IHK Ostwürttemberg

Investitionen & Finanzlage

Trotz des weiter schwierigen Marktumfelds nimmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Ostwürttemberg im Vergleich zum Jahresbeginn nur leicht ab.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre drei Leitzinsen im März unverändert belassen und glaubt offiziell noch an einen temporären Ölpreis-Schock. Gleichzeitig signalisieren die Währungshüter, dass sie im Bedarfsfall jedoch handeln werden und nicht zuwarten, bis die Inflation außer Kontrolle zu geraten droht. Damit hängen die Finanzierungkosten für Unternehmensinvestitionen von der geopolitischen Entwicklung ab, d. h. bleibt die Straße von Hormus zu, muss mit einem deutlichen Zinsanstieg gerechnet werden. Das BIP-Wachstum schwächt sich laut der EZB-Projektionen im laufenden Jahr deutlicher ab, in den Folgejahren ist der Unterschied minimal. Gemäß vorläufiger Berechnungen des Statistischen Landesamtes lag die Inflationsrate in Baden-Württemberg im April bei 2,6 %.
Trotz des weiter schwierigen Marktumfelds nimmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Ostwürttemberg im Vergleich zum Jahresbeginn nur leicht ab: Fast 60 % der Unternehmen sprechen von zunehmender oder gleichbleibender (59,7 %), 30,7 % von abnehmender Investitionsbereitschaft in den kommenden zwölf Monaten und 9,6 % wollen keine Investitionen tätigen. Weiterhin positiv zu beurteilen ist die Bereitschaft großer Unternehmen (mehr als 200 Beschäftigte): Jedes vierte Unternehmen spricht von zunehmenden Investitionen (25,0 %). Im Frühsommer 2025 waren es lediglich 15,6 %.
Beim Blick auf die Investitionsarten fällt einerseits auf, dass Unternehmen die Produktionskapazitäten am Standort Ostwürttemberg erweitern und erhalten wollen: Die Investitionsbereitschaft aus Gründen der Kapazitätserweiterung wird von rund 23 % der Unternehmen angeben und 44 % wollen Innovationen fördern. Andererseits wollen nur 23 % Investitionen aus Gründen des Umweltschutzes und Energieeffizienz tätigen – im Frühsommer 2023 waren es 53,2 %. Auch die Bereitschaft, die Digitalisierung voranzutreiben, fällt mit 46,1 % niedriger aus als noch zu Jahresbeginn.

56,3 % der Unternehmen sprechen von einer unproblematischen Finanzlage, zu Jahresbeginn waren es noch 45,6 %. 17 % der befragten Unternehmen, die von einer problematischen Finanzlage sprechen, geben Eigenkapitalrückgänge an, rund 15 % klagen über zunehmende Forderungsausfälle bzw. 13,5 % sind mit Liquiditätsengpässen konfrontiert. Von drohender Insolvenz sprechen 4,5 % der befragten Unternehmen. Nur rund 8 % sind von einem erschwerten Fremdkapitalzugang betroffen (Jahresbeginn 2026: 14,2 %).
Auf eine rückläufige Kreditnachfrage deuten die Antworten der Kreditinstitute: Die zusätzliche Nachfrage nach Krediten für Betriebsmittel als Kurzzeitfinanzierung für die laufende Geschäftstätigkeit ist gesunken (-21 Prozentpunkte) wie auch die Kreditvergabe für Investitionszwecke: nur 17 % der befragten Kreditinstitute sprechen von einer gestiegenen (-16 Prozentpunkte), 39 % von einer gesunkenen Nachfrage (-19 Prozentpunkte). Lediglich 50 % der Unternehmen in der Kreditwirtschaft sprechen von einer gestiegenen, 22 % von einer gesunkenen Nachfrage im Privatkundengeschäft. Auch die Kreditnachfrage von Firmenkunden ist weiter gesunken: 17 % der Kreditinstitute sprechen von gestiegener Kreditvergabe, 61 % von gleich bleibenden und 22 % von gesunkenen Vergaben. Die Antworten zur Risikovorsorge der Kreditinstitute haben sich im Vergleich zur letzten Umfrage nur leicht verändert: Die eine Hälfte spricht von einer zunehmenden, die andere Hälfte von einer gleichbleibenden Rücklagenbildung für ihre Kreditgeschäfte; zum Jahresbeginn waren es 67 % bzw. 33 %.