16. Oktober 2026

IHK-Umfrage: Wirtschaftliche Lage im Kreis Herford bleibt verhalten

„Die Befragung verdeutlicht, dass wir von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung weiterhin weit entfernt sind“, betont IHK-Vizepräsidentin Alexandra Altmann. Die Stabilisierung in der Industrie, die sich im Frühjahr noch angedeutet hatte, habe wieder an Kraft verloren. Und während die Dienstleistungswirtschaft an Dynamik einbüße, blicke der Handel trotz einer leichten Belebung gegenüber dem Frühjahr pessimistisch in die nähere Zukunft.
Die Wirtschaft im Kreis Herford ist trotzdem widerstandsfähig. Doch ohne neue Wachstumsimpulse droht aus der anhaltenden Schwäche eine dauerhafte wirtschaftliche Stagnation zu werden“, interpretiert IHK-Vizepräsident Klaus Bockermann die Umfrageergebnisse.
An der IHK-Befragung beteiligten sich von Mitte August bis Mitte September kreisweit 240 Unternehmen, darunter 53 Firmen mit insgesamt 5.565 Beschäftigten aus dem Industriesektor. Der Konjunkturklimaindikator für die gewerbliche Wirtschaft im Wittekindskreis – ermittelt aus der Bewertung der aktuellen Lage und den Erwartungen – ist gegenüber dem Frühjahr von 98 deutlich auf aktuell 90 Punkte gefallen. Er bleibt damit weiterhin klar unter dem Wert von 100, der eine ausgeglichene Stimmung markiert.
„Geschäftslage und Erwartungen haben sich in der Industrie wieder verschlechtert, die Erträge stehen erheblich unter Druck und auch bei Investitionen und Beschäftigung überwiegt die Zurückhaltung“, bilanziert Altmann. Dass Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungsmaßnahmen die Investitionstätigkeit dominierten, während Investitionen in neue Produkte und zusätzliche Kapazitäten vergleichsweise gering blieben, verdeutliche, dass sich viele Industriebetriebe derzeit vor allem darauf konzentrierten, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Und nicht darauf, Wachstum voranzutreiben“, so die IHK-Vizepräsidentin.
Die schwache Inlandsnachfrage treffe auf steigende Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten sowie auf wirtschaftspolitische und geopolitische Unsicherheiten. Altmann: „Gerade die Entwicklung der Ertragserwartungen macht deutlich, dass die finanziellen Spielräume vieler Betriebe zunehmend enger werden.“ Das Gesamtbild sei nicht von einem abrupten Einbruch, sondern von einer inzwischen langen Phase wirtschaftlicher Schwäche geprägt. Viele Industriebetriebe befänden sich in einer Art Warteschleife.
„Für einen Aufschwung brauchen wir deshalb vor allem wieder mehr Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen“, stellt die IHK-Vizepräsidentin Forderungen an die Politik. „Erst, wenn Unternehmen wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung gewinnen, werden sie wieder investieren, neue Geschäftsfelder erschließen und zusätzliche Beschäftigung schaffen. Entscheidend ist zudem, dass die Nachfrage wieder anzieht.“
Zwar habe sich die aktuelle Geschäftslage im Handel gegenüber dem Frühjahr leicht verbessert, doch die Erwartungen blieben überwiegend pessimistisch, erläutert IHK-Vizepräsident Bockermann: „Besonders im Einzelhandel ist die Situation angespannt. Fast jeder zweite Betrieb rechnet mit einer weiteren Verschlechterung.“
Auch die bislang robustere Dienstleistungswirtschaft verliere an Dynamik. Die Geschäftserwartungen haben sich laut der IHK-Befragung eingetrübt, Umsätze und Erträge stehen demnach zunehmend unter Druck. Der IHK-Vizepräsident: „Besonders besorgniserregend sind die rückläufige Investitionsbereitschaft und die negativen Beschäftigungsperspektiven. In beiden Wirtschaftssektoren planen inzwischen mehr Unternehmen einen Personalabbau als zusätzliche Einstellungen. Gleichzeitig werden dringend notwendige Investitionen zurückgestellt.“
Die Ursachen seien bekannt: hohe Energie- und Arbeitskosten, eine schwache Nachfrage und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. „Unser Appell an die Politik ist deshalb klar“, hebt Bockermann hervor. „Auch die Handels- und Dienstleistungsunternehmen brauchen weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Kosten und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, die wieder Vertrauen schaffen und Investitionen ermöglichen“, so der IHK-Vizepräsident.
„Der Gesamtumsatz der Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten im Kreis Herford ist von Januar bis Ende Juli gegenüber dem Vorjahr um 1,0 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gestiegen“, stellt Marco Rieso, IHK-Referatsleiter Handel und Dienstleistung, die Zahlen der amtlichen Statistik vor. Die Entwicklung im Kreis stellt sich damit besser dar als im gesamten IHK‑Bezirk Ostwestfalen (-1,4 Prozent) und in NRW (+0,2 Prozent), aber schlechter als auf Bundesebene (+3,2 Prozent). Bei den Inlandsumsätzen legte die Industrie im Kreis Herford um 3,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu, während der Auslandsumsatz um 2,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro abnahm.
Die Zahl der Industriebeschäftigten lag per Ende Juli mit 23.555 Mitarbeitenden um 3,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Rückgang fiel damit stärker aus als in Ostwestfalen (-2,3 Prozent), NRW (–3,3 Prozent) und dem Bund (–2,5 Prozent). Mit einem Industrieanteil von 38,1 Prozent bei der Beschäftigung bleibt der Wittekindskreis in diesem Punkt – nach dem Kreis Gütersloh – der zweitstärkste Industriekreis in Ostwestfalen. Beim Umsatz liegt er knapp vor dem Kreis Minden-Lübbecke und deutlich hinter dem Kreis Gütersloh auf Rang zwei.