Industrie & Bau
Positive Signale aus der Industrie halten an
Treiber der positiven Entwicklung in Ostwürttemberg ist wie im Frühsommer wieder die Industrie. Der Klimaindikator ist nochmals von 122 Punkten auf 129,6 Punkte gestiegen.
Eine Verbesserung zeigt sich wieder in der Geschäftslage: Der Lageindikator weist zum Herbst 2026 mit 37,5 Punkten (+13,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Frühsommer 2026) wieder einen positiven Wert auf und übersteigt nochmals das langfristige Mittel (23,9 Punkte). 46,3 % der Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, knapp die Hälfte (45 %) sprechen von einer „befriedigenden“ Geschäftslage, 8,8 % bewerten sie mit „schlecht“ (-9,9 Prozentpunkte). Auch die Geschäftserwartungen fallen per Saldo (+22,1) positiver aus als in der Region Ostwürttemberg (+9,0) und übersteigen nochmals das langfristige Mittel (15,3): 9,1 % sprechen von einer Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten (-8,5 Prozentpunkte), von einer Verbesserung geht jedes dritte Unternehmen aus (31,2 %), mehr als die Hälfte (59,7 %) von gleich bleibenden Geschäftserwartungen.
Erklärt werden kann diese positivere Entwicklung anhand der Indikatoren: Bei der Hälfte der befragten Industrieunternehmen (47,4 %) sind die Umsätze gestiegen, bei 11,8 % gefallen. Im Frühsommer sprachen noch 27,5 % von gefallenen Umsatzzahlen. Auch die Umsatzerwartungen haben sich verbessert: Lediglich 13 % sprechen von fallenden (Herbst 2025: 28,1 %), 87 % von gleichbleibenden oder steigenden Umsätzen in den kommenden zwölf Monaten. Die Lageindikator für die Ertragslage sinkt leicht um 0,2 Punkte auf 7,5 und verbleibt über dem langfristigen Mittelwert von 5,8. Die Kapazitätsauslastung verbleibt bei rund 80 %. Die Antworten zu den Auftragseingängen lassen auf eine Erhöhung der Kapazitäten hoffen: Im Herbst 2025 sprachen noch 44 % von fallenden Auftragseingängen. Dieser Wert hat sich nun halbiert auf 22,5 %. 37,5 % gehen von steigenden Auftragseingängen aus. Das entspricht einer Steigerung um 23,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025.
Die Auswirkungen der geopolitischen Verwerfungen sind in den Antworten zu den Exporterwartungen direkt nicht zu sehen: 41,3 % erwarten gleichbleibende Exporte, nur 4 % stellen sich auf rückläufige Exporte ein, 17,3 % der Unternehmen werden nicht exportieren und 37,3 % gehen von steigenden Exporten aus – am Jahresbeginn waren es noch 17,9 %. Damit verfestigen sich die positiven Exportaussichten vom Frühsommer: Der Exporterwartungsindikator steigt nochmals um 4,1 Punkte auf nun 40,3 und liegt damit deutlich im positiven Bereich und über den langfristigen Branchendurchschnitt (22 Punkte). Erklärt werden kann diese Entwicklung weiterhin u. a. mit den Antworten aus der DIHK-Blitzumfrage zur Krise im Nahen Osten: Ein Drittel der Industriebetriebe reagiert mit steigender Lagerhaltung auf den Krieg, insbesondere bei Kunststoffen und elektronischen Komponenten. Wettbewerber aus der Golfregion sind infolge des Iran-Kriegs erheblichen Produktionsbeeinträchtigungen ausgesetzt.
