Baden-Württemberg Stiftung startet MINT-Offensive

Zukunftsfest dank starker MINT-Fähigkeit

Für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieregion Ostwürttemberg braucht es immer mehr berufliche Kenntnisse zu Fähigkeiten in Technik, Informationstechnologien, Naturwissenschaften und Mathematik. Wie das gelingt, haben mehr als 100 Vertreter aus Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Politik beim ersten MINT-Fachforum der Region auf Einladung der IHK Ostwürttemberg, der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der Landratsämter Ostalb sowie Heidenheim im Digital Innovation Space (DIS) in Aalen diskutiert. Die Akteure wollen künftig stärker regional zusammenarbeiten – das haben sie durch die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur MINT-Region bekräftigt, die auch Teil der Zukunftsoffensive Ostwürttemberg ist.
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz: MINT - sind Grundfähigkeiten, für die möglichst früh bei Kindern und Jugendlichen ein breites Interesse geweckt werden muss. Diese Fähigkeiten werden im Berufsalltag einer Industrieregion immer wichtiger und bilden die Grundlagen - von der Wartung und Entwicklung neuer Maschinen über Software bis hin zu Medizintechnik, Energiewende und weiteren technologischen Themenfeldern innerhalb der Wirtschaft. Digitalisierung, Transformation und Innovation sind ohne starke MINT-Kompetenzen nicht mehr denkbar.
„Unsere großen gesellschaftlichen Herausforderungen benötigen MINT-Fähigkeiten mehr denn je. Wir müssen bei der MINT-Förderung regional und überregional zusammenarbeiten und wir brauchen dazu verlässlich Geld. Unsere Kinder haben dieses Engagement jedenfalls verdient“,

sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler bei der Eröffnung des ersten MINT-Fachforums.
Für eine industriestarke Region wie Ostwürttemberg ist MINT deshalb nicht nur ein Thema für Schulen und Hochschulen, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, von der die Zukunftsfähigkeit abhängt. Der Handlungsdruck ist groß. Deutschlandweit fehlen derzeit rund 134.000 MINT-Fachkräfte, gleichzeitig gehen Hunderttausende Beschäftigte aus diesem Bereich in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Darauf wies Ministerin a.D. Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, in ihrem Impulsreferat hin.

„Zukunft wird aus MINT gemacht. Das haben Sie erkannt und wollen Modellregion für die MINT-Förderung sein. Ich unterstütze ihr Vorhaben, weil ich von Ihrer Herangehensweise an das Thema mit großer Kraft und geballter Kompetenz überzeugt bin. Wir wollen als Stiftung Geburtshelfer sein“,
sagte die frühere, langjährige Wissenschaftsministerin.
„Sie machen bei ihrem MINT-Projekt alles richtig. Dabei möchte die Baden-Württemberg Stiftung Geburtshelfer sein.“
Bettina Jorzik, Leiterin der „Zukunftsmission Bildung“ beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, machte eine ernüchternde Bilanz auf. 76 Prozent der MINT-Berufe sind in Baden-Württemberg von Fachkräfteengpässen betroffen.
„Das ist überdurchschnittlich“,
sagte sie. Gerade im Bereich der Akquirierung internationaler Fachkräfte fehle im Land die Dynamik. Sie plädierte für attraktivere, interdisziplinäre Studiengänge, die vor allem mehr Frauen ansprechen sollten.

„Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, welche Kombinationen dann auch funktionieren“,
betonte sie und lobte gleichzeitig die MINT-Offensive der Region als beispielhaft in Deutschland. Jorzik:
„Ihre Initiative hätte Pate stehen können für unsere Zukunftsmission Bildung.“
Die Allianz für MINT-Fachkräfte habe es sich zum Ziel gesetzt, die Lücke bei den Beschäftigtenzahlen zu halbieren.

