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Trotz China-Abhängigkeit gibt es Wege
Seltene Erd-Lieferketten: Risikomanagement, Resilienz und Nachhaltigkeit
Seltene Erden stecken in vielen Produkten - von E-Autos über Windräder bis zu Smartphones. Da China etwa 90 % der globalen Abbau- und Raffineriekapazitäten kontrolliert, bestehen hohe Abhängigkeiten - auch Kern-Industrien in Deutschland (s. Abbildung 1). Hierzulande hängen laut McKinsey ca. vier Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt von Seltenen Erden ab; ein Lieferstopp könnte rund 9 % der Wirtschaftsleistung kosten. Es stellt sich aber nicht nur die Frage der Versorgungssicherheit, sondern auch, zu welchem ökologischen und sozialen Preis wir uns diese strategischen Rohstoffe leisten.
Das Dilemma der „schmutzigen“ Herstellung: Hoher Bedarf, hohes Nachhaltigkeitsrisiko
Seltene Erdprodukte treiben einerseits klimafreundliche Technologien voran, ihre umwelt- und gesundheitsbelastende Gewinnung steht jedoch zunehmend im Konflikt mit der ESG-Regulatorik. Bereits im Bergbau kommen Säure- und Laugungsverfahren zum Einsatz, die Trennung und Reduktion der Oxide erfordert chemie- und energieintensive Prozesse. Abbau und Weiterverarbeitung verursachen Emissionen und gefährliche Abfälle, die Grundwasser, Klima und Böden der lokalen Bevölkerung belasten. Ob der Westen diese „schmutzigen“ Prozesse signifikant selbst übernehmen, ist angesichts strengerer ESG-Vorgaben fraglich.
Neue Transparenz – und regulatorischer Druck in China
Mit CSRD, CBAM, LkSG und künftig CSDDD steigen die Nachweispflichten in vorgelagerten Lieferketten - inklusive belastbarer Scope-3-Daten bis zu Verarbeitungsstufen in China. Die Industrie muss höhere ESG-Anforderungen erfüllen; viele Unternehmen schließen sich zudem für Reputationsvorteile freiwilligen Initiativen an, beispielsweise „IRMA“ oder Responsible Mining Initiative zur Zertifizierung in Bergbau oder Mineralien-Lieferketten. Wichtige Hebel sind ökologische und soziale Lieferantenaudits sowie Transparenz über sämtliche Raffinerie- und Verarbeitungsstufen. Mangels Alternativer Lieferketten ist der Druck auf chinesische Lieferanten bislang gering - könnte aber steigen: China hat Ende 2024 eigene ESG-Standards verabschiedet, die sich an der EU-Richtlinie CSRD orientieren, den lokalen Kontext berücksichtigen und Klima- sowie Umweltschutz besonders betonen.
Wenn China den Hahn zudreht
Chinas Regierung ist sich ihrer Dominanz bei Seltenen Erden bewusst und nutzt sie strategisch: Peking hat mehrmals, besonders 2025, die Exportmengen begrenzt. Für westliche Industrienationen wächst damit bei geopolitischen Spannungen das Risiko abrupter Lieferstopps - mit gravierenden Folgen für Produktion und Arbeitsmarkt.
Gegenstrategien erfordern Weitblick und Investitionen. Ein Ansatz ist die Diversifizierung der Bezugsquellen, etwa nach Australien, Brasilien oder in die USA (siehe Abbildung 1). Aber auch hier muss genau hingeschaut werden: Denn eine Mine in z.B. Australien bedeutet nicht, dass für Raffinerie und Verarbeitung wieder China involviert ist und somit eine echte Unabhängigkeit von China knifflig ist - für manche Seltenerdmetalle gibt es derzeit gar keine Alternative ohne Chinabezug.
Eine weitere Strategie zu weniger China-Abhängigkeit, die an Bedeutung gewinnt, ist Recycling: In Elektroschrott und Altmagneten stecken wertvolle Seltene Erden, die technisch zurückgewonnen werden können. Noch ist das industriell aufwändig und die Mengen sind gering, doch laufende Projekte sollen die Kreislaufwirtschaft auch in der EU ausbauen. Drittens führt Substitution zu mehr Unabhängigkeit: Unternehmen können die bei der Herstellung verwendeten Materialien und Designs mit den Forschungsabteilungen auf den Prüfstand stellen und Alternativen entwickeln, um den Einsatz seltener Erden zu verringern.
Auch die Politik reagiert. Die EU beschloss 2023 den Critical Raw Materials Act beschlossen, der die Versorgung mit kritischen Rohstoffen (zu denen Seltene Erden gehören) sichern und die Abhängigkeit von China senken soll. Diese Verordnung sieht vor, dass bis 2030 10 % des Bedarfs in Europa gefördert, 40 % verarbeitet und 25 % durch Recycling gedeckt werden soll.
Fazit
Seltene Erden bleiben auf absehbare Zeit „nachhaltig kritisch“: ökologisch, sozial und geopolitisch. Doch wer heute Transparenz schafft, ESG konsequent umsetzt, Bezugsquellen diversifiziert und kluge Substitutionen entwickelt, stärkt seine Versorgungssicherheit - und damit die eigene Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. Die gute Nachricht: Industrie-Initiativen, neue EU-Regeln und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen sowie Transparenz in China liefern dafür eine zunehmend solide Basis.
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