Wirtschaft in Ostwürttemberg
Nr. 7021762
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INNEO_Fachkonferenz
Chancen, Transfer und Praxis

Digitalisierung im Mittelstand

Digitalisierung ist längst mehr als ein Schlagwort – sie entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Zukunftssicherheit von Unternehmen. Gerade für industrielle Mittelständler stellt sich dabei die Frage, wie neue Technologien sinnvoll eingesetzt und strategisch in bestehende Prozesse integriert werden können.
Über aktuelle Herausforderungen, den erfolgreichen Transfer von Innovationen in die Praxis und die zentralen Themen der diesjährigen INNEO-Fachkonferenz Digitalisierung sprechen Helmut Haas, Geschäftsführer der INNEO Solutions GmbH, und Ramon Rank, Technologietransfermanager der IHK Ostwürttemberg, im folgenden Interview.
Helmut Haas | Geschäftsführer | INNEO Solutions Gmbh Ramon Rank | Technologistransfermanager | IHK Ostwürttemberg © INNEO & IHK Ostwürttemberg
Herr Rank, Ostwürttemberg gilt als starke Industrieregion. Wo stehen die Unternehmen aktuell beim Thema Digitalisierung?

Ramon Rank:
Ostwürttemberg ist technologisch hervorragend aufgestellt. Viele Unternehmen sind hochspezialisiert und international erfolgreich mit ausgeprägter Ingenieurskompetenz und Innovationskraft. Beim Thema Digitalisierung sehen wir ein differenziertes Bild mit drei Gruppen.

1. Unternehmen, die bereits durchgängige digitale Prozessketten oder Simulation einsetzen.

2. Unternehmen, die einzelne Systeme etabliert haben und nun stärker integrieren wollen.

3. Unternehmen, die wissen, dass Handlungsbedarf besteht, aber noch keine klare Priorisierung vorgenommen haben.

Gerade bei der dritten Gruppe geht es weniger um Technologiefragen als um strategische Orientierung. Die zentrale Herausforderung lautet häufig: Wo beginnen wir – und wie stellen wir sicher, dass Investitionen echten Mehrwert schaffen? Die Region bringt beste Voraussetzungen mit. Entscheidend ist nun die strukturierte Weiterentwicklung.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Austausch mit Unternehmen besonders häufig – eher technologische oder organisatorische?
Ramon Rank:
Technologische Lösungen sind heute in nahezu allen Bereichen verfügbar und leistungsfähig. Die größeren Hürden liegen meist auf organisatorischer Ebene.

Priorisierung von Projekten, interne Ressourcen, Investitionssicherheit und nicht zuletzt kulturelle Fragen.

Ich höre häufig: „Wir wissen, dass wir handeln müssen – aber wir wollen keine Insellösung.“ Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Transformationsprozess. Und dieser verlangt strategische Klarheit, interne Verantwortung und transparente Kommunikation. Gerade im Mittelstand sind Prozesse über Jahre gewachsen. Veränderung braucht deshalb Struktur und Akzeptanz – sonst bleibt sie wirkungslos.
Herr Haas, Sie begleiten mit INNEO zahlreiche Unternehmen bei genau diesen Fragestellungen. Spiegelt sich dieses Bild auch in Ihrer täglichen Projektarbeit wider?
Helmut Haas:
Bei vielen unserer mittelständischen Kunden ist zunächst wichtig die richtige Orientierung zu geben. Dazu haben wir langjährige Erfahrung und eine stringente praxiserprobte Methodik eine Digitalisierungs-Roadmap zu erstellen, aus der sich dann die relevanten Projekte in der richtigen Reihenfolge ableiten lassen. Erst dann geht es darum die technologischen und auch organisatorischen Eckpunkte zu setzen.

Technologisch können wir uns aus dem Portfolio unseres breiten Partnerschaftsnetzwerks bedienen. Aufgrund der rasanten Entwicklung in der Technologie ist sie quasi nie der begrenzende Faktor. Je nach Technologie können dann unsere langjährigen Fachexperten ihre Erfahrung einbringen, um die richtigen Wege zu identifizieren.

