In Ostwürttemberg hat sich das konjunkturelle Stimmungsbild im Frühsommer 2026 gegenüber den Vormonaten erneut leicht verbessert. Trotz leicht pessimistischer Geschäftserwartungen zeichnet sich bei der Mehrheit der befragten Unternehmen eine weitere Verbesserung der Geschäftslage ab, sodass der Konjunkturklimaindikator weiterhin in eine leicht positive Richtung weist. Jedes dritte Unternehmen verzeichnet steigende Auftragseingänge, die Exportaussichten kehren sich ins Positive. Die Personal- und Investitionspläne ändern sich allerdings nicht und bleiben verhalten. Derzeit zählen rund sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken in den kommenden zwölf Monaten, mehr als die Hälfte gibt geopolitischen Spannungen an. In der Industrie hat sich die Geschäftslage deutlich verbessert, während sich die Stimmung bei den Dienstleistern leicht eintrübt.
Das konjunkturelle Stimmungsbild im IHK-Bezirk Ostwürttemberg zeigt im Frühsommer 2026 gegenüber den Vormonaten unterschiedliche Entwicklungen:
Der Geschäftslageindikator ist um 8,4 Punkte auf einen Wert von 18,6 gestiegen und verbleibt im positiven Bereich.
Der Geschäftserwartungsindikator liegt leicht um 1,6 Punkte niedriger als zum Jahresbeginn 2026, weist jedoch weiterhin einen positiven Wert (2,2) auf.
Die Tendenz bei den beiden IHK-Konjunkturklimaindizes als Kennzahlen für den konjunkturellen Gesamtzustand weisen in unterschiedliche Richtungen: Der Index für Baden-Württemberg liegt um 5 Punkte niedriger als in der letzten Umfrage. Der Wert für Ostwürttemberg liegt nun bei 110,1 und damit nochmals 3,1 Punkte höher als in der letzten Umfrage.
Die leichte Erhöhung des Geschäftslageindikators ist darauf zurückzuführen, dass 36,9 % der Unternehmen in Ostwürttemberg ihre Geschäftslage weiterhin als gut beschreiben, 44,7 % bewerten sie mit „befriedigend“ und fast jedes fünfte mit „schlecht“ (18,4 %). In der Kategorie „gut“ ist der Wert um 6,1 Prozentpunkte gestiegen (im Vergleich zum Jahresbeginn 2026). Es sind auch weniger Unternehmen, die die Lage als „schlecht“ bewerten (-2,2 Prozentpunkte).
Anders bei den Geschäftserwartungen. Hier setzt sich das „Auf und Ab“ weiter fort: Im Herbst 2025 zeigten die Unternehmen noch eine pessimistischere, zum Jahresbeginn 2026 eine optimistischere Haltung. Nun geht jedes vierte Unternehmen (25,1 %) von einer Verschlechterung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten aus (+6,5 Prozentpunkte). Gleichzeitig gehen aber mit 27,4 % auch mehr Unternehmen von einer Verbesserung der Geschäftstätigkeit aus (+5 Prozentpunkte). Der Anteil, die mit einer „gleich bleibenden Geschäftserwartung“ geantwortet haben, ist demnach im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 um 11,4 Prozentpunkte gesunken auf 47,5 %.
Die IHK-Salden-Indikatoren werden als Differenz (Saldo) der Anteile der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt. Sie können zwischen minus 100 und plus 100 liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich positive und negative Antworten genau die Waage halten. Ein positiver Indikatorwert bedeutet, dass es mehr positive als negative Antworten gibt. Ein negativer Indikatorwert zeigt auf, dass mehr negative als positive Antworten gegeben wurden.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator spiegelt die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider und wird berechnet als geometrisches Mittel der aktuellen Lage und den Erwartungen für die nächsten zwölf Monate. Der Indikator schwankt zwischen den Werten Null und 200 – Werte über 100 deuten auf Wachstum/Aufschwung hin, Werte unter 100 auf eine Rezession/Abschwung. Je höher der auf der Ordinate dargestellte Wert, desto besser ist das Konjunkturklima. Der Index stellt den konjunkturellen Gesamtzustand der regionalen Wirtschaft dar.
Umsätze, Ertragslage und Auftragseingänge
Eine Verbesserung zeigt sich bei den Umsätzen: Bei 41,3 % der Unternehmen in Ostwürttemberg sind die Umsätze gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal gestiegen (+10,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn 2026), bei 32,7 % sind sie gefallen (-6,7 Prozentpunkte). Die Umsatzerwartungen haben sich leicht verbessert: Jedes dritte Unternehmen (32,3 %) spricht von steigenden und mehr als jedes vierte (26,5 %) von sinkenden Umsatzerwartungen.
