Wirtschaft in Ostwürttemberg
Nr. 7073300
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Leitz Symposium setzt Impulse für die Zukunft der Branche

Holzbau im Wandel

Der Holzbau steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Vor dem Hintergrund rückläufiger Bauzahlen, steigender Anforderungen an den Klimaschutz und einer begrenzten Rohstoffverfügbarkeit gewinnt die Transformation hin zu schnelleren, individuellen, zum Teil auch modularen und vor allem ressourceneffizienten Bauweisen zunehmend an Dynamik. Im Rahmen des Leitz Symposiums diskutierten Experten aus Forschung, Industrie und Architektur entlang der gesamten Wertschöpfungskette zentrale Zukunftsfragen.
Im Zentrum vieler Beiträge stand die zunehmende Bedeutung digitaler Technologien. Prof. Alexander Stahr (HTWK Leipzig) zeigte auf, dass die Integration von Entwurf, Fertigung und Montage in durchgängigen digitalen Prozessketten ein wesentlicher Hebel zur Steigerung der Produktivität im Bauwesen ist. Robotik bietet hier nicht nur Potenzial zur Automatisierung, sondern ermöglicht zugleich eine wirtschaftliche Individualisierung von Bauteilen. Voraussetzung ist jedoch eine präzise Datenbasis.
Die industrielle Praxis bestätigte diese Entwicklung. Alexander Leidorf von Leidorf Holztechnik verdeutlichte, dass robotergestützte Fertigung insbesondere bei großformatigen CLT-Bauteilen erhebliche Vorteile hinsichtlich Flexibilität und Bearbeitungsfreiheit bietet. Komplexe Geometrien erforderten exakte Simulationen und eine tiefgreifende Integration in die Maschinensteuerung, um Prozesssicherheit und Präzision zu gewährleisten. Neben der Digitalisierung rückte die Ressourceneffizienz als zentraler Treiber in den Fokus. Mit dem Projekt „Universal Timber Slab“ präsentierte Hans Jakob Wagner (ICD, Universität Stuttgart) eine Deckenkonstruktion, die das Potenzial hat, den klassischen Stahlbetonbau grundlegend zu verändern.
Einen grundlegenden Perspektivwechsel forderte Professor Jürgen Graf (RPTU Kaiserslautern), der Gebäude künftig als Materiallager denkt. Voraussetzung dafür sind standardisierte Bauteile und reversible Verbindungstechniken, die eine zerstörungsfreie Demontage und Wiederverwendung ermöglichen. Mechanische Fügetechniken und formstabile Holzwerkstoffe bilden hierbei die Grundlage für skalierbare, kreislaufgerechte Bausysteme.
Auch die Architektur selbst wurde als entscheidender Hebel für Nachhaltigkeit identifiziert. Bernd Liebel vom Aalener Büro Liebel/Architekten BDA zeigte anhand realisierter Projekte, dass intelligente Entwurfsstrategien – etwa die optimale Gebäudeausrichtung oder der gezielte Einsatz von Low-Tech-Lösungen durch gezielte Ausnutzung materialspezifischer Vorteile in Hybridbauweise – erhebliche Energieeinsparungen ermöglichen. Gerade im modularen Holzbau eröffnen sich dadurch neue Potenziale für schnelle Bauprozesse bei gleichzeitig hoher gestalterischer Qualität.
Die Möglichkeiten digitaler Planung wurden durch Prof. Julian Krüger (Hochschule München) weiter konkretisiert. Seine Arbeiten zeigen, wie parametrische Modelle und automatisierte Fertigung eine „Mass Customization“ im Bauwesen ermöglichen. Mit dem zirkulären Bausystem der TRIQBRIQ AG präsentierte Levin Fricke einen radikal nachhaltigen Ansatz im Massivholzbau. Die modularen Bausteine kommen vollständig ohne Klebstoffe aus und lassen sich flexibel montieren und demontieren.
Abschließend wurde die Bedeutung der Werkzeugtechnologie hervorgehoben. Markus Sturm zeigte, dass moderne Werkzeugsysteme einen entscheidenden Beitrag zu Präzision, Produktivität und Prozesssicherheit leisten. Insbesondere bei der Bearbeitung hybrider Materialien sind spezialisierte Lösungen erforderlich. „Das Symposium machte deutlich, dass die Transformation des Holzbaus bereits in vollem Gange ist. Digitalisierung, Automatisierung und neue Konstruktionsprinzipien treffen auf steigende Anforderungen an Klimagerechtigkeit und Ressourceneffizienz“, fasste Andreas Kisselbach, Moderator des Symposiums und F+E-Verantwortlicher bei Leitz in seinen Schlussworten zusammen. Entscheidend für den zukünftigen Erfolg wird sein, diese Entwicklungen systematisch zu verknüpfen und in die industrielle Breite zu überführen.
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