IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026
Zuversicht in schwieriger Zeit
- Schwierigkeiten bei der Finanzierung – schwacher Einzelhandel
- Geschäftslage leicht eingetrübt, Geschäftserwartungen optimistischer
- Hauptrisiken bleiben Inlandsnachfrage und Arbeitskosten, geopolitische Spannungen bereiten weiter Sorgen
- Arbeitsmarktrisiken bleiben, problematische Finanzierung
- Leichte Verschlechterung bei Umsätzen und Ertragslage, steigende Auftragseingänge
- Blick in die Branchen
- Infokasten:
Schwierigkeiten bei der Finanzierung – schwacher Einzelhandel
In Ostwürttemberg hat sich das konjunkturelle Stimmungsbild zum Jahresbeginn 2026 gegenüber den Vormonaten leicht verbessert. Zwar wurden die Bewertungen zur aktuellen Geschäftslage im Vergleich zum Herbst geringfügig nach unten korrigiert, jedoch weist der Konjunkturklimaindikator aufgrund optimistischerer Zukunftserwartungen in eine leicht positive Richtung.
Thilo Rentschler, IHK-Hauptgeschäftsführer, fasst die Ergebnisse zusammen:
„Zwar zeigen die Unternehmen in Ostwürttemberg erste Schritte raus aus der Talsohle, doch hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie, internationaler Wettbewerbsdruck und Zollturbulenzen bremsen Investitionen und Beschäftigung. Die Zinspause der Europäischen Zentralbank schafft Stabilität, ersetzt aber keine Reformen. Die Politik ist weiterhin gefordert, entschlossen zu handeln, damit die zarte Zuversicht der Unternehmen nicht verpufft.“
Geschäftslage leicht eingetrübt, Geschäftserwartungen optimistischer
31 Prozent der Unternehmen in Ostwürttemberg beschreiben ihre Geschäftslage weiterhin als „gut“, die Hälfte bewerten sie mit „befriedigend“ und jedes fünfte mit „schlecht“. Der Geschäftslageindikator; der die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen abbildet, ist leicht um 1,7 Punkte auf einen Wert von 10,2 gefallen, verbleibt aber im positiven Bereich. Dagegen sind die Unternehmen wieder optimistischer: Der Geschäftserwartungsindikator liegt um 6,4 Punkte höher als im Herbst 2025 und weist wie im Frühsommer 2025 wieder einen positiven Wert (3,8) auf. Der IHK-Konjunkturklimaindex als Kennzahl für den konjunkturellen Gesamtzustand Ostwürttembergs weist daher in eine leicht positive Richtung: Er liegt nun bei 107 und damit 2,6 Punkte höher als in der letzten Umfrage.
IHK-Konjunkturindikatoren für die Region Ostwürttemberg;
Hauptrisiken bleiben Inlandsnachfrage und Arbeitskosten, geopolitische Spannungen bereiten weiter Sorgen
Hauptrisiko und größte Herausforderung für 62 Prozent der Unternehmen ist weiterhin die Inlandsnachfrage. Den höchsten Zuwachs mit 8 Prozentpunkten zeigen die an zweiter Stelle liegenden Arbeitskosten gefolgt von den Energiekosten. Geopolitische Spannungen nehmen um 5 Prozentpunkte zu und landen im Ranking auf Platz vier, während der Fachkräftemangel in seiner Bedeutung stark abnimmt (-10 Prozentpunkte) und auf Platz sechs abrutscht. Weiter abnehmende Bedeutung ist bei Rohstoffpreisen und der Wirtschaftspolitik festzustellen. 8 Prozent sehen in der Wechselkursentwicklung ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit; zum Jahresbeginn 2025 waren es noch 3 Prozent.
Arbeitsmarktrisiken bleiben, problematische Finanzierung
Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate zeigt keine Stabilisierung: Weiterhin gehen zwar 13 Prozent der befragten Unternehmen von steigenden Beschäftigtenzahlen aus – jedoch plant nun jedes dritte Unternehmen mit Freistellungen (33 Prozent), im Herbst 2025 waren es noch 26 Prozent. 54 Prozent der Unternehmen wollen ihre Personalstärke stabil halten. Dieser Anteil ist um 7 Prozentpunkte gefallen.