Die Ertragslage ist stabil geblieben: Weiterhin berichten 28,3 % von einer guten, 23,5 % von einer schlechten Ertragslage (Jahresbeginn 2026: 28,2 %). Der Saldo liegt bei 4,8. Positiv entwickeln sich auch die Auftragseingänge: 34,9 % der Unternehmen gehen von steigenden Auftragseingängen aus (+15,6 Prozentpunkte), jedes vierte Unternehmen spricht weiterhin von sinkenden (26,7 %).
Bei einem Vergleich nach Betriebsgrößenklassen fällt auf, dass wieder insbesondere große Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten in Ostwürttemberg von einer Besserung der Umsatzzahlen gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal sprechen können (53,1 %). Mehr als die Hälfte der Mikrounternehmen sprechen von gefallenen Umsatzzahlen (50,8 %). Die Umsatzerwartungen der großen Unternehmen fallen positiver aus als noch zu Jahresbeginn 2026: 42,7 % erwarten eine Besserung (+7,9 Prozentpunkte), lediglich 15,8 % erwarten fallende Umsätze. Mikrounternehmen sehen ihre Umsatzentwicklung pessimistischer: lediglich 27,1 % sprechen von steigenden, 43,1 % von sinkenden Umsätzen in den kommenden zwölf Monaten. Energie- und Rohstoffpreise, geopolitische Spannungen und Arbeitskosten sind sowohl bei großen Unternehmen als auch bei Mikrounternehmen die TOP 3-Risiken.
Die Betriebsgrößenklassen werden hier definiert als
Mikrounternehmen (1 bis 9 Beschäftigte)
kleine Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte)
mittlere Unternehmen (50 bis 199 Beschäftigte)
große Unternehmen (> 200 Beschäftigte)
Wirtschaftliche Risiken, Beschäftigung und Investitionen
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken ist bestimmt durch geo- und handelspolitische Unwägbarkeiten. Dieser gesamtwirtschaftlich wirkende Angebotsschock führte im Ranking zu einer enormen Verschiebung: Derzeit zählen rund sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken (62,1 %), mehr als die Hälfte gibt geopolitischen Spannungen an (55,1 %). Die unsicheren Rahmenbedingungen drücken die Kauflaune, sodass weiterhin die Hälfte der Unternehmen die Inlandsnachfrage als Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung sehen (51,3 %). Die Sorgen um die Rohstoffpreise und „Lieferketten/Lieferengpässe“ nehmen weiter zu, die Beschwer Fachkräftemangel nimmt weiter ab.
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Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate zeigt dagegen keine Stabilisierung und die zurückhaltende Personalnachfrage setzt sich fort: Rund 15 % der befragten Unternehmen gehen von steigenden Beschäftigtenzahlen, jedes dritte (31,4 %) plant mit Freistellungen. 53,9 % der Unternehmen wollen ihre Personalstärke stabil halten.
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Trotz des weiter schwierigen Marktumfelds nimmt die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Jahresbeginn nur leicht ab: Fast 60 % der Unternehmen sprechen von zunehmender oder gleichbleibender (59,7 %), 30,7 % von abnehmender Investitionsbereitschaft in den kommenden zwölf Monaten und 9,6 % wollen keine Investitionen tätigen. Kapazitätserweiterungen werden von rund 23 % der Unternehmen angeben und 44 % wollen Innovationen fördern. 56,3 % sprechen von einer unproblematischen Finanzlage, zu Jahresbeginn waren es noch 45,6 %.
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Blick in die Sektoren
In der Industrie zeigen sich weiter Anzeichen einer Stabilisierung: Im Frühsommer ist der Klimaindikator von 100,5 Punkten auf 122,0 Punkte gestiegen. Der Geschäftslageindikator weist mit 24,2 wieder einen positiven Wert auf (+27,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn 2026) und übersteigt zudem das langfristige Mittel (23,6). Sowohl steigende Umsätze als auch eine verbesserte Ertragslage tragen zu dieser Einschätzung bei. Zudem gehen 45,1 % von steigenden Auftragseingängen aus (+ 31,8 Prozentpunkte). Die Geschäftserwartungen fallen optimistischer aus als noch zum Jahresbeginn und fallen per Saldo (+19,8) positiver aus als in der Region Ostwürttemberg (+2,2). Der Exporterwartungsindikator steigt von -6,0 zum Jahresbeginn auf nun 36,2 Punkte und liegt damit deutlich im positiven Bereich und über den langfristigen Durchschnitt (21,5 Punkte). Nachfrageimpulse versprechen sich die Unternehmen insbesondere aus EU-Ländern.