Ebendiese Erfahrung hilft unseren Projektleitern in Projektsituationen sicher zu navigieren - doch Projekterfolg sollte im Kern Kundenerfolg bedeuten, weshalb wir die zusätzliche Rolle des Customer Success Managers einsetzen. Dieser fokussiert die unternehmerischen Vorteile eines erfolgreichen Projektes. Im Rahmen dieser Entwicklung rückt ein angrenzender Gedanke ebenfalls in den Fokus: Nur eine Software, die benutzt wird, bringt auch Nutzen. Das war zwar schon immer so, aber die heutigen Unternehmenskulturen fordern viel mehr ein aktives Mitnehmen der Mitarbeiter. Dies beginnt nicht erst mit der Schulung kurz vor Live-Stellung des Systems, sondern bereits vor Projektbeginn mit der Nutzenfrage und transparenter Kommunikation an die Betroffenen. Akzeptanz heißt Produktivität. Der Projektalltag ist somit insgesamt viel vernetzter mit unseren Kunden geworden, nicht zuletzt, weil es auch Aufgaben gibt, die die Unternehmen selbst erledigen müssen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel für Unternehmen, um Digitalisierung nicht nur zu planen, sondern erfolgreich umzusetzen?
Helmut Haas:

Vorweg sei betont, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist. Digitalisierung muss immer einen Mehrwert für das Unternehmen bringen. Mit diesem Nutzen als Zielpunkt fallen hauptsächlich zwei Hebel ins Auge. Einerseits muss es den Ansatz geben, auf strategischer Ebene Ziele vorzugeben - klassischerweise Wachstum im Marktanteil, Effizienzen oder ähnliches. Andererseits schlummert viel Potenzial in den Köpfen der (langjährigen) Mitarbeiter. Diese kennen ihre Unternehmensprozesse und warten meist nur darauf, ihre Verbesserungsideen anbringen zu dürfen.

Hier fällt mir dann das Bild der horizontalen und vertikalen Verzahnung ein. Klarheit in der Unternehmensstrategie (vertikal), gepaart mit bereichsübergreifender Abstimmung (horizontal) von Verbesserungsvorschlägen sind Hebel, die den Anfang erfolgreicher Digitalisierungsprojekte einläuten. Mit dieser Herangehensweise sind Strategie, Prozess und Mitarbeiter schonmal an Bord und die richtige Technologie lässt sich meist auch finden, so dass Digitalisierung im Unternehmen auf jeder Ebene getragen wird und in eine attraktive Zukunft führt.
Herr Rank, warum ist gerade der Technologietransfer zwischen Anbietern, Forschung und Unternehmen so entscheidend für die Region?
Ramon Rank:

Ostwürttemberg lebt von technologischem Fortschritt. Doch Fortschritt entsteht nicht isoliert. Unsere Aufgabe als IHK ist es, Übersetzer zu sein: zwischen Forschung und Mittelstand, zwischen Technologieanbietern und konkreter Anwendung. Viele kleine und mittlere Unternehmen können nicht jede neue Entwicklung – insbesondere im Bereich KI – permanent evaluieren. Der strukturierte Technologietransfer reduziert Unsicherheit und verkürzt Entscheidungswege.

Wir schaffen: Zugang zu Forschung und Hochschulen, Einordnung von Technologietrends und neutrale Plattformen für Austausch.

Das ergänzt sich ideal mit der Rolle von Unternehmen wie INNEO, die – wie Herr Haas betont – technologische Möglichkeiten in konkrete Projektstrukturen übersetzen. Transfer schafft Geschwindigkeit. Und Geschwindigkeit ist aktuell ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Wo sehen Sie aktuell den größten Informations- oder Orientierungsbedarf bei den Unternehmen?
Helmut Haas:

Die Entwicklung der Digitalisierung schreitet rasant voran und das sowohl technologisch als auch methodisch. Wer hätte vor einem Jahr vorhersagen können welche immensen Möglichkeiten KI für sich oder auch im Kontext lang etablierter Technologien eröffnet?