Die Investitionsbereitschaft hat sich wieder leicht verbessert: Fast 60 Prozent der Unternehmen sprechen von zunehmender oder gleichbleibender Investitionsbereitschaft, insbesondere aus Gründen der Digitalisierung (+4 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025), vier von zehn Unternehmen wollen Innovationen fördern bzw. jedes dritte rationalisieren. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) will seine Kapazitäten erweitern. 56 Prozent geben Ersatzinvestitionen an. 54 Prozent der Unternehmen sprechen von einer problematischen Finanzlage insbesondere aufgrund von Liquiditätsengpässen, Eigenkapitalrückgängen und Forderungsausfällen; im Herbst waren es noch 45 Prozent.
Leichte Verschlechterung bei Umsätzen und Ertragslage, steigende Auftragseingänge
Trotz leichter Verschlechterung bei Umsätzen und Ertragslage, verbessern sich die Umsatzerwartungen der Unternehmen und ihre Auftragseingänge: 29 Prozent sprechen von steigenden und 23 Prozent von sinkenden Umsatzerwartungen. 19 Prozent der Unternehmen gehen von steigenden Auftragseingängen aus (+3 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025) und 23 Prozent von sinkenden Eingängen (-12 Prozentpunkte).
Abschließend betont IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler zur aktuellen IHK-Konjunkturumfrage:
„Der Strukturwandel in Ostwürttemberg kann nur mit zügigem, mutigem Handeln und im kooperativen Miteinander von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Herausforderungen meistern. Der neu aufgestellte Masterplan 2.0 der Offensive ‚Zukunft Ostwürttemberg‘ ist unsere Handlungsgrundlage und soll Innovation, Infrastruktur, die Energiewende und die Resilienz stärken.“
Blick in die Branchen
In der Industrie zeigen sich zu Jahresbeginn erste Anzeichen einer Stabilisierung: 23 Prozent der Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage mit „gut“, 26 Prozent bewerten sie mit „schlecht“. Im Vergleich zur letzten Umfrage überwiegt jedoch die optimistischere Erwartungshaltung: 17 Prozent sprechen von einer Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten (-19 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025), von einer Verbesserung gehen weiterhin 21 Prozent aus. Die Kapazitätsauslastung ist erneut von 78 auf 76 Prozent gesunken. Die Antworten zu den Auftragseingängen lassen jedoch auf eine Erhöhung der Kapazitäten hoffen: Im Herbst 2025 sprachen noch 44 Prozent von fallenden Auftragseingängen. Dieser Wert hat sich nun halbiert auf 21 Prozent.
TOP-Risikothema für 75 Prozent der befragten Industrieunternehmen ist die Inlandsnachfrage, gefolgt von den Arbeitskosten, den Energiepreisen und geopolitischen Spannungen. Diese Unsicherheiten wirken sich auf die Exporterwartungen aus: lediglich 18 Prozent gehen von steigenden Exporten (-11 Prozentpunkte) aus. Nachfrageimpulse versprechen sich die Unternehmen insbesondere aus EU-Ländern.
Die Restrukturierungspläne in den Industrieunternehmen setzen sich fort: 50 Prozent wollen die Belegschaft halten. 38 Prozent wollen Beschäftigte entlassen, was einer Erhöhung von 7 Prozentpunkten im Vergleich zum Herbst 2025 entspricht. Fachkräftemangel sehen 18 Prozent der Industrieunternehmen als Risiko. Dagegen sind die Industrieunternehmen zum Jahresbeginn eher bereit zu investieren, als sie es noch im Herbst 2025 waren: 60 Prozent sprechen von zunehmenden oder gleichbleibenden Investitionen (Herbst 2025: 52 Prozent), dabei vor allem zur Förderung von Digitalisierung (53 Prozent, +14 Prozentpunkte) sowie Produkt- und Verfahrensinnovationen (43 Prozent; +13 Prozentpunkte).
Die Handelsunternehmen in Ostwürttemberg bewerten ihre Geschäftslage weiterhin überwiegend als „befriedigend“ (66 Prozent), lediglich 7 Prozent sprechen von einer guten Geschäftslage. Während der Lageindikator im Großhandel im Vergleich zum Herbst weiter steigt und sich nun mit 4,8 Punkten im positiven Bereich befindet, sinkt der Lageindikator im Einzelhandel stark ab und erreicht mit (-43,5) Punkten den niedrigsten Wert, seit es die IHK-Konjunkturumfrage in dieser Form ab 2007 gibt. Damit leidet insbesondere der Einzelhandel weiterhin unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Auch das Weihnachtsgeschäft blieb hinter den Erwartungen zurück und belastet Umsätze und Erträge weiterhin spürbar. 35 Prozent der Handelsunternehmen wollen die Beschäftigtenzahlen reduzieren – im Herbst waren es noch 19 Prozent. Falls Investitionen getätigt werden, dann zum Zweck der Digitalisierung, Vertriebs- und sonstiger Innovationen und Ersatzbedarf.