TOP-Risiken sind Energiepreise, gefolgt von geopolitischen Spannungen und Rohstoffpreisen. Die Restrukturierungspläne in den Industrieunternehmen werden weiter fortgesetzt: Weiterhin sprechen 19,1 % sprechen davon, neue Beschäftigte einzustellen, fast ein Drittel (31,5 %) wollen Beschäftigte entlassen. Die Investitionsbereitschaft hat sich per Saldo fast nicht verändert: 2,2 % wollen nicht investieren und jedes fünfte Industrieunternehmen will mehr investieren (20,9 %), davon fast die Hälfte in Produkt- und Verfahrensinnovationen und jedes dritte plant Kapazitätserweiterungen. Weniger als die Hälfte der Unternehmen (45,1 %) stufen ihre Finanzlage als problematisch ein, am Jahresbeginn waren es 62,7 %.
Die Bauwirtschaft ist weiterhin von strukturellen Problemen geplagt: Während noch zu Jahresbeginn ein Drittel der befragten Unternehmen eine gute Geschäftslage angegeben haben, sind es nun knapp 6 %. Im Frühsommer sehen die Unternehmen weiter pessimistisch in die Zukunft: Kein befragtes Unternehmen aus dem Baugewerbe geht von einer Verbesserung aus. 44 % gehen von einer Verschlechterung aus. Von steigenden Auftragseingängen berichten lediglich 16 %. Kein Bauunternehmen will Mitarbeitende in den kommenden zwölf Monaten einstellen und auch keine zusätzlichen Investitionen tätigen. Das Risiko Fachkräftemangel rutscht im Ranking auf Platz vier und wird verdrängt von geopolitischen Spannungen, Arbeitskosten sowie den Energiepreisen, die die wirtschaftliche Tätigkeit der Baubranche weiter hemmen.
Die Handelsunternehmen in Ostwürttemberg bewerten ihre Geschäftslage leicht besser als noch am Jahresbeginn: 12,2 % sprechen von einer guten Geschäftslage, zwei von drei Unternehmen (65,9 %) beurteilen ihre Lage als „befriedigend“. Während der Lageindikator im Großhandel weiter steigt, verbleibt der Lageindikator im Einzelhandel im negativen Bereich (-27,3). Damit leidet insbesondere der Einzelhandel weiterhin unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher mit negativen Auswirkungen auf Umsätze und Erträge. 43,9 Prozent der Handelsunternehmen wollen die Beschäftigtenzahlen reduzieren. Falls Investitionen getätigt werden, dann zum Zweck der Digitalisierung, Vertriebs- und sonstiger Innovationen und Ersatzbedarf.
Die Dienstleister in der Region Ostwürttemberg sind weiterhin mehrheitlich zufrieden mit der aktuellen Situation, jedoch mit Eintrübungen: Lediglich 15,1 % sprechen von einer schlechten, annähernd die Hälfte (44,9 %) von einer guten Geschäftslage. Der Geschäftserwartungsindikator ist von 11,4 auf -1,3 gefallen und rutscht damit in den negativen Bereich. Das Hauptrisiko ist nun die Inlandsnachfrage (48,7 %). Die Arbeitskosten nehmen in ihrer Bedeutung ab. Die Einstellungsbereitschaft bleibt dennoch verhalten: Während 12,2 % der Dienstleistungsunternehmen von steigenden Beschäftigtenzahlen ausgehen, sprechen 27,5 % von fallenden. Der Lageindikator für die Inlandsinvestitionen rutscht wieder ins Negative. Hauptmotive der Investitionen sind weiterhin die Digitalisierung, der Ersatzbedarf sowie Innovationen (Service, Vertrieb). 37,4 % der Dienstleistungsunternehmen sprechen von einer problematischen Finanzlage.
Im Transport- und Verkehrsgewerbe hat sich die Lage per Saldo zum Jahresbeginn wieder verschlechtert: 17 % der Unternehmen sprechen von einer „guten“ und 23 % von einer schlechten Geschäftslage. Die Geschäftserwartungen fallen pessimistischer aus. Die Investitionsbereitschaft nimmt seit Frühsommer 2025 kontinuierlich weiter ab: lediglich 6 % gehen von steigenden und 39 % von fallenden Beschäftigtenzahlen in den nächsten zwölf Monaten aus. Gründe für die geringe Einstellungsbereitschaft ist im Fachkräftemangel bei LKW-Fahrerinnen und -Fahrern zu sehen, der wieder für 78 % der Verkehrsunternehmen das größte Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Um mehr als 13 Prozentpunkte hat das Risiko Energiepreise zugenommen.
Im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten 37 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 44 Prozent als befriedigend. Die Ertragslage hat sich leicht eingetrübt, während die Zimmerauslastung in der Hotellerie bei allen befragten Betrieben gesunken ist. Die Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft nehmen weiter ab. Hauptrisiken sind weiterhin die Arbeitskosten. Stark in ihrer Bedeutung zugenommen haben Energiepreise, geopolitische Spannungen und Rohstoffpreise.
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