Ostwürttemberg im Wirtschaftscheck
Ostwürttemberg hält Kurs trotz Krise
Die Wirtschaft der Region befindet sich weiter in einer schwierigen Situation. Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen erhöhen den Druck auf die Energiekosten. Blickt man auf das Insolvenzgeschehen so wird aber auch deutlich, dass die Region im Vergleich zum Rest des Landes bislang besser durch die Krise kommt. Auch die steigende Gründungsdynamik wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler positiv. Der Anstieg der Gründungsintensität ist nicht kurzfristiger Natur, sondern eine Steigerung im fünften Jahr in Folge. Jede siebte Gründung in der Region ist mit großer wirtschaftlicher Substanz. Auch der Unternehmensbestand wächst in der Region weiter, im Jahr 2025 alleine um 600 IHK-pflichtige Unternehmen.
In Ostwürttemberg, dies zeigt die aktuelle Insolvenzstatistik des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, ist die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2025 von 83 im Vorjahr auf 79 leicht gesunken. Vor allem im Landkreis Heidenheim ging die Zahl der Insolvenzen deutlich um 29 Prozent zurück, der Ostalbkreis hatte einen leichten Anstieg um 5,1 Prozent zu verkraften. Die Insolvenzquote ist mit 5,0 Insolvenzen je 1.000 umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen allerdings die viertniedrigste in Baden-Württemberg. Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg:
„Die Region kommt damit im landesweiten Vergleich bisher gut durch die Krise. Die Situation bleibt aber für viele Unternehmen angespannt. Insbesondere die aktuellen Folgen des Kriegs im Nahen Osten betrachten wir mit großer Sorge.“
Die IHK unterstützt auch 2026 die Unternehmen mit konkreten Angeboten. So können Unternehmen in Schwierigkeiten vom Finanzierungs-Check mit der Bürgschaftsbank und nachgelagerten geförderten Beratungen Unterstützung bekommen. Besonders im Fokus sind der Automobilsektor und fahrzeugnahe Maschinenbau. Hier bieten die Verantwortlichen des Transformationsnetzwerkes Ostwürttemberg auch 2026, dank der Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Workshops, Exkursionen, Qualifizierungen und den fünften Transformationskongress am 8. Juli 2026 an. Die Angebote können von den Unternehmen alle kostenfrei genutzt werden.
Bereits elf Betriebe machen dieses Jahr bei der dritten Transformations-Challenge im Frühjahr 2026 mit. Hier werden aktuell Lösungspartner wie Start-ups oder Technologiepartner in der DACH-Region identifiziert, die dann für rund fünf Monate in Innovationsprojekten mit den Unternehmen zusammenarbeiten.
Gründungen als Motor des Wandels
Auch das Gründungsgeschehen wird von der IHK regelmäßig analysiert. Hier gibt es ebenso erfreuliche Entwicklungen. So stieg die Zahl der Gewerbeanmeldungen in der Region im Jahr 2025 gegenüber 2024 um 9,3 Prozent von 2.907 auf 3.202 Gewerbeanmeldungen. Mit einem Anteil von 14 Prozent oder 447 Betriebsgründungen ist auch der Anteil substanzieller Gründungen in der Region mit erwartbaren größeren Beschäftigungseffekten erfreulich gestiegen. Die Gründungsintensität – die Zahl der Gründungen je 1.000 Einwohner – klettert auf 7,0 und damit den höchsten Wert seit zehn Jahren. IHK-Hauptgeschäftsführer und OB a.D. Thilo Rentschler:
„Auch diese Entwicklung sehen wir positiv, Gründungen sind wichtig für die Erneuerung der wirtschaftlichen Basis und können mit ihren innovativen Geschäftsmodellen Motor des Wandels sein.“
Und trotz des aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfelds steigt der Unternehmensbestand weiter. Der positive Saldo von Neuerrichtungen und Gewerbeabmeldungen beträgt ein Plus von 315 Unternehmen im Jahr 2025. Außerdem bleibt auch die Zahl der erfolgreichen Unternehmensnachfolgen mit 254 auf einem stabilen Niveau.
Auch in diesem Feld ist die IHK mit vielen Partnern aktiv. Der Service insbesondere für innovative Gründungen soll weiter ausgebaut werden, das Gründungsökosystem insgesamt gestärkt werden. Hier zählt vor allem auch das im Masterplan 2.0 der Zukunftsoffensive genannte strategische Handlungsfeld 1: Aufbau eines Innovationsökosystems, unter der Koordination von Landrat Dr. Joachim Bläse (Ostalbkreis). Noch im März 2025 wird gemeinsam mit Wirtschaftsjunioren und Wirtschaftsclub das Mentoren-Netzwerk der Region deutlich ausgebaut. Neue Veranstaltungsformate, um innovative Gründerinnen und Gründer und erfahrene Mentoren und Investoren zusammenzubringen, sind ebenso in Vorbereitung.
Seit diesem Jahr ist die IHK auch Partner des Nachfolgegutscheins BW, über den sich Unternehmen aus Industrie und Dienstleistungswirtschaft professionelle Unterstützung für die Vorbereitung der Nachfolge holen können. Das Land fördert sechs Beratungstage, um marktorientierte Unternehmensbewertungen und zukunftsfähige Übergabekonzepte erstellen zu lassen. Die IHK führt hierzu Erstberatungen in Kooperation mit der Unternehmensberatung RKW Baden-Württemberg GmbH durch. Zudem wirkt die IHK auch in der neuen Task Force des Gründungsökosystems mit, die von den beiden Landkreisen und den Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim initiiert wurde.
