20. März 2026
IHK Konjunkturumfrage: Lage im Kreis Herford bleibt angespannt
Die wirtschaftliche Lage im Kreis Herford bleibt angespannt – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Branchen. Das geht aus den am 20. März 2026 vorgelegten Ergebnissen der Frühjahrskonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld hervor.
Während sich die Dienstleistungswirtschaft vergleichsweise stabil entwickelt, steht die Industrie weiter unter Druck und der Handel kämpft mit einer verhaltenen Konsumnachfrage. Zugleich zeigt der Kreis Herford bei wichtigen wirtschaftlichen Industriekennziffern eine relative Stärke gegenüber ganz Ostwestfalen, Nordrhein‑Westfalen und dem Bund.
„Zwar erkennen wir leichte Verbesserungen, doch Kostendruck, schwache Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bremsen die Unternehmen weiterhin spürbar aus“, sagt IHK-Vizepräsidentin Alexandra Altmann. „Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verstärken diese Belastungen zusätzlich – das gilt vor allem für den Nahost‑Konflikt. Dessen Auswirkungen auf die Konjunktur hängen insbesondere von der Dauer des Konflikts sowie der Entwicklung der Energiepreise ab.“
268 Unternehmen beteiligen sich an Umfrage
An der Umfrage beteiligten sich im Kreisgebiet von Mitte Januar bis Mitte Februar 268 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt fast 10.000 Beschäftigten. Der Konjunkturklimaindikator für die gewerbliche Wirtschaft im Wittekindskreis – ermittelt aus der Bewertung der aktuellen Lage und den Erwartungen – ist gegenüber Frühjahr 2025 zwar von 76 auf 91 Punkte gestiegen. Er bleibt damit aber weiterhin klar unter dem Wert von 100, der eine ausgeglichene Stimmung markiert. Zum Vergleich: Der Wert für Ostwestfalen insgesamt ist auf 105 Punkte gestiegen und hat damit erstmals seit vier Jahren wieder den positiven Bereich erreicht. Die erst kurz nach Abschluss der Umfrage aufgetretenen neuen Risiken im transatlantischen Handel – Stichwort Trumps Zollpolitik – sowie die Eskalation im Nahen Osten sind in den Zahlen noch nicht berücksichtigt.
Die Industriebetriebe im Kreis Herford beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin skeptisch: 35 Prozent melden eine schlechte Lage, nur 13 Prozent eine gute und gut jeder zweite bezeichnet sie als befriedigend. Die Auslastung der Produktionskapazitäten bleibt häufig unter dem Normalniveau, und auch die Ertragslage ist angespannt. Für die kommenden Monate rechnen 15 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung, 18 Prozent mit einer Verschlechterung.
Kritische Situation im Handel
Besonders kritisch bleibt die Lage im Handel im Kreis Herford. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage, 41 Prozent von einer schlechten. Der Großhandel spürt dabei die schwache Industriekonjunktur besonders deutlich, im Einzelhandel belastet die anhaltende Kaufzurückhaltung die Umsätze. Auch die Erträge entwickeln sich überwiegend negativ. Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben gedämpft und liegen deutlich unter den Werten der Vorjahre. „Der Handel im Kreis Herford steht unter massivem Druck. Konsumzurückhaltung, hohe Kosten und unsichere politische Rahmenbedingungen belasten viele Betriebe spürbar“, erklärt Rainer Döring, Vorsitzender des IHK‑Handelsausschusses.
Stabilisierend wirkt hingegen die Dienstleistungswirtschaft: 34 Prozent der Unternehmen melden eine gute aktuelle Geschäftslage, 17 Prozent eine schlechte. Die Umsätze sind im Saldo positiv, wenn auch die Erwartungen zurückhaltend bleiben. „Die Dienstleistungswirtschaft zeigt sich robust, doch ohne neue Wachstumsimpulse stoßen auch diese Unternehmen an Grenzen. Unsere Wirtschaft braucht jetzt mehr Planbarkeit und spürbare Entlastungen“, so Döring.
„Eine bemerkenswerte relative Stärke der Wirtschaft im Kreis Herford zeichnet indes die amtliche Statistik“, sagt Götz Dörmann, Geschäftsführer und Regionalbetreuer der IHK für den Kreis Herford. „Wir sehen für das zurückliegende Jahr geringere Umsatzrückgänge, gegen den Trend leicht steigende Auslandsumsätze und einen moderateren Beschäftigungsrückgang als in Ostwestfalen, NRW und dem Bund. Herford bleibt damit ein industrieller Kernstandort unserer Region.“
Dienstleister stabilisieren Wirtschaft
Demnach ist der Gesamtumsatz der Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten im Kreis Herford 2025 lediglich um 0,2 Prozent auf 6,93 Milliarden Euro gesunken – und damit spürbar weniger als im IHK‑Bezirk Ostwestfalen (– 2,8 Prozent), in NRW (-2,4 Prozent) und im Bund (-1,1 Prozent). Bei den Auslandsumsätzen legte der Kreis Herford um 0,2 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro zu, während auf den anderen Ebenen durchweg Rückgänge verzeichnet wurden.
Die Zahl der Industriebeschäftigten sank mit 1,3 Prozent von 24.504 auf 24.178 ebenfalls moderater als in Ostwestfalen (-2,7 Prozent), NRW (–2,2 Prozent) und dem Bund (–2,0 Prozent). Mit einem Industrieanteil bei der Beschäftigung von 38,5 Prozent bleibt der Wittekindskreis diesbezüglich – nach dem Kreis Gütersloh – der zweitstärkste Industriekreis in Ostwestfalen. Beim Umsatz liegt er knapp hinter dem Kreis Minden-Lübbecke auf Rang drei.
Insgesamt zeigt sich ein gespaltenes Bild: Industrie und Handel stehen nach wie vor unter erheblichem Druck, während die Dienstleister die Wirtschaft stabilisieren und die Daten zu Umsatz und Beschäftigung die industrielle Substanz und Widerstandsfähigkeit des Kreises Herford unterstreichen.
„Für eine positive Entwicklung hin zu einem Aufschwung müssen jetzt die wirtschaftspolitischen Weichen richtig gestellt werden – mit schnelleren Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen“, sagt Alexandra Altmann. „Ebenso entscheidend sind wettbewerbsfähige Energie‑ und Arbeitskosten, auch durch notwendige Strukturreformen. Gerade die Energiepreise bleiben ein massiver Standortnachteil. Die Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen und Haushalte wäre ein wichtiges Signal, das sofort und unbürokratisch Entlastung in der Breite schaffen würde.“
