Industrie & Bau

Positive Signale aus der Industrie

Der Jahresbeginn 2026 markierte für die Industrie in Ostwürttemberg eine besonders tiefe Talsohle. Im Frühsommer ist der Klimaindikator jedoch von 100,5 Punkten auf 122,0 Punkte gestiegen.
Eine deutliche Verbesserung zeigt sich in der Geschäftslage: Der Lageindikator weist zum Frühsommer 2026 mit 24,2 wieder einen positiven Wert auf (+27,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn 2026) und übersteigt zudem das langfristige Mittel (23,6). 42,9 % der Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, mehr als ein Drittel (38,5 %) sprechen von einer „befriedigenden“ Geschäftslage, 18,7 % bewerten sie mit „schlecht“. Auch die Geschäftserwartungen fallen optimistischer aus, als noch zum Jahresbeginn und fallen per Saldo (+19,8) positiver aus als in der Region Ostwürttemberg (+2,2): 17,6 % sprechen von einer Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten (+0,7 Prozentpunkte), von einer Verbesserung gehen jedoch weiterhin 37,4 % aus (+16,1 Prozentpunkte), fast die Hälfte (45,1 %) von gleich bleibenden Geschäftserwartungen.
Erklärt werden kann diese positivere Entwicklung mit den Wirtschaftsindikatoren: Bei der Hälfte der befragten Industrieunternehmen (48,4 %) sind die Umsätze gestiegen (Jahresbeginn 2026: 31,5 %). Auch die Umsatzerwartungen haben sich verbessert: Lediglich 17,6 % sprechen von fallenden (Herbst 2025: 28,1 %), 82,5 % von gleichbleibenden oder steigenden Umsätzen in den kommenden zwölf Monaten. Die Lageindikator für die Ertragslage rutscht mit einem Wert von 7,7 wieder in den positiven Bereich (Jahresbeginn 2026: -6,5). Die Kapazitätsauslastung ist von 76,1 % auf 80,9 % gestiegen. Die Antworten zu den Auftragseingängen lassen auf eine weitere Erhöhung der Kapazitäten hoffen: Im Herbst 2025 sprachen noch 44 % von fallenden Auftragseingängen. Dieser Wert hat sich nun mehr als halbiert auf nun 19,8 %. 45,1 % gehen von steigenden Auftragseingängen aus. Das entspricht einer Steigerung um 31,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn 2026. Erklärt werden kann diese Entwicklung jedoch auch mit den Antworten aus der DIHK-Blitzumfrage zur Krise im Nahen Osten: Ein Drittel der Industriebetriebe reagiert mit steigender Lagerhaltung auf den Krieg, insbesondere bei Kunststoffen und elektronischen Komponenten.
Die Auswirkungen der geopolitischen Verwerfungen sind jedoch in den Antworten zu den Exporterwartungen nicht zu sehen: 36,1 % erwarten gleichbleibende Exporte, nicht mal jedes zehnte Unternehmen stellt sich auf rückläufige Exporte ein (8,4 %), 16,9 % der Unternehmen werden nicht exportieren und 38,6 % gehen von steigenden Exporten aus – zu Jahresbeginn waren es noch 17,9 %. Damit verbessern sich die Exportaussichten spürbar: Der Exporterwartungsindikator steigt von (-6,0) zum Jahresbeginn auf nun 36,2 Punkte und liegt damit deutlich im positiven Bereich und über den langfristigen Durchschnitt (21,5 Punkte). Dabei steigt der Indikator in allen abgefragten Weltregionen, jedoch wiederholt am stärksten in Richtung europäischer Märkte: Nachfrageimpulse versprechen sich die Unternehmen aus Ländern der EURO-Zone (Lageindikator 32,5) und der Ländergruppe Sonstige EU, Schweiz und Norwegen (25,0). 30,8 % gehen von steigenden Exporten nach Asien aus (Jahresbeginn 2026: 14,8 %) und 17,5 % nach Lateinamerika aufgrund des Mercosur-Abkommens. Auch wenn die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber heimischen Produkten auf dem US-amerikanischen Markt durch Zölle geschmälert wird, hoffen die Industrieunternehmen, dass die Exporte nach Nordamerika wieder anziehen: 23,1 % sehen steigenden Exporten entgegen. Diese Aussichten deuten darauf hin, dass das Exportgeschäft im Jahr 2026 an Dynamik gewinnen könnte.
Bei den TOP-Risikothemen haben sich die Antworten stark verschoben in Richtung exogener, vom Ausland abhängiger Faktoren: Für 76,9 % der befragten Industrieunternehmen sind nun die Energiepreise das TOP-Thema, gefolgt von geopolitischen Spannungen (63,7 %) und Rohstoffpreisen (58,2 %). Die Inlandsnachfrage – seit Herbst 2023 auf Platz 1 im Ranking – nimmt in ihrer Bedeutung stark ab (49,5 %, Jahresbeginn 2026: 75 %) und fällt auf den fünften Platz, nach den Arbeitskosten (54,9 %). Insgesamt fällt auf, dass die TOP 3 in der Risikobewertung stark zugenommen haben, dabei vor allem die Rohstoffpreise (+34,3 Prozentpunkte). Stark gefallen in ihrer Bedeutung ist die Auslandsnachfrage (-30,2 Prozentpunkte); der Fachkräftemangel stellt nur für 19,8 % der befragten Unternehmen ein Hemmnis für die eigene wirtschaftliche Entwicklung dar. Im Mittelfeld der abgefragten Risikofaktoren liegen weiterhin die Lieferketten/Lieferengpässe und die Wirtschaftspolitik.
Während die konjunkturellen Wirtschaftsindikatoren durchweg positive Signale senden, werden die Restrukturierungspläne in den Industrieunternehmen weiter fortgesetzt: Weiterhin die Hälfte (49,4 %) will die Belegschaft halten und 19,1 % sprechen davon, neue Beschäftigte einzustellen. Fast ein Drittel (31,5 %) wollen Beschäftigte entlassen, was jedoch einer Senkung von 6,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahresbeginn entspricht.
In dem weiter schwierigen Marktumfeld hat sich die Investitionsbereitschaft per Saldo fast nicht verändert (-11 Punkte, Jahresbeginn 2026: -9,8): Jedes fünfte Industrieunternehmen will mehr investieren (20,9 %), 45,1 % sprechen von einer gleichbleibenden Investitionshöhe (+10,3 Prozentpunkte) und 2,2 % wollen nicht investieren (-3,2 Prozentpunkte). Der Ersatzbedarf ist weiterhin das Hauptmotiv der Inlandsinvestitionen (55,1 %), jedoch mit weiter abnehmender Tendenz und einem der niedrigsten Werte der letzten knapp sechs Jahre. Im Coronaherbst 2020 lag der Indikator noch tiefer bei 54,8 %. Investitionen werden zwar primär getätigt, um die Rationalisierung im Unternehmen (51,7%; +10,5 Prozentpunkte) voranzutreiben. Jedoch wollen auch 47,2 % der Industrieunternehmen in Produkt- und Verfahrensinnovationen und 28,1 % Kapazitätserweiterungen investieren. Abgenommen hat die Investitionsbereitschaft aus Gründen der Digitalisierung (38,2 %, -14,7 Prozentpunkte) und des Umweltschutzes/Energieeffizienz (28,1 %; -3,7 Prozentpunkte).
Gedreht hat sich wieder die Einschätzung zur Finanzlage: Weniger als die Hälfte der Unternehmen (45,1 %) stufen ihre Finanzlage als problematisch ein, am Jahresbeginn waren es 62,7 %. Als Gründe geben die Unternehmen an: Eigenkapitalrückgänge (19,5 %), hohe Fremdkapitalbelastung (17,1 %) und Liquiditätsengpässe (14,6 %). Von einem erschwerten Fremdkapitalzugang sprechen nur noch 6,1 % (Jahresbeginn 2026: 18,1 %) und das insbesondere für die Finanzierung von Investitionen (inkl. Leasing). Von drohender Insolvenz betroffen ist keines der befragten Industrieunternehmen.

