Wirtschaft in Ostwürttemberg
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IHK Ostwürttemberg

Agil einfach machen

Viele Unternehmen in Ostwürttemberg stehen unter Druck. Globale Lieferketten sind instabil, Märkte reagieren sprunghaft, geopolitische Risiken nehmen zu. Verlässliche Planungsgrundlagen fehlen zunehmend. Es geht längst nicht mehr um temporäre Schwankungen, sondern um strukturelle Unsicherheit, die zum neuen Normal geworden ist.
Die reflexartige Reaktion: Kosten senken, Prozesse optimieren, Risiken begrenzen. Doch in instabilen Zeiten kann übermäßiger Effizienzfokus zum Risiko werden. Eng getaktete Lieferketten und Just-in-Time-Produktion bieten wenig Puffer. Bei Störungen brechen Abläufe zusammen. Der Versuch, Unsicherheit mit Kontrolle zu begegnen, schafft nur scheinbare Stabilität und verhindert das, was wirklich gebraucht wird: Anpassungsfähigkeit.

Die Stärke der Region nutzen

Gerade in diesem Umfeld zeigt sich eine Stärke, die Ostwürttemberg seit Langem auszeichnet. Die Region zählt zu den innovativsten Standorten Deutschlands, gemessen an Patentanmeldungen pro Kopf. Erneuerung ist hier Teil des wirtschaftlichen Selbstverständnisses. Sie beruht auf technischer Kompetenz, Verantwortung und der Zusammenarbeit zwischen Mittelstand, Hochschulen und Forschung. Dieses Potenzial gilt es jetzt zu sichern. Nicht trotz der Unsicherheiten, sondern gerade ihretwegen.
Was zählt, ist die Fähigkeit, mit dem Unvorhergesehenen umzugehen. Dafür braucht es konkrete Werkzeuge und Struktur, die nicht einengt, sondern Orientierung gibt. Genau hier setzen Janick Oswald und Dr. Christian Baron an. Mit ihrem Buch „Agil einfach machen” und einem praxisnahen Trainingskonzept bringen sie agile Methoden nach Ostwürttemberg – unkompliziert, direkt anwendbar, mit Fokus auf die praktische Anwendung statt reiner Theorie.

Vom Ostalb Hackathon zur praktischen Methode

Die Wurzeln liegen im Jahr 2022. Beim Ostalb Hackathon an der Hochschule Aalen arbeiteten Studierende, Forschende und Unternehmensvertreter gemeinsam an realen Herausforderungen. Einer der Challengegeber war MAPAL mit 1.800 Mitarbeitenden am Standort Aalen – spezialisiert auf Präzisionswerkzeuge für die industrielle Zerspanung.
MAPAL kam mit einer Datenanalyse-Challenge: „Wie können wir Anwendungs-Best Practices automatisiert analysieren und verwerten?" Das Unternehmen hatte über Jahre wertvolles Wissen gesammelt – aus der täglichen Arbeit mit Kunden, aus Erfahrungen im Vertrieb, aus der Entwicklung. Doch was das Team beim Hackathon lernte, hatte wenig mit Algorithmen zu tun – und sehr viel mit der Art, wie Anforderungen geklärt werden.

Die Erkenntnis: Klärung vor Lösung

Zu Beginn des 2,5-tägigen Hackathons stand eine moderierte Scoping-Session mit Prozessanalyse. Die Coaches halfen, relevante Akteure einzugrenzen, Schnittstellen herauszuarbeiten und die Problemstellung zu schärfen. Dabei wurde sichtbar: Die technische Umsetzung war nicht die größte Hürde. Das eigentliche Problem lag in der Zusammenarbeit und Steuerung der beteiligten Stakeholder. Wer braucht welche Information? Wer entscheidet was? Welche Anforderungen sind wirklich zentral?
Diese Fragen klingen simpel, doch im Projektalltag bleiben sie oft ungeklärt. Teams diskutieren wochenlang über Lösungen, ohne den Kern des Problems verstanden zu haben.
Dr. Erwin Schuster, CIO & VP IT der MAPAL Dr. Kress SE & Co. KG:
„Die eigentlichen Herausforderungen sind das Anforderungsmanagement und ein methodisch geführter Prozess dazu. Zunächst gilt es, das Problem zu verstehen, den Scope zu setzen und dies gemeinsam zu verabschieden.“
Beim Hackathon war dafür Zeit und Struktur. Nicht die technische Lösung war der Durchbruch, sondern die Methode, wie man überhaupt zur richtigen Problemstellung kommt.

