Erwerbsbeteiligung spielt in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sie sichert den Lebensunterhalt und bildet eine wichtige Grundlage der sozialen Sicherungssysteme. Daneben ist die Zahl der Erwerbslosen der zentrale Angebotsindikator des Arbeitsmarktes. In der öffentlichen Wahrnehmung steht meist die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Arbeitslosen im Mittelpunkt.
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
Die monatlichen Daten der Arbeitsagenturen bereiten wir in übersichtlicher Form für die Region Ostwestfalen (Arbeitsagenturen Bielefeld, Herford und Paderborn), NRW und den Bund auf.
Weitere interessante und ausführliche Daten zu den Kreisen und kreisfreien Städten finden Sie auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.
NRW-Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit geht im Juni erneut zurück Im Juni ist in Nordrhein-Westfalen die Arbeitslosigkeit leicht gesunken. Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer um 1.350 Personen oder 0,2 Prozent auf nun 779.623 arbeitslos gemeldete Menschen zurück. Die landesweite Arbeitslosenquote sank auf 7,7 Prozent. Vor einem Monat hatte die Quote 0,1 Prozentpunkte höher gelegen. Im Vergleich zum Vorjahr waren mit 1.287 Personen oder 0,2 Prozent weniger Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Damit kam es zum zweiten Mal in Folge zu einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich – nachdem zuvor in der langfristigen Perspektive die Arbeitslosigkeit seit September 2022 kontinuierlich gestiegen war.
Aufgrund der üblichen saisonalen Schwankungen rechnen die Agenturen für Arbeit im kommenden Monat mit einem Anstieg bei der Zahl der Arbeitslosen.
„Der NRW-Arbeitsmarkt hat sich im zweiten Monat in Folge besser entwickelt, als wir es noch im Frühjahr aufgrund der Abhängigkeit der NRW-Wirtschaft von einem kriselnden Weltmarkt erwartet hatten“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW Bundesagentur für Arbeit.
„Dass die Zahl der Arbeitslosen im Juni zurückgeht, ist erfreulich, in normalen Zeiten mit gut laufender Konjunktur wäre das aber saisontypisch. Tatsächlich waren die vergangenen vier Jahre keine ‚normalen Zeiten‘. Hier hatten wir im Juni im Durchschnitt einen Anstieg um rund 8.000 zusätzliche Arbeitslose. In den vergangenen zwei Monaten gab es also eine Entspannung am Arbeitsmarkt. Das freut mich insbesondere für die Frauen und Männer, die davon profitieren und eine neue Arbeit aufnehmen konnten. Doch leider bedeuten zwei gute Monate in Folge noch nicht, dass eine dauerhafte und nachhaltige Trendwende am NRW-Arbeitsmarkt eingeleitet ist.“
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen Die Heterogenität der sechs NRW-Arbeitsmarktregionen zeigte sich auch im Juni: Als Zugpferde für den leichten Rückgang der NRW-Arbeitslosigkeit zeigten sich das Münsterland und Ostwestfalen Lippe sowie das Rheinland. In Südwestfalen und im Bergischen Land stagnierten die Arbeitsmärkte, während es im Ruhrgebiet sogar zu einem leichten Anstieg kam.
In Ostwestfalen Lippe waren im Juni 73.624 Menschen arbeitslos gemeldet, 931 Personen oder 1,2 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Münsterland sank die Arbeitslosigkeit ebenfalls um 1,2 Prozent. 569 Menschen waren hier weniger arbeitslos gemeldet, als vor einem Monat, insgesamt 46.423 Personen. Im Rheinland sank die Zahl der Arbeitslosen um 627 Personen oder 0,2 Prozent auf jetzt 268.720 Frauen und Männer. Im Bergischen Land waren mit 76.895 Menschen 16 Personen mehr arbeitslos gemeldet als im Mai. Auch auf dem Niveau des Vormonats blieb der Arbeitsmarkt in Südwestfalen. Hier waren 59 Menschen oder 0,1 Prozent mehr arbeitslos als im Vormonat. gemeldet. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei 49.591 Personen. Im Ruhrgebiet stieg die Arbeitslosigkeit leicht um 702 Personen oder 0,3 Prozent. Aktuell sind hier 264.370 Menschen arbeitslos gemeldet. Mit 4,7 Prozent lag im Juni die Arbeitslosenquote im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,7 Prozent im NRW-Durchschnitt, im Ruhrgebiet kam es sogar zu einem Anstieg der Quote um 0,1 Punkte auf 10,5 Prozent.
Arbeitsmarkt: Wie sich die Industriebeschäftigung regional entwickelt (IW)
Das Institut der deutschen Wirtschaft informiert: “Der Strukturwandel schreitet voran. Die Industrie reduziert Arbeitsplätze, die Stellenausschreibungen sind auf dem tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang trifft die Regionen unterschiedlich stark, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).”
Von 2019 bis 2025 sind rund 420.000 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weggefallen. Der Rückgang läuft dabei nicht über Massenentlassungen. Das Risiko, aus einer Industriestelle heraus arbeitslos zu werden, ist historisch niedrig; stattdessen besetzen Unternehmen freiwerdende Stellen nicht mehr nach. Zuletzt schrieb die Industrie so wenige Stellen aus wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Das zeigt eine IW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Industriestarke Standorte halten sich noch
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. In industriestarken Kreisen entstanden bis 2019 überdurchschnittlich viele Industriearbeitsplätze. Zugleich driften die Regionen stärker auseinander, wie bereits ein Blick auf ausgewählte Regionen verrät.
Warnsignal: Unternehmen verlieren Vertrauen in den Standort
Besserung ist nicht in Sicht: Laut IW-Konjunkturumfrage vom April wollen 37 Prozent der Industrieunternehmen in diesem Jahr Personal abbauen, nur 14 Prozent planen Neueinstellungen. Zwar sind industrietypische Berufe außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes seit 2014 um 15 Prozent gewachsen – Ingenieure und Techniker arbeiten zunehmend bei Dienstleistern. Doch die Industrialisierung des Dienstleistungssektors kann ins Stocken geraten, wenn die Krise länger anhält. „Die Entwicklung ist ein Warnsignal: Nicht die Entlassungen sind das Problem, sondern dass Unternehmen kaum noch einstellen. Eine Trendwende ist möglich – sie erfordert aber, dass Deutschland als Industriestandort wieder an Attraktivität gewinnt", sagt IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele.