Energiewende in Ostwürttemberg

Firmen fordern klare Energiepolitik

Energiewende-Barometer 2026: Unternehmen fordern mehr Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Energiepreise und weniger Bürokratie
Die Unternehmen in Ostwürttemberg sehen bei der Energiewende weiterhin mehr Risiken als Chancen für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das zeigt das aktuelle Energiewende-Barometer der IHK Ostwürttemberg. Der Barometerwert liegt bei minus 13,5 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 und damit in etwa auf dem Niveau des baden-württembergischen Gesamtwerts von minus 13. An der Befragung beteiligten sich 64 Unternehmen aus der Region, mehr als die Hälfte davon aus der Industrie.
„Unsere Unternehmen wollen investieren und die Transformation gestalten. Dafür brauchen sie aber verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine funktionierende Infrastruktur. Wenn sich Investitionen aufgrund hoher Kosten und fehlender Planungssicherheit nicht rechnen, werden sie zurückgestellt oder aufgeschoben“,
betont Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.

Fehlende Planbarkeit und Bürokratie bremsen

Rund drei Viertel der befragten Unternehmen nennen fehlende Informationen sowie mangelnde Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik als zentrale Hindernisse für ihre Transformationsbemühungen. 60 Prozent sehen zu viel Bürokratie als Hemmnis. Für die Hälfte der Unternehmen sind zudem langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren beziehungsweise fehlende Infrastruktur problematisch.
Auch die Energiepreise bleiben ein entscheidender Standortfaktor. Fast die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass die hohen Energiepreise bereits zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland führen. Mehr als ein Drittel stellt deshalb Investitionen in wichtige Kernprozesse zurück.

Unternehmen investieren weiter

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen setzen die Unternehmen konkrete Maßnahmen um. Mehr als drei Viertel arbeiten an einer Steigerung der Energieeffizienz, rund die Hälfte baut eigene Energieerzeugungskapazitäten auf. Auch beim Umbau der Wärmeversorgung und bei der Nutzung von Abwärme werden Maßnahmen umgesetzt.
Bei der Wahl der Technologien kommt es für die Unternehmen vor allem auf Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit an.
„Das zeigt sich auch beim Thema Wasserstoff: Für viele Unternehmen hängt ein Einsatz von Preis und technischer Verfügbarkeit ab. Gleichzeitig werden der Ausbau von Netzen und Infrastruktur sowie Investitionssicherheit als wichtige Voraussetzungen für die Transformation genannt“,
erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler.
Die Rückmeldungen aus der Praxis zeigen insgesamt, dass sich Investitionen wirtschaftlich rechnen müssen. Lange Amortisationszeiten und hohe Investitionskosten erschweren insbesondere größere energetische Maßnahmen.
Aus Sicht der IHK Ostwürttemberg sind deshalb verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen und eine leistungsfähige Energie- und Netzinfrastruktur entscheidend. Nur wenn sich die Transformation auch wirtschaftlich darstellen lässt, kann die notwendige Investitionsbereitschaft der Unternehmen erhalten bleiben.