Die Ellwanger EnBW ODR AG ordnet Fortschritte, Kosten und Herausforderungen der Energiewende ein

Es braucht Realismus, Akzeptanz und kluge Übergänge

Die Energiewende ist eines der ambitioniertesten Transformationsprojekte Deutschlands. Bis 2045 sollen rund 80 Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Für Sebastian Maier, Vorstand der EnBW ODR AG, ist klar: Dieses Ziel ist richtig. Der Weg dorthin ist jedoch komplex, kostenintensiv und nur mit Augenmaß zu bewältigen.
„Das ist ein extrem ehrgeiziges Ziel, das riesige Investitionen erfordert“,
betont Maier beim Jahrespressegespräch.
Die Gesamtkosten der Transformation schätzt er auf rund eine Billion Euro.
„Am Ende geht es darum, wer die Energiewende bezahlt und wie wir sie tragbar gestalten.“
Im Stromsektor sieht Maier deutliche Fortschritte, insbesondere im Netzgebiet der Netze ODR. Während bundesweit rund die Hälfte des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammt, liegt der Anteil im Netzgebiet der EnBW ODR bereits heute bei 82 Prozent. Möglich wurde dies vor allem durch den starken Ausbau der Photovoltaik. 2024 war mit fast 9000 neu angeschlossenen Anlagen ein Rekordjahr. Auch 2025 liegt trotz eines leichten Rückgangs weiterhin deutlich über dem Niveau früherer Jahre.
Immer mehr Menschen erzeugen also Strom selbst. Die durchgeleitete Strommenge im Netz sinkt, während die Investitionen weiter steigen. Allein 2025 flossen seitens der EnBW ODR rund 60 Millionen Euro in den Stromnetzausbau. Ab 2030 sollen es durchschnittlich rund 100 Millionen Euro pro Jahr sein.
„Netze sind das Rückgrat der Energiewende, gerade im ländlichen Raum“,
sagt Maier.
Möglich wird diese Investitionsoffensive auch durch bundesweite Ausgleichsmechanismen, die stark belastete Netzgebiete entlasten. Dadurch konnte das Netzentgelt im Netze ODR-Gebiet zum 1. Januar 2026 von 8,3 auf 7,75 Cent pro Kilowattstunde sinken. Auch der Strompreis für Kunden der EnBW ODR ging zum Jahreswechsel im Schnitt um rund 5,5 Cent pro Kilowattstunde zurück. Ein wichtiger Hebel für das zukünftige Energiesystem sind dynamische Stromtarife. In Kombination mit intelligenter Steuerung, Energiemanagement und Speichern könne das Gesamtsystem deutlich effizienter und stabiler werden.
Besonders herausfordernd bleibt laut Maier die Wärmewende. In dicht bebauten Innenstädten können Wärmenetze sinnvoll sein. Im ländlichen Raum sind sie häufig teuer und ineffizient. Seit über fünf Jahren verzichtet die EnBW ODR deshalb bewusst auf neue Gasinfrastruktur in Neubaugebieten.
„Im Neubau ist die Wärmepumpe der wirtschaftlich richtige Weg. Im Bestand brauchen wir individuelle Lösungen statt pauschaler Vorgaben“,
betont Maier.
Der Umbau des Wärmesektors werde daher ein Prozess über ein bis zwei Jahrzehnte sein.
Gleichzeitig stellt die EnBW ODR die sichere Gasversorgung für ihre Kunden weiterhin verlässlich sicher. Nach heutiger Einschätzung ist die Versorgung über das bestehende Gasnetz mindestens bis über das Jahr 2040 hinaus gewährleistet. Damit bleibt Gas insbesondere im Bestand eine wichtige Übergangslösung, während alternative Technologien schrittweise weiterentwickelt und ausgebaut werden.
Für Maier steht fest: Über den Erfolg der Energiewende entscheiden nicht allein Technik oder politische Zielmarken, sondern die Menschen selbst.
„Die Menschen geben den Takt vor, mit ihren Investitionsentscheidungen und auch an der Wahlurne“,
sagt Maier.
Deshalb brauche es transparente Rahmenbedingungen, verlässliche Förderung und realistische Zeiträume. „Die Energiewende muss leistbar bleiben, sonst verliert sie ihre Akzeptanz.“