Wirtschaft in Ostwürttemberg
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Ostwürttemberg stärkt MINT

MINT-Modellregion Ostwürttemberg startet

Die Region Ostwürttemberg baut ein regionales Netzwerk für starke MINT-Bildung auf – mit breiter politischer Rückendeckung und wachsendem Engagement der Unternehmen.
Die großen Herausforderungen, wie Innovation, Forschung und Transformation bedürfen bei der Umsetzung mehr denn je qualifizierte Arbeitskräfte im MINT-Bereich. Die IHK Ostwürttemberg begegnet dieser Herausforderung mit einer ambitionierten regionalen MINT-Initiative – und erhält dafür Rückenwind aus allen politischen Richtungen. Baden-Württemberg ist ein Industrieland wie kaum ein anderes in Deutschland: Mehr als ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – rund 1,3 Millionen Menschen – arbeitet derzeit in MINT-Berufen. Doch das ist noch nicht genug. Der Fachkräftebedarf wächst weiter, angetrieben von Megatrends wie Digitalisierung und Dekarbonisierung.
MINT in Zahlen
  • 26,8 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in BW sind in MINT-Berufen tätig – bundesweit der höchste Anteil (Stand 2023).
  • Rund 1,3 Mio. von 4,9 Mio. Beschäftigten in BW arbeiten in MINT-Berufen (Stand 2024).

Von der Strategie zur MINT-Modellregion

Seit November 2024 arbeitet die IHK Ostwürttemberg gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und dem Digitalisierungszentrum digiZ an einer regionalen MINT-Ausrichtung. In mehreren Workshops entstand ein Konzeptpapier, das mit den führenden Köpfen der regionalen MINT-Akteure abgestimmt wurde. Außerdem erfolgte eine Umfrage zu mathematischen Kompetenzen. Im Oktober 2025 beschloss das IHK-Präsidium die Unterstützung der regionalen MINT-Aktivitäten durch personelle Ressourcen. Dadurch soll eine künftige Koordination der Initiative sichergestellt werden.
Partner im regionalen Netzwerk sind die Zukunftsakademie Heidenheim (ZAK), die Gmünder Wissenswerkstatt eule, das explorhino Aalen, die Bildungsbüros der beiden Landratsämter, die WiRO, der Arbeitgeberverband Südwestmetall sowie die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, die Hochschule Aalen und die DHBW Heidenheim. Gemeinsam mit den Schulen bilden sie ein starkes MINT-System.

Landesstrategie gibt Rückenwind

Parallel zur regionalen Initiative hat die Landesregierung Baden-Württemberg ihre MINT-Strategie in einem Kabinettsbeschluss ausgebaut und nun auch im neuen Koalitionsvertrag festgeschrieben. In einem Road-Mapping-Prozess, begleitet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, werden auf Basis einer landesweiten Befragung mit über 700 Teilnehmenden konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt. Weitere Ergebnisse sollen Ende Juni 2026 vorgestellt werden.
Teil der Landesstrategie ist eine digitale Plattform, die schulische und außerschulische MINT-Angebote landesweit sichtbar macht. Ergänzend wird geprüft, eine MINT-Geschäftsstelle im Kultusministerium einzurichten, um die Koordinierung und den Ausbau der Aktivitäten zu gewährleisten. Das Land unterstützt und finanziert die Aktivitäten von außerschulischen Forschungszentren bzw. Schülerforschungszentren bislang nur mit 25 Vollzeitstellen an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg – in Ostwürttemberg profitieren die ZAK in Heidenheim, die eule in Schwäbisch Gmünd und das explorhino in Aalen davon.
Sonderbeauftragter MINT-Strategie Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