Der zum Jahresende 2025 erkennbare positive Trend im Baugewerbe hat sich zu Jahresbeginn 2026 abgeschwächt. Nicht mehr die Hälfte, sondern lediglich ein Drittel der Unternehmen bewertet die Geschäftslage als gut. Kein Betrieb rechnet mit einer Verbesserung, 33 Prozent erwarten eine Verschlechterung – jedoch waren es zu Jahresbeginn 2025 noch rund 60 Prozent. Gleichzeitig zeigen sich erste Stabilisierungstendenzen bei den Auftragseingängen: 19 Prozent melden steigende Aufträge, nachdem zu Jahresbeginn 2025 kein Unternehmen diese Kategorie gewählt hatte. Impulse erwartet vor allem der öffentliche Hochbau durch die Öffentlichen Infrastrukturpakete. Auch im privaten Wohnungsbau mehren sich Anzeichen einer Erholung. Größtes Risiko bleibt der Fachkräftemangel, gefolgt von schwacher Inlandsnachfrage und hohen Rohstoffpreisen. Sorgen bereitet die Finanzlage: Nur noch 35 Prozent bewerten sie als unproblematisch (Herbst 2025: 59 Prozent). 6 Prozent sehen sich von Insolvenz bedroht.
Die Dienstleister sind weiterhin überdurchschnittlich zufrieden mit der aktuellen Situation und blicken zuversichtlich in die Zukunft: Der Geschäftslageindikator steigt im Vergleich zum Herbst 2025 von 36 auf 43. 83 Prozent sprechen von einer verbesserten oder gleichbleibenden Geschäftserwartung. Gründe sind steigende Umsätze, eine stabile Ertragslage und weiter steigende Auftragsvolumina: Jedes dritte Unternehmen spricht von steigenden Auftragseingängen (31 Prozent). Insbesondere ITK- und Beratungs-Dienstleister tragen positiv zu dieser Entwicklung bei. Das Hauptrisiko bei den überwiegend arbeitsintensiven Dienstleistern sind weiterhin die Arbeitskosten mit einer Erhöhung um 11 Prozentpunkte. Von fallenden Beschäftigtenzahlen sprechen 26 Prozent (+6 Prozentpunkte), 20 Prozent von steigenden (+5 Prozentpunkte).
Im Transport- und Verkehrsgewerbe hat sich die Geschäftslage zum Herbst verbessert: 29 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut, 13 Prozent als schlecht. Auch die Umsätze haben sich positiv entwickelt. Eine nachhaltige Erholung zeichnet sich bei den Auftragseingängen jedoch noch nicht ab. Vor dem Hintergrund der schwachen Industriekonjunktur berichten 39 Prozent von rückläufigen Aufträgen, kein Unternehmen von steigenden Auftragseingängen. Die Investitions- und Einstellungsbereitschaft der Verkehrsunternehmen bleiben stabil zum Herbst 2025. Nicht mehr der Fachkräftemangel, sondern der steigende Arbeitskostendruck führen das Ranking der Risikofaktoren an.
Im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten 38 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 56 Prozent als befriedigend. Die Ertragslage hat sich leicht entspannt, während sich die Zimmerauslastung in der Hotellerie bei allen befragten Betrieben erhöht hat. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich verbessert: Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer positiven Geschäftsentwicklung, 13 Prozent mit einer Verschlechterung. Entsprechend steigt die Investitionsbereitschaft von knapp 28 Prozent auf 44 Prozent.
Infokasten:
Der Konjunkturbericht mit Dashboards und Analysen einzelner Sektoren, einem Blick in die Landkreise sowie weitere Erläuterungen zur Konjunktur sind abrufbar unter: https://www.ihk.de/ostwuerttemberg Seitennummer: 3291754.
In ihrer drei Mal pro Jahr durchgeführten Konjunkturumfrage nutzt die IHK Ostwürttemberg übliche Verfahren der Marktforschung. Aus der Grundgesamtheit der gewerblichen Wirtschaft zieht die IHK eine repräsentative Auswahl von Unternehmen aller Größen und Branchen. Im Zeitraum 29.12.2025 bis 20.01.2026 haben 191 von 466 befragten Unternehmen an der Umfrage teilgenommen.