Dabei verändert sich der Indikator in allen abgefragten Weltregionen nur leicht im Vergleich zum Frühsommer, der Fokus auf europäische Märkte bleibt stabil: Nachfrageimpulse versprechen sich die Unternehmen aus Ländern der EURO-Zone (Lageindikator 27,8) und der Ländergruppe Sonstige EU, Schweiz und Norwegen (19,0). 16,1 % gehen von steigenden Exporten nach Asien aus (Jahresbeginn 2026: 30,8 %) und – trotz Mercosur-Abkommen – nur 5,6 % nach Lateinamerika. Auch wenn die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber heimischen Produkten auf dem US-amerikanischen Markt durch Zölle geschmälert wird, hoffen die Industrieunternehmen, dass die Exporte nach Nordamerika wieder anziehen: 28,6 % sehen steigenden Exporten entgegen. Diese Aussichten deuten darauf hin, dass das Exportgeschäft bis Ende 2026 und in das Jahr 2027 hinein an Dynamik gewinnen könnte.
Bei den TOP-Risikothemen konzentrieren sich die Antworten wiederum stark auf exogene, vom Ausland abhängige Faktoren: Für 72,7 % der befragten Industrieunternehmen sind die Energiepreise das TOP-Thema, gefolgt von geopolitischen Spannungen (66,2 %) und Rohstoffpreisen (51,9 %, Platz fünf im Ranking). Die Inlandsnachfrage – im Zeitraum Herbst 2023 bis Jahresbeginn 2026 auf Platz eins im Ranking – nimmt in ihrer Bedeutung wieder leicht zu (54,5 %) und rutscht auf den vierten Platz, nach den Arbeitskosten (55,8 %) auf Platz drei. Insgesamt fällt auf, dass sich die starke Zunahme der TOP 2 und der Rohstoffpreise in der Risikobewertung der letzten Umfrage verfestigt hat. Wieder gefallen in ihrer Bedeutung ist die Wirtschaftspolitik (-8,7 Prozentpunkte); der Fachkräftemangel stellt nur für 22,1 % der befragten Unternehmen ein Hemmnis für die eigene wirtschaftliche Entwicklung dar. Im Mittelfeld der abgefragten Risikofaktoren liegen weiterhin die Auslandsnachfrage und Lieferketten/Lieferengpässe.
Während die konjunkturellen Wirtschaftsindikatoren durchweg positive Signale senden, werden die Restrukturierungspläne in den Industrieunternehmen weiter fortgesetzt, jedoch mit einem leicht positiven Trend hin zur Beschäftigungssicherung: Mehr als die Hälfte (55,8 %) will die Belegschaft halten – im Frühsommer waren es noch 49,4 %. 20,8 % sprechen davon, neue Beschäftigte einzustellen – 1,7 Prozentpunkte mehr als noch im Frühsommer 2026 und 8,8 Prozentpunkte mehr als zum Jahresbeginn. Fast ein Viertel (23,4 %) wollen Beschäftigte entlassen, was einer Senkung von 8,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Frühsommer 2026 entspricht.
In dem weiter schwierigen Marktumfeld hat sich die Investitionsbereitschaft per Saldo in Positive gewendet (+6,8 Punkte; Frühsommer 2026: -11,2 Punkte): Jedes vierte Industrieunternehmen will mehr investieren (26,3 %; +6,6 Prozentpunkte), 46,3 % sprechen von einer gleichbleibenden Investitionshöhe und 7,5 % wollen nicht investieren. Der Ersatzbedarf ist nicht mehr das Hauptmotiv der Inlandsinvestitionen (50 %), vielmehr verfestigt sich die weiter abnehmender Tendenz und erreicht den niedrigsten Wert der letzten 15 Jahre. Im Frühsommer 2011 lag der Indikator noch tiefer bei 46,4 %. Investitionen werden nun primär getätigt, um die Rationalisierung im Unternehmen (56,8 %; +5,1 Prozentpunkte) voranzutreiben. Jedoch wollen auch 31,1 % der Industrieunternehmen in Produkt- und Verfahrensinnovationen investieren und 27 % Kapazitätserweiterungen vornehmen. Leicht zugenommen hat die Investitionsbereitschaft aus Gründen der Digitalisierung (39,2 %, +1 Prozentpunkt) und des Umweltschutzes/Energieeffizienz (33,8 %; 5,7 Prozentpunkte).
