„Verein zur Förderung von IT aus Europa“ gegründet

Mit den aktuellen Herausforderungen im transatlantischen Verhältnis werden die Rufe nach mehr technologischer Unabhängigkeit laut – das gilt nicht nur für die Verteidigungsindustrie, sondern auch für das IT-Umfeld. Eben jene digitale Souveränität zu stärken ist das Ziel des Vereins zur Förderung von IT aus Europa (ITE), den sieben Gründungsmitglieder in Giengen aus der Taufe gehoben haben.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Mitarbeitern der EXTRA Computer GmbH auch Beschäftigte von deren Muttergesellschaft, dem Server- und Storage-Spezialisten Thomas-Krenn.AG. Zudem sind Vertreter der IT-Beratung Sysfacts AG, der frisch gegründeten CoreCooling GmbH sowie von der Mainboard-Sparte des Embedded-Experten Kontron AG dabei. Diese Unternehmen bzw. Personen haben sich bereits der Charta des noch jungen Vereins verpflichtet, wie es gemäß Satzung auch künftige Mitglieder vornehmen müssen: die Unabhängigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit im IT-Sektor durch europäische Lieferketten stärken – der zentrale Vereinszweck. Dieser wird über Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit sowie ein zugehöriges Siegel verfolgt.

Auf diese Weise möchte der Verein die Abhängigkeit von nicht-europäischen Technologien reduzieren. In der Folge sollen wirtschaftliche Risiken europäischer Unternehmen minimiert werden, wie sie etwa durch geo- und wirtschaftspolitische Unwägbarkeiten, Datenschutzbedenken sowie technologische Abhängigkeit entstehen und jüngst besonders offensichtlich wurden. Vor diesem Hintergrund wird der ITE auch politische Initiativen wie den European Chips Act unterstützen. Um zugehörige Aktivitäten mit entsprechender Belegbarkeit und Transparenz zu versehen, wird der Verein überdies das Siegel „IT aus Europa“ etablieren.

Gütesiegel „IT aus Europa“

Dieses Gütesiegel „IT aus Europa“ (ITE) soll entsprechend ausschließlich für Unternehmen zugänglich sein, die hohen Ansprüche an regionale Fertigung, Entwicklung und Dienstleistung genügen: Es wird für Produkte aus den Bereichen IT-Hardware, IT-Dienstleistung und Software inklusive Cloud-Angeboten vergeben werden, die belegbar u. a. einen hohen Anteil an Wertschöpfung im europäischen Wirtschaftsraum samt UK und der Schweiz enthalten. Forschungsprojekte- und -einrichtungen können das Siegel ebenfalls verliehen bekommen. Es hilft Entscheidern aus Wirtschaft und öffentlicher Hand, Produkte und Dienstleistungen zu identifizieren, die einen besonders hohen lokalen Wertschöpfungs-Anteil bieten und zugleich europäische Sicherheitsstandards, DSGVO-Konformität sowie Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Für die Einhaltung und Prüfung aller Kriterien wird ITE mit einer etablierten Prüforganisation zusammenarbeiten. Mehrere Abstufungen werden dabei unter anderem die Höhe des Anteils der Wertschöpfung innerhalb Europas abbilden.

„Wir haben im europäischen Wirtschaftsraum einen Binnenmarkt mit 500 Millionen Menschen und enormer Wirkkraft. Wir haben ein starkes Ausbildungssystem und sind innovativ. Es wird Zeit, dass wir diese Stärken selbstbewusster einsetzen“,
sagt Christian Herzog, Geschäftsführer der EXTRA Computer GmbH und erster Vorstand des ITE.
„Wir müssen aktiv daran arbeiten, unsere Souveränität zu stärken. Zu den wichtigsten zählt nach unserem Verständnis die IT-Industrie, da sie das Rückgrat für jede weitere Branche bildet.“

Der Verein erwartet nach jüngsten Gesprächen eine Reihe weiterer namhafter Unternehmen als Mitglieder, die ebenfalls für „IT aus Europa“ stehen. Für die künftige Verbandsarbeit seien überdies gemäß Vorstandschaft – komplettiert durch Christoph Maier, CEO der Thomas-Krenn.AG – auch weitere Mitglieder willkommen. Der Vereinssitz befindet sich in Giengen an der Brenz, am Unternehmenssitz der EXTRA Computer GmbH.