Detaillierte Diskussionen in drei Fachforen
Beim Forum wurde deutlich, dass es bereits seit Jahren zahlreiche MINT-Angebote und engagierte Akteure in der Region gibt. Viele von ihnen arbeiten engagiert, sind in der breiten Öffentlichkeit allerdings wenig bekannt oder nicht genügend miteinander im Austausch. MINT-Förderung dürfe deshalb nicht länger als Summe einzelner Projekte verstanden werden, so der Tenor, sondern als gemeinsame Zukunftsaufgabe der Region. Eine solche Förderung muss möglichst früh ansetzen. Wer schon in der Grundschule experimentiert, baut Hemmschwellen ab. Deshalb soll MINT-Förderung möglichst praxisnah und dicht an der Lebenswelt junger Menschen stattfinden: mit einfachen Programmieraufgaben, digitalen Anwendungen oder anschaulichen Experimenten statt nur abstrakter Theorie.
In den drei Diskussionsforen wurden verschiedene Ansatzpunkte benannt, wie MINT in Ostwürttemberg gestärkt werden kann. Mehr Praxisbezug im Unterricht – etwa durch Kooperationen mit Unternehmen oder Besuche in Betrieben gehören dazu. Auch digitale Lernangebote könnten helfen, Schülern außerhalb des Klassenzimmers Zugänge zu MINT-Themen zu eröffnen. Der Wunsch nach einer koordinierenden Stelle wurde ebenso benannt. Sie soll Angebote bündeln, den Überblick behalten und Ansprechpartner für Schulen, Unternehmen und Eltern sein.
Neue Lernkonzepte und das Prinzip „Train the Trainer“ sollen fest verankert werden. Angeregt wurde auch der Einstieg bereits im KiTa-Bereich.
„MINT machen, macht MINT sichtbar“,
zitierte IHK-Vizepräsident Ulrich Betzold den Vorsitzenden der Heidenheimer Zukunftsakademie, Klaus Moser.
Bei der MINT-Förderung solle auch über den Tellerrand hinausgeblickt werden und die berufliche Bildung mitgedacht werden. Landrat Dr. Joachim Bläse fasste zusammen:
„Wir müssen klar darstellen, für was die Region steht. Die MINT-Förderung ist dabei ein zentrales Thema.“

Eine stabile Finanzierung ist wichtig für eine solche langfristige Positionierung. Unternehmen, Kommunen, Land und weitere Partner müssten verlässliche Strukturen schaffen, damit dies gelingt. Dass die Landesregierung eine MINT-Strategie im Koalitionsvertrag verankert hat, wurde begrüßt. IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler zitierte die Passage aus dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung (siehe Infokasten).

Info:
Auszug aus dem Koalitionsvertrag
„Wir entwickeln die MINT-Strategie fort und werden diese mit den dafür erforderlichen organisatorischen Strukturen und unter Einbeziehung von Akteuren der vielfältigen MINT-Landschaft in Baden-Württemberg umsetzen. Damit verfolgen wir auch das Ziel, junge Menschen für MINT-Berufe zu begeistern. Wir stärken in der Fläche die Zusammenarbeit mit den außerschulischen Forschungszentren.“

Info:
Erklärung unterschrieben
Beim MINT-Fachforum wurden einige Ziele fixiert, die die regionalen Akteure bei der MINT-Förderung erreichen wollen. MINT-Kompetenzen sollen frühzeitig und nachhaltig gestärkt werden und Begeisterung für die Fächer gefördert werden. Lehrkräfte und Ausbildungsverantwortliche sollen qualifiziert und unterstützt werden. Zugänge zu MINT soll für alle eröffnet werden – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Hintergrund. Dazu soll Schulen, Hochschulen sowie außerschulischen Lernorten und Unternehmen kooperiert werden. MINT-Angebote sollen systematisch entwickelt und evaluiert werden: Qualität und Wirksamkeit sollen sichergestellt werden.

Info:
Moderierte Talkrunde
Michael Nanz, Chef der Schwäbisch Gmünder Technischen Akademie sowie der eule Wissenswerkstatt, ließ in einer Talkrunde die Rektoren Prof. Dr. Harald Riegel (Hochschule Aalen) und Kim-Patrick Sabla-Dimitrov (PH Schwäbisch Gmünd) sowie Prorektor Prof. Dr. Andreas Mahr (DHBW Heidenheim) zu Wort kommen. In zwei Schnellfragerunden positionierten sich die Wissenschaftler positiv zum MINT-Thema.