Halfar setzt auf Biodiversität und Kreislaufwirtschaft
Für Armin Halfar sind die Themen Nachhaltigkeit und Biodiversität eine Frage der Haltung. „Es kommt von Herzen, es geht mir persönlich besser damit“, sagt der Geschäftsführer der Halfar System GmbH aus Bielefeld. Und die Liste der Auszeichnungen, Preise und Zertifikate für sein Unternehmen ist lang.
Nachhaltigkeit eine Frage der Haltung
ISO–Zertifikate fürs Qualitäts- und Umweltmanagement, Ökoprofit, Climate Partner, Global Organic Textile Standard (GOTS) für Bio-Baumwolle, die UN-Nachhaltigkeitsziele, Fairtrade Cotton, CSR-Preis-Gewinner, Ausgezeichneter Lebensraum für Insekten, Promotional Gift Award und noch einige mehr zieren die Wände im Firmengebäude: „Es werden immer nur die aktuellen Auszeichnungen aufgehängt“, sagt Halfar beim Rundgang.
Für Nachhaltigkeit begeistern: Armin Halfar setzt dabei auf greifbare Lösungen, die einen echten Mehrwert bieten – sei es durch langlebige Produkte, ressourcenschonende Prozesse oder transparente Kommunikation.
Auch die Urkunde für die IHK-Klimainitiative findet dort ihren Platz. „Wir wurden gefragt, ob wir teilnehmen wollen“, erinnert sich der 56-Jährige – es wurden quasi offene Türen eingerannt: „Um unsere Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern, setzen wir auch auf den Austausch mit anderen Unternehmen, Fachleuten und Institutionen. Durch den Erfahrungsaustausch zu nachhaltigen Lösungen gewinnen wir neue Impulse für die Umsetzung effektiver Klimaschutzmaßnahmen. Die IHK-Klimainitiative passt zu unserem Unternehmen.“
Und ergänzt die langfristige Firmenstrategie: „Sie ist darauf ausgerichtet, den nachhaltigen Fortbestand unseres Unternehmens am Standort Bielefeld zu sichern. Dabei berücksichtigen wir nicht nur die Interessen unserer direkten Stakeholder wie Eigentümer, Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt und unserem geschäftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Umfeld bewusst.“
Faibles fürs Nähen seit Kindertagen
Der Taschen- und Rucksackspezialist aus Bielefeld fertigt seit 1986 praktische Alltagsbegleiter. Rund 70 Prozent des Sortiments werden für die Werbemittelindustrie hergestellt. Die übrigen 30 Prozent machen Spezialtaschen aus, beispielsweise für Notfallmediziner, den Zoll oder das Militär. Seit 1996 besteht die GmbH, seit 2003 ist die JCK-Holding GmbH Textil KG Mitgesellschafterin. Die Verantwortung an der Firmenspitze teilt sich Armin Halfar mit seiner Frau Kathrin Stühmeyer-Halfar und Michael Wellner.
Ein Faible fürs Nähen bring Halfar schon aus Kindheitstagen mit. Seine Großmutter war Schneiderin und Lohnnäherin. An ihrer Nähmaschine entstanden die ersten Stücke. Ein ähnliches Modell der Firma Adler, mit Fußantrieb, steht im Treppenhaus des Unternehmens. Während Halfars Zivildienstzeit und Ausbildung zum Rettungssanitäter hat er begonnen, Taschen zu nähen. „Es rollten immer irgendwelche Dinge durch die Schubladen des Rettungswagens. Anschließend nicht mehr“, schmunzelt er. Mit 18 Jahren startete er mit seiner Geschäftsidee in die Selbstständigkeit.
Energetische Effizienz von Anfang an wichtig
Das erste eigene Firmengebäude wurde im Jahr 2000 errichtet, und schon damals spielte energetische Effizienz eine bedeutende Rolle. So wurden die Büroflächen nach Norden ausgerichtet, damit sich das Gebäude in Sommer nicht zu sehr aufheizt. Die erste Photovoltaikanlage kam 2001 hinzu. „Seitdem haben wir unser Engagement für nachhaltige Technologien kontinuierlich ausgebaut und bei jeder baulichen Maßnahme die neuesten technologischen Entwicklungen sowie unser wachsendes Wissen in die Umsetzung einfließen lassen“. An den Firmensitz wurde mittlerweile drei Mal angebaut. 2019 wurde ein neues Logistikzentrum im Nachbarstadtteil errichtet.
