Erwerbsbeteiligung spielt in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sie sichert den Lebensunterhalt und bildet eine wichtige Grundlage der sozialen Sicherungssysteme. Daneben ist die Zahl der Erwerbslosen der zentrale Angebotsindikator des Arbeitsmarktes. In der öffentlichen Wahrnehmung steht meist die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Arbeitslosen im Mittelpunkt.
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
Die monatlichen Daten der Arbeitsagenturen bereiten wir in übersichtlicher Form für die Region Ostwestfalen (Arbeitsagenturen Bielefeld, Herford und Paderborn), NRW und den Bund auf.
Weitere interessante und ausführliche Daten zu den Kreisen und kreisfreien Städten finden Sie auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit.
NRW-Arbeitsmarkt: Schwache Entwicklung während der Sommerferien
In Nordrhein-Westfalen hat sich der Arbeitsmarkt während der Sommerferien schwächer entwickelt als erwartet. Im August waren 808.970 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 15.815 Personen oder 2,0 Prozent mehr als im Vormonat. Damit nahm die Arbeitslosigkeit wie schon im vergangenen Jahr im August auf über 800.000 Menschen zu. Zudem lag die Arbeitslosigkeit auch leicht über der des Vorjahres, um 0,6 Prozent oder 5.155 Frauen und Männern. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,0 Prozent – wie im Jahr zuvor.
„Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Monat stärker gestiegen, als wir es aufgrund der vorhergehenden Monate erwarten konnten“, sagte Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Die Gründe für den Anstieg im August sind saisonaler wie auch konjunktureller Natur, beide zusammen führen wie schon vor einem Jahr dazu, dass während der Sommerferien die Arbeitslosigkeit in NRW auf über 800.000 Personen gestiegen ist.“
„Wir haben in diesem Jahr immer wieder betont, dass wir zwar eine Aufhellung am Arbeitsmarkt erkennen können, aber noch keine echte Trendwende sehen. Das hat sich im August leider bestätigt, da sich wieder mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitslos melden mussten als in den Vormonaten – im Vergleich zum Juli fast 4.300 mehr“, sagte Strangfeld. Hinzu komme, dass das „Ausgangsniveau in der Arbeitslosigkeit in NRW nach wie vor hoch ist, nach vier Jahren, in denen die Wirtschaft unablässig unter Druck steht.“ Zwar stagnierte zuletzt die Zahl der Arbeitslosen, „wir konnten sogar einen leichten Rückgang beobachten. Doch im August ist diese Entwicklung erst einmal zu einem Ende gekommen.“
Eine positive Nachricht sieht Strangfeld trotzdem: „Die Zahl der Neueinstellungen ist stabil auf dem Niveau der Vormonate geblieben, obwohl aufgrund der Sommerpause in den Unternehmen durchaus mit einem Rückgang zu rechnen gewesen wäre. Im August wurden zudem fast 30.000 neue Stellen gemeldet, mehr als im Durchschnitt der Vormonate. Das passt zu Aussagen aus der Wirtschaft, dass die Auftragsbücher wieder etwas voller sind.“
Zu den jahreszeitlich üblichen Einflüssen gehört das Ende der beruflichen Ausbildungen, sagte Strangfeld weiter: „Viele berufliche Ausbildungsgänge enden in den Monaten Juni bis August. Das ist einer der typischen saisonalen Faktoren. Dazu gehört auch, dass viele dieser jungen, frisch ausgebildeten Menschen relativ schnell ihre erste Anstellung als Fachkraft finden werden. Ein weiterer Faktor ist das Ende der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie zum Beispiel Umschulungen oder andere Qualifizierungsprogramme. In diesem Monat waren es fast 8.000 Frauen und Männer, die nach dem Ende ihrer Ausbildungsmaßnahmen erst einmal wieder arbeitslos geworden sind.“
Für die kommenden Monate geht Strangfeld davon aus, dass die Arbeitslosigkeit wieder sinkt: „Jetzt beginnt die Zeit der Herbstbelebung. Wann wir in NRW wieder unter die Zahl von 800.000 arbeitslos gemeldeten Menschen kommen, hängt davon ab, wie die Wirtschaft im Spätsommer und Herbst in Fahrt kommt. Viele der hemmenden Faktoren bestehen nach wie vor, angefangen bei den weltpolitischen Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund sind Prognosen kaum möglich.“
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen
In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen stieg im August die Arbeitslosigkeit.
Im Bergischen Land stieg im Vergleich zum Vormonat die Zahl der Arbeitslosen um 1.316 Frauen und Männer oder 1,7 Prozent auf 79.130 arbeitslos gemeldete Menschen. Um 1,8 Prozent legte die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet zu. 4.877 Personen waren hier mehr arbeitslos als im Vormonat, insgesamt waren das 273.045 arbeitslose Menschen. In Südwestfalen waren 935 Menschen oder 1,8 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Im August lag hier die Arbeitslosigkeit bei 51.627 Personen. In Ostwestfalen Lippe waren 77.162 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.540 Personen oder 2,0 Prozent mehr als im Monat vorher. Im Rheinland stieg die Zahl der Arbeitslosen um 5.413 Personen oder ebenfalls 2,0 Prozent auf jetzt 278.429 Frauen und Männer. Im Münsterland nahm die Arbeitslosigkeit um 3,6 Prozent zu. 1.734 Menschen waren hier mehr als im Vormonat arbeitslos gemeldet, insgesamt waren es im August 49.577 Personen.
Mit 5,1 Prozent lag die Arbeitslosenquote im August im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,9 Prozent knapp um 0,1 Punkte unter dem NRW-Durchschnitt von 8,0 Prozent, im Ruhrgebiet stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf nun 10,8 Prozent.
Arbeitsmarkt: Wie sich die Industriebeschäftigung regional entwickelt (IW)
Das Institut der deutschen Wirtschaft informiert: “Der Strukturwandel schreitet voran. Die Industrie reduziert Arbeitsplätze, die Stellenausschreibungen sind auf dem tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang trifft die Regionen unterschiedlich stark, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).”
Von 2019 bis 2025 sind rund 420.000 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weggefallen. Der Rückgang läuft dabei nicht über Massenentlassungen. Das Risiko, aus einer Industriestelle heraus arbeitslos zu werden, ist historisch niedrig; stattdessen besetzen Unternehmen freiwerdende Stellen nicht mehr nach. Zuletzt schrieb die Industrie so wenige Stellen aus wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Das zeigt eine IW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Industriestarke Standorte halten sich noch
Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. In industriestarken Kreisen entstanden bis 2019 überdurchschnittlich viele Industriearbeitsplätze. Zugleich driften die Regionen stärker auseinander, wie bereits ein Blick auf ausgewählte Regionen verrät.
Warnsignal: Unternehmen verlieren Vertrauen in den Standort
Besserung ist nicht in Sicht: Laut IW-Konjunkturumfrage vom April wollen 37 Prozent der Industrieunternehmen in diesem Jahr Personal abbauen, nur 14 Prozent planen Neueinstellungen. Zwar sind industrietypische Berufe außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes seit 2014 um 15 Prozent gewachsen – Ingenieure und Techniker arbeiten zunehmend bei Dienstleistern. Doch die Industrialisierung des Dienstleistungssektors kann ins Stocken geraten, wenn die Krise länger anhält. „Die Entwicklung ist ein Warnsignal: Nicht die Entlassungen sind das Problem, sondern dass Unternehmen kaum noch einstellen. Eine Trendwende ist möglich – sie erfordert aber, dass Deutschland als Industriestandort wieder an Attraktivität gewinnt", sagt IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele.