz sollen Einsatzfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit erhöht werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Umsetzung wirksamer Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.
| Projekte | Projektverantwortliche |
|---|---|
| (Regionale) Katastrophenschutzübung | Kommunen |
| Katastrophenschutz im Schulunterricht | Kommunen |
| Regionale Risikoanalyse Ostwürttemberg | Regionalverband |
| Interaktive Risiko- und Gefahrenkarte | Regionalverband |
| Europäische Wasserresilienzstrategie | Regionalverband |
| Kommunales Krisenmanagement stärken und Risikomanagement implementieren | Kommunen |
Stärkung der Gesellschaft und Demokratieförderung
Der tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel führt unweigerlich zu neuen Gewinnern und Verlierern sowie zu Überforderungen, Verunsicherungen und Zukunftsängsten. Für Unternehmen bedeutet dies eine doppelte Herausforderung: Neben der Sicherung der Beschäftigtenqualifizierung rücken auch Fragen nach einer neuen Unternehmenskultur und dem Zusammenhalt der Belegschaft in den Vordergrund.
Wir leben in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Herausforderungen durch Polarisierung, Hassrede, Extremismus, Wissenschaftsfeindlichkeit wie auch ein gestörtes Vertrauen in (politische und wissenschaftliche) Institutionen. In militärischen Konflikten ist die Destabilisierung des Gegners durch gezielte Desinformation ein Mittel, die Zivilgesellschaft zu spalten.
Um die Resilienz in der Bevölkerung zu fördern, bedarf es neben der validen Information über mögliche Risiken auch eine Sensibilität hinsichtlich der Information zur geänderten Bedrohungslage bei gleichzeitig ausreichender finanzieller Unterstützung auf allen Ebenen. Zusätzlich sind Maßnahmen zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Stabilität ein wichtiges Fundament für ein friedliches Zusammenleben und den Wohlstand. Gelingen wird dies durch die Stärkung des Vertrauens in Wirtschaft, Wissenschaft, Staat und Gesellschaft sowie demokratischer Werte und Strukturen.
| Projekte | Projektverantwortliche |
|---|---|
| Multiplikatorenschulung als neue Form der bürgerschaftlichen Kompetenzentwicklung | Landkreise |
| Umsetzung Deutscher Resilienzstrategie | Kommunen, Landkreise |
| Veranstaltungen und Aktionen zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt | IHK, Hochschulen, Landkreise, Kommunen, Europe Direct EUROPoint Ostalb, Sozialpartner |
Veranstaltungsreihe „Let’s talk“: Blick über den Tellerrand mit Prof. Dr. Hartmut Rosa
Innovationsökosystem Verteidigung
In der Verteidigungswirtschaft sehen wir, aufgrund von Kompetenzen in Unternehmen, bei Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Potenzial und wollen dieses Kompetenzfeld ausbauen. Hierfür wollen wir ein Innovationsökosystem aufbauen und weiterentwickeln. Dabei geht es darum etablierte Unternehmen zu unterstützen, neue Zulieferer aufzubauen und Produktinnovationen in Zusammenarbeit mit der Forschung und Kooperationen mit Start-ups voranzutreiben.
| Projekte | Projektverantwortliche |
|---|---|
| Etablieren eines Arbeitskreises Sicherheit und Verteidigungswirtschaft mit Start-Ups | IHK |
