AKTUELLE ANALYSE DES ARBEITSMARKTS

IHK-Sonderbefragung Fachkräfte 2025

Die Ergebnisse der Sonderbefragung zeigen: Die strukturellen und konjunkturellen Probleme wirken sich zunehmend negativ auf den Arbeitsmarkt in Ostwürttemberg aus und stellen die Unternehmen sowie die bei ihnen beschäftigten Menschen vor große Herausforderungen.

Einstellungsbereitschaft sinkt

Im Herbst 2025 zeigt die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate erneut Anzeichen einer Verschlechterung: Weiterhin gehen zwar 13 Prozent der befragten Unternehmen von steigenden Beschäftigtenzahlen aus – jedoch planen 26 Prozent mit Freistellungen, im Frühsommer waren es noch 22 Prozent. 61 Prozent wollen ihre Personalstärke stabil halten. Dieser Anteil ist um vier Prozentpunkte gefallen. Der entsprechende Indikator bleibt negativ und sinkt bei den Dienstleistern um 2,6 Punkte auf -5,3 Punkte – und dies trotz einer verbesserten Geschäftslage und optimistischerer Erwartungen als noch im Frühsommer. In der Industrie liegt er nun bei -18,5 Punkten – im Frühsommer waren es noch –6,7.

Dual Ausgebildete fehlen

Die Stellenbesetzungsprobleme haben sich im Vergleich zum Herbst 2024 entspannt: 22 % haben kein Problem, offene Stellen zu besetzen. 40 % der Betriebe in Ostwürttemberg, die einstellen wollen, können offene Stellen nicht besetzen, weil die passenden Fachkräfte fehlen. Besonders groß ist die Not im Baugewerbe (76 Prozent), am geringsten im Handel (31 Prozent). Am häufigsten und über alle Branchen hinweg fehlen beruflich Qualifizierte mit dualer Ausbildung: 86 Prozent der Unternehmen, die nach Beschäftigten suchen, würden gern dual ausgebildete Praktikerinnen und Praktiker einstellen. Lediglich um drei Prozentpunkte ist der Wert bei den Ausbildungsanfängern und -anfängerinnen gestiegen: jedes fünfte Unternehmen hat Probleme bei der Besetzung seiner Ausbildungsstellen. Im Vorjahr suchte jedes vierte Unternehmen Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung, nun ist es nur jedes fünfte. Trotz schwierigem Arbeitsmarkt bleiben offene Stellen unbesetzt. Die Nachfrage nach hoch ausgebildeten Fachkräften ist gesunken: lediglich 20 % suchen vergeblich nach Beschäftigten mit Weiterbildungsabschluss (-36 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2024) und 37 % mit (Fach-)Hochschulabschluss (-33 Prozentpunkte).
Die Reaktionen auf den Fachkräftemangel haben sich von 2023 zu heute verschoben. Unter den TOP 4 bleiben die Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung, mehr Weiterbildung sowie die hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen: 42 Prozent der Unternehmen wollen dem Fachkräftemangel weiterhin mit mehr Ausbildung begegnen. Jedes vierte Unternehmen will die Einstellung internationaler Arbeits- und Fachkräfte sowie jedes siebte das betriebliche Gesundheitsmanagement ausweiten. Weniger wichtig erachten die Betriebe weiche Faktoren wie die Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität (34 %; - 20 Prozentpunkte) sowie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Work Life-Balance (30 %; -7 Prozentpunkte).
Herzlichen Dank allen Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben! Ihr Engagement unterstützt unsere Arbeit und bietet eine Grundlage für unternehmerische Entscheidungen in Ostwürttemberg.
Wir verbinden diesen Dank mit der Bitte, uns auch weiterhin zu unterstützen.