Durch die vielfältigen Maßnahmen konnten beispielsweise die direkten CO₂-Emissionen aus Unternehmenseinrichtungen auf nur noch rund 1,9 Tonnen im Jahr 2023 reduziert werden. „Beim eingekauften Strom für den Eigenbedarf liegen die Emissionen sogar bei null Tonnen CO₂. Auch in Zukunft setzen wir auf den Ausbau unserer Photovoltaik-Infrastruktur. Zwar führt das rechnerisch nicht zu einer zusätzlichen Emissionsreduktion, doch uns ist es wichtig, den Anteil unseres selbst erzeugten Grünstroms weiter zu erhöhen. Denn überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist, sollten Kapazitäten für erneuerbare Energien genutzt werden – und Gewerbeflächen bieten dafür häufig ideale Voraussetzungen“, sagt Halfar.
Biodiversität im Blick
Ein besonderes Anliegen ist dem zweifachen Familienvater darüber hinaus das Thema Biodiversität: „Ohne Biodiversität kann die Menschheit nicht mehr existieren. Wenn die Nahrungskette reißt, bedeutet das auch für die Menschen, dass es zu Ende geht.“
2013, bei der ersten Erweiterung des Firmengebäudes, ließ Halfar das Firmendach begrünen. „Wir wussten, dass begrünte Dachflächen eine längere Lebensdauer haben, weil die Dachbahnen der Sonne und Kälte nicht unmittelbar ausgesetzt sind. Eine Begrünung reduziert die Temperaturschwankungen der Dachhaut enorm. Außerdem hatten wir die Wahl beim Blick aus dem Showroom zukünftig auf schwarze Teerpappe zu blicken oder halt auf etwas Grünes. Nachhaltige Aspekte, wie die Förderung der Biodiversität und der Rückhalt von Regenwasser, spielten für uns damals, aus Unwissenheit, noch keine Rolle.“
Die Lernkurve setzte danach ein. „Diese erste Fläche ist heute die ‚schwächste‘ unserer Flächen. Der Substrataufbau war zu gering und die Pflanzen nicht standortheimisch, sodass es dort zwar blüht und summt, die Fläche sich aber fast nur an die Generalisten unter den Insekten richtet.“ Die Fläche soll demnächst überarbeitet werden.
Die zweite Dachfläche wurde 2018 nach einer Sanierung als „Insect-Respect-Kompensationsfläche“ angelegt. „Das Dach ist heute unser Vorzeigedach. Die Planung hat ein fachkundiger Biologe und Biodiversitätsplaner vorgenommen, und das hat sich wirklich ausgezahlt.“ Zusätzlich zu den Dachflächen sind unterschiedliche Lebensräume auf den Betriebsgeländen entstanden. „Es ist gar nicht so schwer, wertvolle Flächen zu schaffen.“
Backlash beim Thema Nachhaltigkeit
Angesprochen auf einen „backlash“ beim Thema Nachhaltigkeit, stimmt Halfar zu: „Jede Bewegung fordert ihre Gegenbewegung heraus. Momentan steht das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung und den Medien nicht im Mittelpunkt. Die Herausforderung liegt in der Komplexität der Inhalte und der Tatsache, dass wir viele Dinge grundlegend anders und neu machen müssen – das ist sowohl für Einzelpersonen als auch für Unternehmen eine große Aufgabe. Das führt manchmal dazu, dass das Thema vermieden oder als Belastung diskutiert wird.“
Wichtig sei für ihn, dass die Leute in ihrer Lebensrealität angesprochen werden, dass die Hemmschwellen, große Themen anzugehen, auf ein „Pack an“ runtergebrochen und umsetzbar werden.