Hier den Überblick behalten zu wollen erfordert sich Vollzeit damit zu beschäftigen. Daher können wir nur empfehlen entsprechende Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen und in Netzwerken zu arbeiten. Das müssen für den Mittelstand keine großen teuren Beratungsunternehmen sein, sondern Organisationen wie z.B. das digiZ der IHK oder Partner wie wir auf Augenhöhe.
Ramon Rank:

Der größte Bedarf liegt aktuell eindeutig in der Einordnung. Die technologische Entwicklung – insbesondere im Bereich KI – verläuft exponentiell. Unternehmen fragen sich: Was ist Hype, was ist Substanz? Wo entsteht kurzfristig Nutzen? Wo sollte strategisch investiert werden? Wie fügt sich das in bestehende Prozesse ein?

Viele Geschäftsleitungen wünschen sich eine Art „Übersetzungsleistung“ zwischen Technologie und betrieblicher Realität. Hier setzen wir als IHK mit Formaten wie dem digiZ an – und hier ergänzen sich Beratungsunternehmen wie INNEO ideal. Während wir Orientierung und Vernetzung bieten, begleiten Partner wie INNEO die konkrete Umsetzung. Gerade für den Mittelstand ist dieses Zusammenspiel entscheidend: praxisnah, auf Augenhöhe und ohne unnötige Komplexität.
Herr Haas, wie können Unternehmen neue Technologien konkret erleben und bewerten, bevor sie investieren?
Helmut Haas:

Wir bieten hier vielfältige online Informationsangebote an, die sowohl Innovationen vorstellen aber auch konkrete Praxisbeispiele aufzeigen. Bei den virtual T-Days hatten wir in Summe deutlich über 2000 Teilnehmer.

Neben diesem Onlineangebot gibt es immer auch klassische Veranstaltungen in Präsenz regional über ganz Deutschland verteilt – teilweise bei Kunden, teilweise in unseren Geschäftsstellen. Das ermöglicht einen deutlich tieferen Einblick und v.a. intensivieren sie Austausch und Networking. Und natürlich gibt es auch Veranstaltungen für Experten oder Anwender wie Test Drives (geführte Anwendungen) oder Engineering Dialoge. Da kommt man dann schon direkt mit der Anwendung in konkreten Aufgabenstellungen in Berührung.
Genau hier setzt auch die INNEO-Fachkonferenz an. Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung?
Helmut Haas:

Die Fachkonferenz Digitalisierung bietet einen 360 Grad Überblick zu Schlüsselthemen wie PLM, Digitale Prozessketten und Systemintegration, Simulation & virtuelle Produktentwicklung, KI im Engineering und IT & Cloud.

Das Beste daran ist aber, dass das meiste davon im Rahmen von Praxisberichten unserer Kunden vermittelt wird. Zu dem Schlüsselthema Change-Management wird es ebenfalls einen Keynote Vortrag geben. Ganz besonders freut uns, dass wir Ranga Yogeshwar für einen Vortrag über den gesellschaftlichen Umbruch durch Digitalisierung, KI, Demografie und Nachhaltigkeit gewinnen konnten. Dazu stehen dann auch noch weltmarktführende Softwarehersteller wie PTC und Ansys zum Austausch bereit. Eine umfassende Fachausstellung mit vielen Experten rundet das Angebot ab, wobei natürlich auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist.
Herr Rank, warum ist diese Fachkonferenz aus Ihrer Sicht auch für Unternehmen aus Ostwürttemberg besonders relevant?
Ramon Rank:

Die Fachkonferenz trifft exakt den Nerv der Zeit. Sie verbindet strategische Impulse mit praktischen Anwendungsbeispielen – und genau diese Praxisberichte sind für unsere Region entscheidend. Mittelständler lernen am liebsten von anderen Mittelständlern.

Besonders wertvoll ist aus meiner Sicht: Der 360-Grad-Blick auf digitale Prozessketten, die Verbindung von Simulation, KI und Produktentwicklung, der Fokus auf Change-Management, der direkte Austausch mit Anbietern und Experten.

Das reduziert Unsicherheit und schafft Entscheidungsgrundlagen. Für Unternehmen aus Ostwürttemberg ist die Veranstaltung deshalb mehr als ein Informationsformat. Sie ist eine strategische Plattform, um Trends einzuordnen, Kontakte aufzubauen und konkrete nächste Schritte abzuleiten.

Digitalisierung wird nicht langsamer. Wer im Dialog bleibt, bleibt wettbewerbsfähig.
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