Leichte Lageverbesserung, aber starker Pessimismus im Handel
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich laut der bekannten Konsumklimaindikatoren aufgrund geopolitischer Verwerfungen weiter deutlich verschlechtert. Dennoch hat sich die Lage der Handelsunternehmen in Ostwürttemberg im Frühsommer leicht verbessert: 12,2 % sprechen von einer guten Geschäftslage, zwei von drei Unternehmen (65,9 %) beurteilen ihre Lage als „befriedigend“. 22 % sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Die Geschäftslage in der Branche bleibt zweitgeteilt: Der Lageindikator im Großhandel steigt zum vierten Mal in Folge und befindet sich mit 10,5 Punkten weiterhin im positiven Bereich. Auch der Lageindikator im Einzelhandel steigt um 16,2 Punkte, verbleibt jedoch im negativen Bereich mit -27,3 Punkten als dem drittniedrigsten Wert, seit es die IHK-Konjunkturumfrage in dieser Form ab 2007 gibt.
Der Iran-Krieg und die Angst vor steigenden Preisen können die stark pessimistischeren Geschäftserwartungen als noch zu Jahresbeginn erklären: Während zu Jahresbeginn 2026 noch 22,7 % der Handelsunternehmen von einer Verbesserung der Geschäftserwartungen gesprochen haben, sind es nun 14,6 %. 43,9 % gehen von einer Verschlechterung aus. Der Erwartungsindikator im Großhandel mit 38,1 Punkten als Ausreißer am Jahresbeginn fällt um 48,6 Punkte auf -10,5 in den negativen Bereich. Als Scharnier zwischen Industrie und Abnehmern reagiert der Großhandel sensibel auf die außenwirtschaftlichen Verwerfungen. Auch im Einzelhandel fällt der Indikator erneut um 15,1 Punkte auf -45,5.
Bei 31,7 % Unternehmen sind die Umsätze gestiegen (Jahresbeginn 2026: 15,9 %), 17,1 % erwarten steigende Umsätze in den kommenden 12 Monaten (Jahresbeginn 2026: 10,5 %), mehr als die Hälfte fallende (51,2 %). Die Ertragslage hat sich verbessert: 34,1 % sprechen von einer schlechten (Jahresbeginn 2026: 43,2 %), der Rest von einer guten oder befriedigenden Ertragslage. Besonders betroffen ist weiterhin der Einzelhandel. Hier steigt der Lageindikator von -52,2 zum Jahresbeginn 2026 auf jetzt -31,8. Kein Handelsunternehmen spricht von „kauffreudigen Kunden“, 18 % von „saisonüblich“, 82 % von einer „zurückhaltenden“ Kundschaft. Dies entspricht dem Kaufverhalten zum Frühsommer 2025.
Diese verhaltenen Erwartungen wirken sich negativ auf die Investitions- und Beschäftigungspläne aus: 43,9 % der Handelsunternehmen wollen die Beschäftigtenzahlen reduzieren, 12,2 % wollen einstellen – zu Jahresbeginn waren es nur 2,3 %. Besonders betroffen sind weiterhin die Beschäftigten im Einzelhandel: Hier sprechen 50 % von gleich bleibenden und 44,4 % von fallenden Beschäftigtenzahlen. Lediglich 4,5 % wollen einstellen – im Großhandel sind es 21,1 %. Die Investitionsbereitschaft nimmt zu dank des Großhandels: 17,1 % sprechen von zunehmenden Investitionen – am Jahresbeginn waren es nur 6,8 %. Die Investitionen fließen dabei primär in die Digitalisierung (58,1 %); etwas mehr als die Hälfte (51,6 %) wollen in Vertriebs- und sonstige Innovationen sowie in Ersatzbedarf investieren, 22,6 % planen Erweiterungen.
Als größtes wirtschaftliches Risiko sehen die Handelsunternehmen in Ostwürttemberg die Inlandsnachfrage, gefolgt von den Energie- und Arbeitskosten. Der Fachkräftemangel rutscht im Ranking auf Platz 9. Lieferketten/Lieferengpässe, Rohstoffpreise wie auch geopolitische Spannungen sehen die Handelsunternehmen als kritisch in den kommenden zwölf Monaten.
Die Finanzlage wird weiterhin von 52 % der Handelsunternehmen als problematisch bezeichnet, insbesondere aufgrund von Eigenkapitalrückgängen, Liquiditätsengpässen und zunehmenden Forderungsausfällen.