Vom Event zur Arbeitsweise: Das Methodenkochbuch

Das Team der Corporate IT erkannte: Davon braucht es mehr. Nicht als Event, sondern als nutzbare Arbeitsweise für den Alltag. Es entstand ein internes Vorhaben: Ein Werkzeugkasten sollte Mitarbeitende dabei unterstützen, neue Ideen strukturiert anzugehen und Orientierung in komplexen Situationen zu finden.
Für die Umsetzung holte sich MAPAL mit Janick Oswald und Dr. Christian Baron externe Impulse ins Haus. Gemeinsam entwickelten sie das Methodenkochbuch – ein Rahmenwerk mit „Rezepten" für Projekte, Teamprozesse und Workshops. Entstanden bei MAPAL, zunächst als Ringbuch für den internen Gebrauch. Keine Theorie, sondern konkrete Anleitungen: Welche Methode wofür? Wie wird sie angewendet?
Markus Halder, Head of Business Applications der MAPAL Dr. Kress SE & Co. KG:
“Das Methodenkochbuch gibt den Mitarbeitern ein Werkzeug an die Hand, Bedarfe des Fachbereichs bzw. Anforderungen an- und aufzunehmen und diese entscheidungsreif vorzubereiten - zum "Shake-Hands".

Vom Einzelfall zum Praxisbuch für alle

Die Erfahrung bei MAPAL war kein Einzelfall. In diversen anderen Projekten erlebten Christian Baron und Janick Oswald immer wieder die gleichen Herausforderungen: Unternehmen und Mitarbeitenden fällt im volatilen Projektalltag die strukturierte Vorgehensweise und crossfunktionale Zusammenarbeit über Silos hinweg schwer. In Workshops verlieren Teams den Fokus. Anforderungen bleiben unklar. Diskussionen drehen sich im Kreis, ohne zu konkreten Ergebnissen zu führen.
Das Problem ist nicht mangelnder Wille oder die Komplexität der Themen. Es fehlen oft schlicht die richtigen Werkzeuge und ein klares Rahmenwerk, das Methoden konkret anwendbar macht und zum gewünschten Ergebnis führt. Genau hier setzt “Agil einfach machen” an – ein Methoden- und Arbeitsbuch für alle, die in komplexen Umfeldern arbeiten und trotzdem Klarheit schaffen müssen.
Das Buch stellt über 60 erprobte Methoden vor, geordnet nach sechs typischen Projektphasen. Die Anleitungen sind kurz, verständlich und lassen sich einzeln oder kombiniert nutzen – ohne Fachbegriffe. Jede Methode ist so aufbereitet, dass sie direkt eingesetzt werden kann: mit klarer Zielsetzung, Schritt-für-Schritt-Anleitung und praktischen Arbeitsblättern.
Der Titel ist Programm: Agil einfach machen bedeutet damit beides – Dinge so anzugehen, dass sie handhabbar werden. Und zugleich: ins Tun kommen, statt lange zu planen. Agilität als praktische Arbeitsweise für den Mittelstand.

Der Kreis schließt sich: Ostalb Hackathon 2026

Dort, wo vieles seinen Anfang nahm, schließt sich der Kreis: Der Ostalb Hackathon kehrt 2026 zurück – als Erasmus+ Projekt an der Hochschule Aalen. Im Zentrum steht erneut die Fähigkeit, gemeinsam mit Unklarheit zu arbeiten und neue Perspektiven einzunehmen.
Besonders: Die Methoden aus dem Buch werden dabei praktisch eingesetzt und unterstützen Teams, mit offenen Fragen umzugehen und Zusammenarbeit zu strukturieren. Was 2022 begann, wird nun durch konkrete Werkzeuge ergänzt.
Beim Event werden 70 kluge Köpfe der Hochschule Aalen und vier europäischen Partnerhochschulen innovative Lösungen für aktuelle Probleme der Unternehmen der Region entwickeln. Haben Sie aktuell eine Herausforderung, für welche Sie dieses Innovationspotenzial nutzen möchten? Dann bewerben Sie sich jetzt und sichern Sie sich den letzten Platz als Challengegeber!
Sie möchten beim Ostalb Hackathon 2026 mitwirken – als Challengegeber, Beobachter oder Unterstützer?
Kontakt und Bewerbung: hackathon@janickoswald.com

Jetzt nach Ostwürttemberg: Praxistag zu „Agil einfach machen”

Für all diejenigen, welche die praktischen Vorteile agiler Methoden in ihren Projektalltag übertragen möchten, laden wir herzlich zum Praxistag „Agil einfach machen" im digiZ in Heidenheim ein.
Am 28.04.2026 bringen Christian Baron und Janick Oswald das Konzept direkt in die Region – mit einem Praxistag zu „Agil einfach machen” im digiZ Heidenheim.

Seminar: Projektchaos adé! Praxismethoden, die wirklich funktionieren

In diesem Seminar stehen praxisorientierte Methoden im Mittelpunkt, keine Schlagworte oder Buzzwords. Die Teilnehmenden lernen eine umfassende Sammlung von Methoden kennen und erhalten ein klares Rahmenwerk, um diese gezielt einzusetzen. Der Fokus liegt auf dem unmittelbaren Nutzen: Was kann ich morgen im Projekt anders machen?

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