Die Stimmung unter den Unternehmen in Ostwürttemberg hat sich im Herbst 2026 gegenüber den Vormonaten erneut verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Ostwürttemberg liegt bei 119,8 und damit nochmals 9,7 Punkte höher als in der letzten Umfrage. Bei der Mehrheit der befragten Unternehmen zeichnet sich bei der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen eine Verbesserung ab.
Der Blick in die Auswertung zeigt: Jedes dritte Unternehmen verzeichnet steigende Auftragseingänge, die Exportaussichten verbleiben im Positiven. Die Personalpläne ändern sich insgesamt nicht und bleiben verhalten, während die Bereitschaft, Investitionen zu tätigen, leicht zunimmt. Derzeit zählen rund sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken in den kommenden zwölf Monaten, mehr als die Hälfte gibt geopolitischen Spannungen an. In der Industrie hat sich die Geschäftslage nochmals deutlich verbessert, während die Dienstleister ihre Einstellungsbereitschaft senken.
„Die Unternehmen in Ostwürttemberg senden erneut positive Signale, doch für eine Entwarnung ist es zu früh. Hohe Kosten, Strukturprobleme und geopolitische Risiken bleiben weiterhin große Herausforderungen“,
sagt Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.
„Jetzt braucht es klare politische Leitplanken, deutliche Entlastung bei der Bürokratie und eine sichere, bezahlbare Energieversorgung, damit die aktuellen Impulse dauerhaft wirken und ein anhaltender Aufschwung gelingt.“
Geschäftslage erneut verbessert, Geschäftserwartungen optimistischer
Die Erhöhung des Geschäftslageindikators ist darauf zurückzuführen, dass 41,6 Prozent der Unternehmen in der Region ihre Geschäftslage weiterhin als gut beschreiben, 48,5 Prozent bewerten sie als befriedigend. In der Kategorie „gut“ ist der Wert nochmals um 4,7 Prozentpunkte gestiegen (im Vergleich zum Frühsommer 2026). Es sind mit 9,9 Prozent wiederholt weniger Unternehmen, die die Lage als „schlecht“ bewerten (-8,5 Prozentpunkte). Insbesondere die Industrie trägt zu dieser positiven Entwicklung bei.
Auch die Geschäftserwartungen fallen über alle Branchen hinweg besser aus: Im Frühsommer 2026 trübte sich die optimistischere Haltung zum Jahresbeginn wieder leicht ein. Nun geht fast jedes vierte Unternehmen (23,4 Prozent) von einer Verbesserung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten aus. Gleichzeitig gehen mit 14,5 Prozent auch deutlich weniger Unternehmen von einer Verschlechterung der Geschäftstätigkeit aus (-10,6 Prozentpunkte).
Umsatzsteigerung, stabile Ertragslage und Auftragseingänge, optimistische Exporterwartungen
Bei 40 Prozent der Unternehmen sind die Umsätze gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal gestiegen (+9 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025) und das insbesondere in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten. Bei lediglich 20,7 Prozent sind sie gefallen (-14,4 Prozentpunkte). Die Umsatzerwartungen haben sich verbessert: Mehr als jedes dritte Unternehmen (35,5 Prozent) spricht von steigenden und nur 18,1 Prozent sprechen von sinkenden Umsatzerwartungen. Die Ertragslage hat sich leicht verbessert und die Auftragseingänge entwickeln sich weiterhin positiv. Knapp jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) spricht von steigenden und nur jedes fünfte (20,6 Prozent) von sinkenden Auftragseingängen.
Trotz der anhaltenden geopolitischen und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten gehen 37,3 Prozent der Industrieunternehmen von steigenden Exporten aus, nur 4 Prozent der Unternehmen stellen sich auf rückläufige Exporte ein. Damit verfestigen sich die positiven Exportaussichten vom Frühsommer: Der Exporterwartungsindikator steigt nochmals um 4,1 Punkte auf nun 40,3 und liegt damit deutlich im positiven Bereich und über den langfristigen Branchendurchschnitt (22 Punkte).
