Xingshuo „Vivian“ Zhu ist Chinesin und mag Giengen und die Menschen auf der Ostalb

„Ich fühle mich hier wie daheim“

„Ich mag Giengen. Die Stadt ist klein, aber sehr schön. Und ich habe viele großartige und hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen. Ich fühle mich hier wie daheim“, sagt Xingshuo „Vivian“ Zhu. Die junge Frau lebt nun fast seit sieben Jahren auf der Ostalb, spricht sehr gut Deutsch, arbeitet bei der Firma BSH Hausgeräte GmbH in Giengen und ist sehr stolz darauf, für dieses Unternehmen tätig sein zu dürfen. Ihre Wurzeln aber hat sie 9.000 Kilometer entfernt in Shenyang. Die neun Millionen Einwohner zählende Großstadt ist gleichzeitig Provinzhauptstadt und liegt im Norden Chinas. Dort leben Vivian Zhus Eltern, die sie mindestens zwei Mal im Jahr besucht. Die Ostalb ist für die junge Chinesin so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Natürlich kann Vivian Zhu nicht wissen, was die Zukunft noch bringt, aber einige Jahre möchte sie schon noch gerne in Giengen bleiben.
Das hat sicher auch damit zu tun, dass ihr Arbeitgeber BSH Hausgeräte GmbH sich sehr ins Zeug gelegt hat, um seiner Mitarbeiterin den Start im fernen Europa so leicht wie möglich zu machen. Ehe sie endgültig auf die Ostalb kam, durfte sie im April 2018 erst einmal „reinschnuppern“ und auf einer „Look-and-see-Reise“ ihr künftiges Arbeitsumfeld und die Gegend etwas kennenlernen. Als sie dann zwei Monate später nach einem zwölfstündigen Flug schwer bepackt, erneut in München landete, war nicht nur das Wetter sehr gut, sondern hatte das Unternehmen auch einen Transfer nach Giengen organisiert. Eine kleine Wohnung erwartete sie und sie traf, wie sie heute noch freudestrahlend und dankbar erzählt, auf großartige Kolleginnen und Kollegen, die sie auch privat unterstützten.
Sie gaben ihr Tipps, wo sie gute Ärzte findet, sie halfen ihr über ungewohnte bürokratische Hürden, etwa, wie man sich beim Einwohnermeldeamt anmeldet, wie man den Führerschein machen oder ein Konto eröffnen kann. „In der Personalabteilung, das sind die Besten!“, ist sich Vivian Zhu sicher. Zehn Jahre ist sie nun für die BSH tätig, davon über sechs Jahre in Deutschland. „Ich habe dieses Land sofort gemocht“, erinnert sie sich an ihre ersten Eindrücke nach der Landung in München. „Und als ich nach Giengen kam, fühlte ich mich gleich wie zuhause.“

Blick zurück nach China

Das Licht der Welt erblickt hat sie in Shenyang, wo ihre Eltern heute noch leben und wo sie die Schule bis zum Abitur absolviert hat. Die junge Frau beherrscht natürlich Mandarin, die chinesische Hochsprache, die in dem riesigen, 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Land überall gesprochen und verstanden wird, sie spricht ihren heimischen Dialekt und hat bereits in der Schule Englisch gelernt. Zum Studium ging sie an die Universität für Finanzen und Wirtschaft in den Süden ihres Landes, nach Nanjing, eine Stadt mit über acht Millionen Einwohnern. Dort hat übrigens auch die BSH ihren chinesischen Hauptsitz.
Vivian Zhu ahnte damals allerdings noch nicht, dass sie einmal für dieses deutsche Unternehmen tätig sein würde. Vielmehr ging sie für zwei Semester an die Partneruniversität in Southampton in Großbritannien. „Ich war das erste Mal in Europa und ich war ganz allein“, erzählt sie. Aber das sei eine gute und wichtige Erfahrung für sie gewesen, denn hier habe sie das westliche System kennengelernt – und das unterscheide sich grundlegend von dem in ihrer Heimat.

