Wirtschaft in Ostwürttemberg
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Ehrenpräsident der IHK Ostwürttemberg

Im Gespräch mit Dr. Hansjörg Rieger

Die Wirtschaft in Ostwürttemberg wählt im Herbst ihr höchstes Gremium, die IHK-Vollversammlung neu. Wahlberechtigt sind mehr als 30.000 Mitgliedsunternehmen aus der Region. IHK-Ehrenpräsident Dr. Hansjörg Rieger beschreibt die Aufgaben der IHK in der selbstverwalteten Wirtschaft und erläutert, warum Unternehmerinnen und Unternehmer sich darin einbringen sollten.
Herr Dr. Rieger, warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, sich für die Vollversammlungswahl – sei es als Kandidat oder als Wähler – zu engagieren?
Dr. Hansjörg Rieger:
Die IHK ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wirtschaft vor Ort. Wie im politischen Bereich ein Parlament, trifft die IHK-Vollversammlung hierzu die grundsätzlichen Entscheidungen. Daher ist es wichtig, dass in der Vollversammlung Industrie, Handel, Dienstleister und Banken vertreten sind.
Was kann die Motivation für Unternehmerinnen und Unternehmer sein, sich im Ehrenamt bei der IHK zu engagieren?
Ein aktives Mitgestalten zum Wohle unserer regionalen Wirtschaft sollte ein starker Beweggrund sein, um sich in die IHK-Vollversammlung einzubringen. Ich rufe unsere Unternehmerinnen und Unternehmer auf, sich für ihre Belange einzusetzen und zu kandidieren. Dazu bietet die IHK-Vollversammlung eine wichtige Plattform.
Was ist außer der Bereitschaft zur Kandidatur wichtig, damit eine Interessenvertretung der Mitgliedsunternehmen gut funktioniert?
Für die gewählten Mandatsträger in der Vollversammlung ist eine breite Unterstützung aus ihren Branchen ungeheuer wichtig. Eine breite Basis von Wählern bildet die Grundlage, damit die Stellungnahmen und Beschlüsse der Vollversammlung dann auch ihr notwendiges Gewicht bekommen und aktiv gegenüber der Öffentlichkeit artikuliert werden können. Deshalb auch hier mein lautstarker Aufruf: Beteiligen Sie sich an den Wahlen im Oktober und stärken Sie Ihrer Interessenvertretung den Rücken!
Wie sehen die Gestaltungsmöglichkeiten konkret aus?
Ein Kernpunkt der IHK liegt im Bildungsbereich. Angesichts zunehmendem Fachkräftemangels ist es wichtig, sich im Beruf weiterzubilden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die berufliche Ausbildung in den IHK-Berufen. Ihr Stellenwert als Erfolgsmodell muss hochgehalten werden, damit genügend ausbildungsfähige und ausbildungswillige junge Menschen der regionalen Wirtschaft zur Verfügung stehen. Die IHK Ostwürttemberg unterhält ein modernes Bildungszentrum in Aalen, in der auch überbetriebliche Ausbildung sowie zahlreiche Umschulungen, Weiterbildungen und Kurse angeboten werden. Darüber hinaus hat die IHK-Vollversammlung Ende 2024 den Beschluss gefasst, in Heidenheim einen Bildungsanbau zu realisieren.
Die Interessenvertretung wurde in den vergangenen Jahren gestärkt – Stichwort Offensive „Zukunft Ostwürttemberg“.
Die 2021 gestartete zweite Zukunftsoffensive Ostwürttemberg trägt dazu bei, dass sich die Region Gehör verschafft – sei es in Stuttgart, Berlin oder wie jüngst bei der Delegationsreise nach Brüssel. Die kleine Region Ostwürttemberg zeichnet der enge Schulterschluss der verantwortlichen Akteure in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft aus. Die IHK sieht sich als Klammer, um alle Akteure bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung zusammen zu holen, um positive Rahmenbedingungen zu erreichen – und zwar im konstruktiven Miteinander. Auch hierbei ist die IHK-Vollversammlung gemeinsam mit den Ausschüssen und Arbeitskreisen ein wichtiger Treiber.
Als Unternehmerin und Unternehmer lohnt sich also ein aktives Einbringen in die IHK?
Die einfache und kurze Antwort darauf lautet: Ja! Die Leitlinien und Grundsätze der IHK-Arbeit werden durch die Vollversammlung, und damit die regionale Wirtschaft selbst, bestimmt. Einzelinteressen von Unternehmen oder Branchen werden diskutiert und zum Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gebündelt und in politische Prozesse eingebracht. Die IHK macht sich so immer wieder aufs Neue selbst stark. Davon profitieren die Unternehmer, die sich engagieren, ganz konkret auch selbst. Bedürfnisse und Notwendigkeiten der unternehmerischen Praxis können direkt in politische Entscheidungsprozesse eingebracht werden. Die Gremienarbeit fördert zudem das Netzwerk der Unternehmerinnen und Unternehmer: Erfahrungen werden unter Gleichgestellten ausgetauscht.
Warum ist ein Engagement gerade 2026 besonders angezeigt?
Die Welt und die Region befinden sich in einem rasanten Umbruchprozess. Zeit ist zum wichtigen Erfolgsfaktor geworden. Als Unternehmer ist es heute wichtiger denn je, am Puls der Zeit zu agieren und über die Entwicklungen und Trends Bescheid zu wissen. Die IHK vereint ein hohes Maß an diesem Wissen. Als Unternehmer angesichts multipler Krisenszenarien gegenüber der Politik aufzutreten und aus der Praxis zu berichten, ist aus meiner Sicht enorm wichtig und dringlich. Wir müssen Wirtschaft wieder sichtbarer machen in unserer Gesellschaft. Dazu trägt die anstehende IHK-Wahl zur Vollversammlung bei.
Herr Dr. Rieger, besten Dank für das Gespräch.

Ehrenpräsident der IHK Ostwürttemberg
Dr. Hansjörg Rieger ist gemeinsam mit seinen Söhnen geschäftsführender Gesellschafter der Unterkochener RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH & Co. KG. Er war von 1989 bis 2001 Präsident der IHK Ostwürttemberg und wurde bei seinem Ausscheiden aus diesem Amt zum Ehrenpräsidenten ernannt. In dieser Funktion bringt er sich immer noch aktiv in die IHK-Arbeit ein. Insgesamt war Dr. Hansjörg Rieger 28 Jahre Mitglied in der IHK-Vollversammlung.
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