IHK-Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026

Blick in die Branchen

Industrie

In der Industrie zeigen sich zu Jahresbeginn erste Anzeichen einer Stabilisierung: 22,8 Prozent der Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, 26,1 Prozent bewerten sie mit „schlecht“. Im Vergleich zur letzten Umfrage überwiegt jedoch die optimistischere Erwartungshaltung: 16,9 Prozent sprechen von einer Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten (-19,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025), von einer Verbesserung gehen weiterhin 21,3 Prozent aus. Die Kapazitätsauslastung ist erneut von 78 auf 76,1 Prozent gesunken. Die Antworten zu den Auftragseingängen lassen jedoch auf eine Erhöhung der Kapazitäten hoffen: Im Herbst 2025 sprachen noch 44 Prozent von fallenden Auftragseingängen. Dieser Wert hat sich nun halbiert auf 21,1 Prozent.

TOP-Risikothema für 75 Prozent der befragten Industrieunternehmen ist die Inlandsnachfrage, gefolgt von den Arbeitskosten, den Energiepreisen und geopolitischen Spannungen. Diese Unsicherheiten wirken sich auf die Exporterwartungen aus: lediglich 18 Prozent gehen von steigenden Exporten (-11 Prozentpunkte) aus. Nachfrageimpulse versprechen sich die Unternehmen insbesondere aus EU-Ländern.

Die Restrukturierungspläne in den Industrieunternehmen setzen sich fort: 50 Prozent wollen die Belegschaft halten. 38 Prozent wollen Beschäftigte entlassen, was einer Erhöhung von 6,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Herbst 2025 entspricht. Fachkräftemangel sehen 18,5 Prozent der Industrieunternehmen als Risiko. Dagegen sind die Industrieunternehmen zum Jahresbeginn eher bereit zu investieren, als sie es noch im Herbst 2025 waren: 59,8 Prozent sprechen von zunehmenden oder gleich bleibenden Investitionen (Herbst 2025: 52 Prozent), dabei vor allem zur Förderung von Digitalisierung (52,9 Prozent, +13,7 Prozentpunkte) sowie Produkt- und Verfahrensinnovationen (42,4 Prozent; +12,6 Prozentpunkte).

Handel

Die Handelsunternehmen in Ostwürttemberg bewerten ihre Geschäftslage weiterhin überwiegend als „befriedigend“ (65,9 Prozent), lediglich 6,8 Prozent sprechen von einer guten Geschäftslage. Während der Lageindikator im Großhandel im Vergleich zum Herbst weiter steigt und sich nun mit 4,8 Punkten im positiven Bereich befindet, sinkt der Lageindikator im Einzelhandel stark ab und erreicht mit (-43,5) Punkten den niedrigsten Wert, seit es die IHK-Konjunkturumfrage in dieser Form ab 2007 gibt. Damit leidet insbesondere der Einzelhandel weiterhin unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Auch das Weihnachtsgeschäft blieb hinter den Erwartungen zurück und belastet Umsätze und Erträge weiterhin spürbar. 34,9 Prozent der Handelsunternehmen wollen die Beschäftigtenzahlen reduzieren – im Herbst waren es noch 19 Prozent. Falls Investitionen getätigt werden, dann zum Zweck der Digitalisierung, Vertriebs- und sonstiger Innovationen und Ersatzbedarf.

Bau

Der zum Jahresende 2025 erkennbare positive Trend im Baugewerbe hat sich zu Jahresbeginn 2026 abgeschwächt. Nicht mehr die Hälfte, sondern lediglich ein Drittel der Unternehmen bewertet die Geschäftslage als gut. Kein Betrieb rechnet mit einer Verbesserung, 33 Prozent erwarten eine Verschlechterung – jedoch waren es zu Jahresbeginn 2025 noch rund 60 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich erste Stabilisierungstendenzen bei den Auftragseingängen: 19 Prozent melden steigende Aufträge, nachdem zu Jahresbeginn 2025 kein Unternehmen diese Kategorie gewählt hatte. Impulse erwartet vor allem der öffentliche Hochbau durch die Öffentlichen Infrastrukturpakete. Auch im privaten Wohnungsbau mehren sich Anzeichen einer Erholung. Größtes Risiko bleibt der Fachkräftemangel, gefolgt von schwacher Inlandsnachfrage und hohen Rohstoffpreisen. Sorgen bereitet die Finanzlage: Nur noch 35 Prozent bewerten sie als unproblematisch (Herbst 2025: 59 Prozent). 6 Prozent sehen sich von Insolvenz bedroht.

Dienstleistungen

Die Dienstleister sind weiterhin überdurchschnittlich zufrieden mit der aktuellen Situation und blicken zuversichtlich in die Zukunft: Der Geschäftslageindikator steigt im Vergleich zum Herbst 2025 von 36,2 auf 43,3. 82,6 Prozent sprechen von einer verbesserten oder gleichbleibenden Geschäftserwartung. Gründe sind steigende Umsätze, eine stabile Ertragslage und weiter steigende Auftragsvolumina: Jedes dritte Unternehmen spricht von steigenden Auftragseingängen (31 Prozent). Insbesondere ITK- und Beratungs-Dienstleister tragen positiv zu dieser Entwicklung bei. Das Hauptrisiko bei den überwiegend arbeitsintensiven Dienstleistern sind weiterhin die Arbeitskosten mit einer Erhöhung um 10,5 Prozentpunkte. Von fallenden Beschäftigtenzahlen sprechen 25,8 Prozent (+6,1 Prozentpunkte), 19,5 Prozent von steigenden (+5,1 Prozentpunkte).

Transport- und Verkehrsgewerbe

Im Transport- und Verkehrsgewerbe hat sich die Geschäftslage zum Herbst verbessert: 29 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut, 13 Prozent als schlecht. Auch die Umsätze haben sich positiv entwickelt. Eine nachhaltige Erholung zeichnet sich bei den Auftragseingängen jedoch noch nicht ab. Vor dem Hintergrund der schwachen Industriekonjunktur berichten 39 Prozent von rückläufigen Aufträgen, kein Unternehmen von steigenden Auftragseingängen. Die Investitions- und Einstellungsbereitschaft der Verkehrsunternehmen bleiben stabil zum Herbst 2025. Nicht mehr der Fachkräftemangel, sondern der steigende Arbeitskostendruck führen das Ranking der Risikofaktoren an.

Hotel- und Gaststättengewerbe

Im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten 38 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 56 Prozent als befriedigend. Die Ertragslage hat sich leicht entspannt, während sich die Zimmerauslastung in der Hotellerie bei allen befragten Betrieben erhöht hat. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich verbessert: Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer positiven Geschäftsentwicklung, 13 Prozent mit einer Verschlechterung. Entsprechend steigt die Investitionsbereitschaft von knapp 28 Prozent auf 44 Prozent.
IHK Ostwürttemberg
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