Gute Ausbildung genossen

Sie habe aber auch festgestellt, dass sie zuhause eine sehr gute Bildung genossen habe. Man lege in der Schule in China mehr Wert auf die Theorie und das sei für sie eine gute Grundlage gewesen, um auf der britischen Insel die Praxis kennenzulernen. Auch sonst sind ihr einige Unterschiede aufgefallen. So arbeite man in China mehr, die 40-Stunden-Woche ist der Standard und es gibt üblicherweise weniger Jahresurlaub, lediglich 15 Tage. Und China hat keine so genannten Brückentage wie Deutschland, wie sie lächelnd hinzufügt.
Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: In Giengen wie in ihrer Heimat mögen die Menschen gleiche oder ähnliche Speisen, wie beispielsweise Schweinefleisch und Sauerkraut. Und auch beim Wetter gibt es kaum Unterschiede. In beiden Regionen kennt man Winter und Schneefall. Es kann sehr kalt sein, ganz im Gegensatz zum Süden von China, wo es so warm ist, dass man keine Zentralheizungen in den Häusern kennt.
Nachdem sie ihr Studium mit dem Bachelor und mit dem Master abgeschlossen hatte, war Vivian Zhus erste berufliche Station eine französische Firma in Nanjing. Drei Jahre lang war sie Auditorin für Prozesse und Finanzen und deswegen viel im ganzen Land unterwegs. „Drei Wochen im Monat war ich auf Dienstreise, habe viele Regionen in meiner Heimat bereist und kennengelernt und dabei auch viel gelernt“, erzählt sie und ergänzt: „Ich liebe es, Neues auszuprobieren.“

Nichts ist beständiger als ein Wechsel

So fand sie es nach drei Jahren auch an der Zeit, das Unternehmen zu wechseln und nochmals neu anzufangen. Sie bewarb sich 2014 mit Erfolg bei der BSH in Nanjing. Dort wurden nämlich Experten für das Lieferanten-Risikomanagement gesucht. Perfekt für sie mit ihrem Finanz-Background. Nach vier Jahren im Einkaufsteam in China erhielt sie 2018 das Angebot, ganz ins Ausland zu gehen – also nach Deutschland, auf die Ostalb. „Ich habe sofort zugesagt, denn das war eine große Chance für mich“, erinnert sich Vivian Zhu zurück an die Zeit, in der für sie eine neue, wichtige berufliche Weichenstellung erfolgte.
Eine, die sie bis heute nicht bereut hat. Das Unternehmen organisierte für sie einen Deutsch-Kurs. Dafür sei sie sehr dankbar, erzählt sie, denn dadurch sei für sie der Start in dem damals für sie noch fremden Land nicht schwer gewesen, erinnert sie sich zurück. Nicht zuletzt natürlich auch dank der Unterstützung durch ihre Kolleginnen und Kollegen, die sie überall erfahren habe.
„Ich mag meine Arbeit hier“, erzählt Vivian Zhu lächelnd. Sie beschäftigt sich beim Lieferantenmanagement im Sinne der Nachhaltigkeit damit, dass die Lieferanten Standards für Klimaschutzanforderungen einhalten. Der BSH geht es nicht nur um niedrige Verbrauchswerte bei den Geräten, sondern auch darum, CO2-reduzierte Materialien zu verwenden und somit bereits bei der Produktion auf Nachhaltigkeit zu achten. „Ich bin stolz darauf, dass dieses Thema für unser Unternehmen sehr wichtig ist und dass es hier eine Vorreiterrolle einnehmen will“, fügt die junge Frau strahlend an.
Sie ist ein wichtiger Teil davon, denn Vivian Zhu ist Projektleiterin für die sogenannte „Bosch Green Collection Kühl-Gefrierkombination “, die nun auf den Markt kommt. Das Produkt weist eine CO2-Reduktion um 50 Prozent in den Produktionsmaterialien auf. Es wird beispielsweise aus CO2-reduziertem Stahl, Schaum und Kunststoffen hergestellt und hat die beste Energieeffizienzklasse A.

Deutschland kennengelernt

Privat ist Vivian Zhu inzwischen in eine etwas größere Wohnung umgezogen, nicht weit entfernt von ihrem Arbeitsplatz. Sie trifft sich mit deutschen und chinesischen Freunden, macht gerne Reisen und hat bereits viele Regionen in Deutschland, aber auch andere europäische Länder kennengelernt. Sie treibt gerne Sport und hält sich fit. Zwei- bis drei Mal im Jahr besteigt sie das Flugzeug, um für jeweils zwei Wochen ihre Eltern zu besuchen. Die waren übrigens anfangs nicht sonderlich begeistert, dass ihr einziges Kind ins ferne Ausland gehen wollte. Aber als sie geduldig erklärte, dass sie mehr Urlaub als zuvor haben würde, um Familie und Freunde zu besuchen, so willigten sie letzten Endes ein. „Zumal sie wissen, dass ihre Vivian ein Globetrotter ist“, fügt sie lächelnd hinzu.
Autor: Viktor Turad