Gedreht hat sich wieder die Einschätzung zur Finanzlage: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen (67,6 %) stufen ihre Finanzlage als unproblematisch ein. Als Gründe geben die Unternehmen an: Liquiditätsengpässe (18,9 %), Eigenkapitalrückgänge (10,8 %) und hohe Fremdkapitalbelastung (8,1 %). Von einem erschwerten Fremdkapitalzugang sprechen nur noch 5,4 % (Jahresbeginn 2026: 18,1 %) und das insbesondere für die Finanzierung von Investitionen (inkl. Leasing). Von drohender Insolvenz betroffen ist keines der befragten Industrieunternehmen.
Baubranche leicht zufriedener
Die Bauwirtschaft ist zwar weiterhin geplagt von strukturellen Problemen und der erneuten Zinserhöhung der EZB – der Konjunkturklimaindex steigt trotzdem auf einen neutralen Wert von 100. Die Unternehmen sind etwas zufriedener mit den laufenden Geschäften und auch die Erwartungen fallen geringfügig besser aus als noch im Frühsommer 2026.
Während noch im Frühsommer 6 % der befragten Unternehmen eine gute Geschäftslage angegeben haben, sind es nun mehr als die Hälfte (56,3 %); mit schlecht antworten 6,3 % - im Frühsommer waren es noch 25 % Der Geschäftslageindikator steigt auf 50 und damit über den langfristen Mittelwert von 37. Im Herbst sehen die Unternehmen nur leicht optimistischer in die Zukunft als noch im Frühsommer: Weiterhin geht kein befragtes Unternehmen aus dem Baugewerbe von einer Verbesserung aus. Jedes dritte Unternehmen geht von einer Verschlechterung aus – im Frühsommer 2026 waren es noch 43,8 %.
Von steigenden Auftragseingängen berichtet jedes fünfte Unternehmen (21,4 %). Der öffentliche Hochbau hofft weiterhin auf Aufträge aus dem Infrastrukturpaket der Bundesregierung – bleibt aber skeptisch: Nur jedes fünfte Unternehmen geht von steigenden Auftragseingängen aus. Der Tiefbau bleibt der stabilste Bereich. Der Wohnungsbau bewegt sich nur langsam aus der Talsohle: 18,2 % erwarten weiterhin steigende Auftragseingänge – im Frühsommer waren es 15 %. Der geförderte Wohnungsbau sowie energetische und bauliche Sanierungsmaßnahmen sichern diesen Unternehmen das Geschäft. 36 % der Unternehmen aus dem gewerblichen Hochbau gehen von steigenden Auftragseingängen aus (Frühsommer 2026: 25 %). Erklärbar ist dies durch die höhere Investitionsbereitschaft einiger Unternehmen, die Neubau- und Erweiterungsprojekte aufgrund von Kapazitätserweiterungen planen.
Die leicht optimistischeren Geschäftserwartungen spiegeln sich in den Erwartungen zu Beschäftigung und Investitionen wider: 7 % der Bauunternehmen wollen Beschäftigte in den kommenden zwölf Monaten einstellen (Frühsommer 2026: 0 %) und jedes vierte Bauunternehmen will zusätzliche Investitionen tätigen (Frühsommer: 0 %), 56 % sprechen von gleich bleibenden oder abnehmenden Investitionen. Die, die investieren, geben primär als Hauptmotiv Ersatzbedarf, Rationalisierung, Digitalisierung und Investitionen aus Gründen des Umweltschutzes/Energieeffizienz an. Das Risiko Fachkräftemangel verbleibt im Ranking auf Platz vier. Die Arbeits- und Energiekosten werden verdrängt von den Rohstoffpreisen, die von 80 % der Unternehmen als Haupthemmnis für die wirtschaftliche Tätigkeit der Baubranche genannt werden.
Die Finanzlage hat sich im Bausektor wieder ins Positive gedreht: 62 % der Bauunternehmen sprechen von einer unproblematischen Finanzlage – im Frühsommer waren es noch 44 %. Jedes dritte Bauunternehmen macht hierfür Liquiditätsengpässe verantwortlich, 23 % der befragten Unternehmen sprechen von einem Eigenkapitalrückgang.
