Der Industrieausschuss der IHK Ostwürttemberg traf sich am 20. Oktober 2025 bei der EnBW ODR AG in Ellwangen, um sich über die Herausforderungen der Energiewende und die Energieinfrastruktur der Zukunft zu informieren. Die Sitzung bot den Mitgliedern Einblicke in aktuelle Entwicklungen, wirtschaftliche Risiken sowie Hemmnisse bei der Umsetzung der Energiewende aus Sicht der regionalen Industrie.
Industrieausschuss vor Ort bei der EnBW in Ellwangen.
Zu Beginn erhielten die Ausschussmitglieder einen umfassenden Überblick über die Energieinfrastruktur der Zukunft. Thematisiert wurden die steigenden Kosten der Energietransformation sowie die zentralen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung: verlässliche politische Rahmenbedingungen, Klarheit zur Kraftwerkstrategie, finanzierbare Lösungen und zügiges Vorgehen. Anschließend wurde der aktuelle Stand der Energiewende in der Region dargestellt, unter anderem hinsichtlich Investitionskosten, Finanzierung und der Erwartungen an Unternehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Energiewendebarometer, das jährlich vom DIHK erstellt wird. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Stimmungsbild der Wirtschaft in Baden-Württemberg: Unternehmen sehen nach wie vor mehr Risiken als Chancen für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Besonders die hohen Energiepreise wirken sich negativ auf das Investitionsklima aus und führen zunehmend zu Verlagerungen ins Ausland – insbesondere in der Industrie. Gleichzeitig erkennen die Unternehmen ihre Schlüsselrolle für die Erreichung der Klimaneutralität an und stehen grundsätzlich hinter der Energiewende.
Als Haupthemmnisse für die Transformation wurden identifiziert: zu viel Bürokratie, fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik, langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren, hohe Energiepreise, schwierige Finanzierung und Fachkräftemangel. Die Ausschussmitglieder bestätigten diese Einschätzung und berichteten aus der Praxis über konkrete Beispiele, insbesondere zu bürokratischen Hürden und Verzögerungen bei Genehmigungen.
Der Industrieausschuss positioniert sich hier eindeutig:
„Wir stehen grundsätzlich hinter dem Ziel der Energiewende. Wir wollen aber unternehmerische Freiheit. Wir bremsen uns selbst aus und unsere Innovationsfähigkeit, da wir uns oft fragen müssen: Darf ich das überhaupt?“,
betonte der Ausschussvorsitzende Franz Rieger.
„Die Politik ist gefordert, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, Bürokratie abzubauen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Wir dürfen nicht müde werden, auf Missstände hinzuweisen und sie nicht als selbstverständlich zu akzeptieren.“
Im weiteren Verlauf wurden auch die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage vorgestellt und diskutiert. Sie geben einen Überblick über die Stimmung der Unternehmen in der Region und beleuchten zentrale wirtschaftliche Herausforderungen sowie Perspektiven für die kommenden Monate.
Den Abschluss bildete ein Besuch der Leitstelle der EnBW ODR AG, bei dem die Teilnehmenden Einblicke in das Management der Stromnetze, die Versorgungssicherheit und die laufende Netzsteuerung in der Region erhielten.
Das Treffen des Industrieausschusses verdeutlicht die aktive Rolle der regionalen Industrie: Hemmnisse werden klar benannt, und der Handlungsbedarf für die Politik wird deutlich – etwa beim Abbau von Bürokratie, der Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen und der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Zugleich zeigt sich, dass Unternehmen bereit sind, ihre Schlüsselrolle in der Transformation wahrzunehmen, wenn regulatorische Unsicherheiten reduziert werden und mehr Planbarkeit gegeben ist.