Energiepreise dominieren
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken ist weiterhin bestimmt durch geo- und handelspolitische Unwägbarkeiten: Derzeit zählen mehr als sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken (63,3 Prozent), mehr als die Hälfte gibt geopolitische Spannungen an (55,2 Prozent). Die Bedeutung der Arbeitskosten nimmt nochmals zu (+2,7 Prozentpunkte), sodass sie im Ranking auf Platz zwei landen, in der arbeitsintensiven Dienstleistungsbranche landen sie sogar auf Platz eins.
Leicht zunehmende Investitionsbereitschaft und zurückhaltende Einstellungsbereitschaft
Trotz geopolitischer Risiken und negativer Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Ostwürttemberg im Vergleich zum Jahresbeginn wieder leicht zu: Knapp 70 Prozent der Unternehmen sprechen von zunehmender oder gleichbleibender, 20 Prozent von abnehmender Investitionsbereitschaft in den kommenden zwölf Monaten. Jedes zehnte Unternehmen will keine Investitionen tätigen. Diese leichte Erhöhung geht jedoch insbesondere auf Rationalisierungen zurück: Während noch vor einem Jahr jedes dritte Unternehmen (33,6 Prozent) derartige Maßnahmen plante, ist es jetzt 44,8 Prozent. Die Bereitschaft, die Digitalisierung voranzutreiben, bleibt stabil bei rund 49 Prozent der Nennungen.
Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate zeigt insgesamt eine Stabilisierung der zurückhaltenden Personalnachfrage: Rund 16 Prozent der Befragten gehen von steigenden Beschäftigtenzahlen aus – jedoch planen weiterhin 29,5 Prozent der Unternehmen mit Freistellungen. Eine Mehrheit von 54,8 Prozent der Unternehmen wollen ihre Personalstärke stabil halten. Die branchenspezifische Einstellungsbereitschaft fällt unterschiedlich aus: Bei den Dienstleistern sinkt der Beschäftigungsindikator weiter um 9,2 Punkte auf -24,5 Punkte. Anders in der Industrie: Der Indikator nähert sich mit -2,6 Punkten der Nullmarke und legte nochmals um knapp zehn Prozentpunkte zu.
„Unser Ziel ist es weiterhin, die Transformation der Unternehmen mit unseren Partnern in der Region aktiv zu gestalten. Wir treiben im Rahmen der Offensive ‚Zukunft Ostwürttemberg‘ wichtige Zukunftsprojekte voran und sind in konkreten politischen Gesprächen, um weiterer Unterstützung für die Region zu bekommen. Außerdem setzen wir die Arbeit des Digitalisierungszentrums und des Transformationsnetzwerkes Ostwürttemberg fort, von deren Angeboten Betriebe direkt profitieren“,
so OB a. D. Thilo Rentschler.
Herbst-Sonderbefragung Fachkräfte:
Stellenbesetzungsprobleme entspannen sich weiter, Qualifikationsniveaus verschieben sich nur leicht
Die Stellenbesetzungsprobleme haben sich im Vergleich zum Herbst 2025 weiter entspannt: 30,6 Prozent haben kein Problem, offene Stellen zu besetzen. 35,4 Prozent der Betriebe in Ostwürttemberg, die einstellen wollen, können offene Stellen nicht besetzen, weil die passenden Fachkräfte fehlen. Besonders groß ist die Not im Verkehrsgewerbe (63,6 Prozent), am geringsten im Handel (23,5 Prozent).
Am häufigsten und über alle Branchen hinweg fehlen beruflich Qualifizierte mit dualer Ausbildung: 76,5 Prozent der Unternehmen, die nach Beschäftigten suchen, würden gern dual ausgebildete Praktikerinnen und Praktiker einstellen. 22,1 Prozent haben Probleme bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen. Weiterhin sucht jedes fünfte Unternehmen Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die Nachfrage nach hoch ausgebildeten Fachkräften hat sich nur leicht verändert: 29 Prozent suchen vergeblich nach Beschäftigten mit Weiterbildungsabschluss (+3,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025) und 27,3 Prozent mit (Fach-)Hochschulabschluss (-0,7 Prozentpunkte).
Ausführlicher, digital verfügbarer Konjunkturbericht mit Analysen einzelner Branchen sowie weiterer Erläuterungen zur Konjunktur: Konjunkturbericht Herbst 2026