„Das MINT-Fachforum Ostwürttemberg setzt ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung der Bildungslandschaft in Baden-Württemberg. Die Vermittlung von Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist eine zentrale Voraussetzung dafür, junge Menschen auf die Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt vorzubereiten und ihnen zugleich echte Zukunftschancen zu eröffnen. Es muss unser Anspruch sein, MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungsbiografie zu stärken – von der frühen Förderung bis zum Übergang in Ausbildung, Studium und Beruf. Dafür braucht es verlässliche Kooperationen, innovative Lernangebote und eine enge Verzahnung von schulischer und außerschulischer Bildung. Das Fachforum bietet die Chance, bestehende Initiativen in Ostwürttemberg besser zu vernetzen, Zugänge zu vereinfachen und gemeinsam tragfähige Strukturen weiterzuentwickeln. Mit der regionalen MINT-Erklärung wird dieses gemeinsame Engagement sichtbar und verbindlich. So kann Ostwürttemberg zu einem starken Beispiel für gelingende MINT-Förderung in Baden-Württemberg werden.“

Parteiübergreifende politische Unterstützung

Die regionale MINT-Initiative stößt auf breite politische Zustimmung. CDU-Landeschef und Vize-Ministerpräsident Manuel Hagel bezeichnete die Initiative in einem Schreiben an die IHK als wegweisend und beispielgebend und betonte die Notwendigkeit einer MINT-Gesamtstrategie von der Kita bis zur Weiterbildung. Der neue Ministerpräsident und Bundesminister a.D. Cem Özdemir signalisierte ebenfalls Interesse an der weiteren Entwicklung und auch aus den Landtagsfraktionen kamen ermunternde Signale. Die Initiative hat damit einen echten parteiübergreifenden Rückhalt.
Auch die Baden-Württemberg-Stiftung hat ihre Unterstützung zugesagt. Deren Geschäftsführerin, Ministerin a.D. Theresia Bauer, erklärte im Oktober 2025, sowohl einzelne Maßnahmen als auch größere strategische Projekte unterstützen zu wollen. Im Austausch mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus wurde zudem das Thema Frauen in MINT-Berufen als weiteres Thema identifiziert.
„Wir danken der bisherigen Landesregierung und den Landtagsfraktionen für die klare Unterstützung unserer MINT-Initiative. Ich hoffe, dass die neue Landesregierung alle MINT-Aktivitäten deutlich stärkt. Ostwürttemberg verfügt über ein herausragendes Netzwerk und zeigt bereits heute, wie gute MINT-Bildung in der Fläche gelingen kann. Dies muss jetzt finanziell vom Land weiter gestärkt werden.“
Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg
Geschäftsführender Gesellschafter, Maschinenfabrik Seydelmann KG

„Wir sehen in unserem Unternehmen täglich, wie entscheidend MINT-Kompetenzen für unsere Zukunft sind. Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum basieren auf fundiertem Wissen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ohne gut ausgebildete Fachkräfte, die auch eine gewisse Begeisterung in diesen Bereichen mitbringen, können wir die Herausforderungen von Digitalisierung, Automatisierung und Energiewende nicht erfolgreich meistern. Deshalb ist es für uns nicht nur unternehmerische, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung, junge Menschen früh für MINT zu begeistern und gezielt zu fördern.“


Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Unternehmen sind eingeladen, sich aktiv einzubringen – finanziell, inhaltlich oder als Praxispartner. Die Beteiligung am Ausbau des regionalen MINT‑Netzwerks ist für Unternehmen weit mehr als gesellschaftliches Engagement – sie ist eine gezielte Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit. Die Behebung des Fachkräftemangels von morgen entscheidet sich in den Klassenzimmern von heute. Engagierte Unternehmen positionieren sich sichtbar als attraktive Arbeitgeber in der Region und stärken nachhaltig ihre Arbeitgebermarke. Gleichzeitig entsteht ein direkter Zugang zu jungen Menschen, die über praxisnahe Projekte, Workshops oder Unternehmenskooperationen früh Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufsfelder erhalten und gleichzeitig die fördernden Unternehmen kennenlernen.
Durch die enge Vernetzung von Unternehmen, Bildungseinrichtungen und MINT‑Akteuren entstehen neue Synergien und ein gemeinsames Verständnis dafür, welche Kompetenzen in der Region künftig gebraucht werden. So wird aus individuellem Engagement ein starkes regionales Bildungsnetzwerk – zum Nutzen der Unternehmen, der jungen Generation und der gesamten Wirtschaftsregion.

Michael Schürle
Teamleitung MINT-Region
Abteilung: Innovation | Digitalisierung | IT | MINT-Region