IHK Ostwürttemberg

Wirtschaftliche Risiken

Die Industrie- und Handelskammer befragte die Unternehmen in Ostwürttemberg zwischen dem 13. April und 4. Mai 2026. Dieser Zeitraum war gekennzeichnet durch Reformstau, geo- und handelspolitische Unwägbarkeiten sowie den plötzlichen und starken Anstieg der Öl- und Gaspreise in Folge des seit Ende Februar anhaltenden Iran-Krieges. Dieser gesamtwirtschaftlich wirkendende Angebotsschock führte im Ranking der wirtschaftlichen Risiken für die kommenden zwölf Monate zu einer enormen Verschiebung hin zu externen Risikofaktoren.
Derzeit zählen rund sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken (62,1 %), mehr als die Hälfte gibt geopolitischen Spannungen an (55,1 %). Die unsicheren Rahmenbedingungen drücken die Kauflaune, sodass weiterhin die Hälfte der Unternehmen die Inlandsnachfrage als Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung sehen (51,3 %). Trotz Mindestlohnerhöhungen und höherer Tarifabschlüsse der letzten Jahre nehmen die Arbeitskosten in ihrer Bedeutung um 6,6 Prozentpunkte ab und landen im Ranking auf Platz vier, während die Sorge um die Rohstoffpreise stark zunimmt (23,6 Prozentpunkte) und auf Platz fünf klettert. Weiter abnehmende Bedeutung ist beim Risiko Fachkräftemangel und Finanzierung festzustellen, während 24 % der Unternehmen das Risiko „Lieferketten/Lieferengpässe“ als hoch einstufen (Frühsommer 2025: 8,8 %).
Die Kommentare der befragten Unternehmen in den Freitextantworten haben sich vom Grundsatz her auch in dieser Umfrage nicht geändert: Multiple Unsicherheitsfaktoren führen weiterhin zu fehlender Planungssicherheit und geringer Investitionsneigung. Die häufigsten Nennungen betreffen bürokratische Hemmnisse und „hohe Bürokratiekosten“. „Fehlende politische Stetigkeit“, hohe Steuern und Abgaben, mangelnde Aufmerksamkeit der Politik für den Mittelstand und „fehlende richtungweisende Reformen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung“ umfassen die Antworten zu den Risiken der Wirtschaftspolitik. Dominierend sind auch Freitextantworten, die die geopolitischen Rahmenbedingungen betreffen wie z. B. sich dauernd ändernde Zollregularien und Preissteigerungen aufgrund hoher Energiekosten. Reiseanbieter berichten, dass der Iran-Krieg und der drohende Kerosinmangel Kunden abschrecken und zu Stornierungen von Flug- und Schiffsreisen führen. Weitere Antworten reichen von „schlechter Baukonjunktur“, „Billiganbieter aus Asien“, und „Insolvenzen von Kunden“ bis hin zu Herausforderungen im Rahmen der Nachfolgeplanung und Automatisierung von Geschäftsprozessen.