Und er ist optimistisch, dass das gelingt: „Der Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft schreitet deutlich voran – und das mit Erfolg. Das zeigen sowohl technologische Fortschritte als auch die Zahlen zum Ausbau erneuerbarer Energien. Initiativen wie die IHK-Klimainitiative oder das Ökoprofit-Projekt helfen dabei, praxisnahe Lösungen zu entwickeln und Berührungsängste gegenüber dem Thema abzubauen.“
Menschen für Nachhaltigkeit zu begeistern, gelinge am besten durch greifbare Lösungen, die einen echten Mehrwert böten – sei es durch langlebige Produkte, ressourcenschonende Prozesse oder transparente Kommunikation. „Unternehmen sollten Nachhaltigkeit nicht nur als Verpflichtung, sondern als Chance begreifen, um innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Wege zu gehen.“
In der Werbemittelbranche stünden sie für Nachhaltigkeit. „Unsere Produkte erreichen Fachhandelsqualität und können sie ersetzen. Sie müssen beispielsweise keinen extra Laptop-Rucksack kaufen, wenn die Qualität und das Design des Werbegeschenks überzeugt und es im Alltag genutzt wird.“ Für die Produkte kämen verstärkt Recycling-Gewebe zum Einsatz, die im Vergleich zu konventionellen Kunstfasern etwa fünf Prozent weniger Emissionen verursachen.
„Zudem entwickeln wir Produkte, die den Lebenszyklus andere Modelle verlängern, wie etwa ein Inlay für einen Einkaufskorb. Ein besonders innovativer Schritt ist unser erstes kreislauffähiges Produkt, das vollständig sortenrein aus nur einem Kunststoff gefertigt ist – ein wichtiger Meilenstein und ein Beitrag für die sich entwickelnde Kreislaufwirtschaft.“
Emissionseinsparungen würden auch durch Maßnahmen zur Mitarbeitermobilität erreicht. Dazu zählen Jobrad- und Jobticket-Angebote oder Fahrgemeinschaften. Auch die ausgeweitete Möglichkeit zum Mobilen Arbeiten bewirkte zusätzlich zur Flexibilität für die Mitarbeitenden einen reduzierten CO2-Ausstoß. So konnten zwischen 2021 und 2023 diese Emissionen um ein Drittel gesenkt werden.
“Wir brauchen qualitatives Wachstum”
In der Vergangenheit sei oft versäumt worden, Nachhaltigkeit verständlich und nahbar zu vermitteln, kritisiert der Firmenchef. Häufig hätten entweder Verbote und Verzicht oder zu abstrakte Konzepte im Mittelpunkt gestanden.
„Dabei braucht es positive Beispiele, die zeigen, dass nachhaltiges Handeln im Alltag und im Geschäftsbetrieb praktikabel und lohnend ist. Gerade hier liegen die Aufgabe und Chance: Nachhaltigkeit sollte inspirieren, anstatt zu belehren. Wir brauchen qualitatives Wachstum.“
Halfar plädiert für bewussten Konsum, mahnt die große Verschwendung beispielsweise von Lebensmitteln an – „30 Prozent der produzierten Lebensmittel wandern in den Müll“ – und schlägt vor, darüber nachzudenken, was es bedeute, wenn 80 Prozent davon gar nicht produziert würden: „Ist das etwa Verzicht?“
Halfar ist überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg und nachhaltiges Handeln untrennbar miteinander verbunden sind. Seine Motivation entspringe dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen – für Menschen, für die Umwelt und für eine zukunftsfähige Wirtschaft
„Ich bin kein Grüner. Auch in meinem Verhalten gibt es Brüche, ich fahre beispielsweise einen Hybrid-SUV. Die Grünen haben das Nachhaltigkeitsthema nicht gepachtet, das Thema muss überparteilich angegangen werden. Nachhaltigkeit darf nicht nur als Konzept existieren, sondern muss konkret im Alltag gelebt werden: in der Produktion, im Umgang mit Mitarbeitenden und in der Zusammenarbeit mit Kunden.“