Baubranche von strukturellen Problemen geplagt

Die Bauwirtschaft ist weiterhin von strukturellen Problemen geplagt. Einerseits befinden sich die Zinsen weiterhin deutlich über dem Niveau von vor fünf Jahren – ein Faktor, der sowohl private als auch gewerbliche Investoren belastet. Zudem kommen neben den ohnehin gestiegenen Baukosten der letzten Jahre nun auch steigende Energiepreise hinzu, die die Stimmung in der Baubranche erneut dämpfen. Während noch zu Jahresbeginn ein Drittel der befragten Unternehmen eine gute Geschäftslage angegeben haben, sind es nun knapp 6 %; mit schlecht antworten 25 % - am Jahresbeginn waren es noch 11 % Der Geschäftslageindikator sinkt von 11 auf -18,8 Punkte und rutscht in den negativen Bereich. Im Frühsommer sehen die Unternehmen weiter pessimistisch in die Zukunft: Kein befragtes Unternehmen aus dem Baugewerbe geht von einer Verbesserung aus. 44 % gehen von einer Verschlechterung aus – im Frühsommer 2025 waren es nur 15 %.
Von steigenden Auftragseingängen berichten lediglich 16 %. Der öffentliche Hochbau hofft zwar weiterhin auf Aufträge aus dem Infrastrukturpaket der Bundesregierung – bleibt aber skeptisch: Kein Unternehmen geht von steigenden Auftragseingängen aus. Der Tiefbau bleibt der stabilste Bereich. Der Wohnungsbau bewegt sich nur langsam aus der Talsohle: 15 % erwarten weiterhin steigende Auftragseingänge – vor einem Jahr waren es nur 6 %. Der geförderte Wohnungsbau sowie energetische und bauliche Sanierungsmaßnahmen sichern diesen Unternehmen das Geschäft. 25 % der Unternehmen aus dem gewerblichen Hochbau gehen von steigenden Auftragseingängen aus. Erklärbar ist dies durch die höhere Investitionsbereitschaft einiger Unternehmen, die Neubau- und Erweiterungsprojekte aufgrund von Kapazitätserweiterungen planen.
Die pessimistischen Geschäftserwartungen spiegeln sich in den Erwartungen zu Beschäftigung und Investitionen wider: Kein Unternehmen will Mitarbeitende in den kommenden zwölf Monaten einstellen (Jahresbeginn 2026: 11 %) und kein Bauunternehmen will zusätzliche Investitionen tätigen, 88 % sprechen von gleich bleibenden oder abnehmenden Investitionen. Die, die investieren, geben primär als Hauptmotiv Ersatzbedarf, Digitalisierung und Investitionen aus Gründen des Umweltschutzes/Energieeffizienz an. Das Risiko Fachkräftemangel rutscht im Ranking auf Platz vier und wird verdrängt von geopolitischen Spannungen, Arbeitskosten sowie den Energiepreisen, die die wirtschaftliche Tätigkeit der Baubranche weiter hemmen.
Die Finanzlage hat sich im Bausektor leicht verbessert: 44 % der Bauunternehmen sprechen von einer unproblematischen Finanzlage – zu Jahresbeginn waren es nur 35 %. Vier von zehn Bauunternehmen machen hierfür zunehmende Forderungsausfälle verantwortlich, 11 % der befragten Unternehmen sprechen von einem erschwerten Fremdkapitalzugang.