28. Juli 2026
IHK-Ausbildungsumfrage: Betriebe sehen große Defizite bei Ausbildungsreife
Neben anhaltenden Besetzungs- und Passungsproblemen rückt insbesondere die Ausbildungsreife junger Menschen stärker in den Fokus. 46 Prozent der befragten Unternehmen berichten über unbesetzte Ausbildungsstellen.
Hauptursache bleibt der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern: 69 Prozent der Unternehmen nennen fehlende Qualifikation oder Eignung als Grund dafür, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Ein Viertel der Betriebe berichtet sogar, dass sich überhaupt keine Bewerberinnen und Bewerber auf ihre Ausbildungsstellen melden.
Besonders deutlich fällt die Einschätzung der Unternehmen zur Ausbildungsreife heutiger Schulabgängerinnen und Schulabgänger aus. 94 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe sehen hier Defizite – nach bereits 85 Prozent im Vorjahr. Im Bereich Arbeits- und Sozialverhalten bemängeln die Unternehmen insbesondere die Belastbarkeit und Disziplin der jungen Menschen. Auch die mentale Leistungsfähigkeit wird von vielen Betrieben kritisch bewertet.
„Die Ergebnisse zeigen, dass viele Ausbildungsbetriebe zunehmend zusätzliche Anstrengungen unternehmen müssen, um bestehende Herausforderungen bei der Ausbildungsreife auszugleichen. Damit junge Menschen erfolgreich in Ausbildung und Beruf starten können, sind Schule, Elternhaus, Politik und Wirtschaft gleichermaßen gefordert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke.
Bei den schulischen Basiskenntnissen sehen die Unternehmen insbesondere Schwächen bei elementaren Rechenfähigkeiten, beim Thema Wirtschaftskompetenz sowie im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen in deutscher Sprache. Die Betriebe reagieren zunehmend auf diese Entwicklung: Bereits 76 Prozent haben Maßnahmen ergriffen, um Defizite bei der Ausbildungsreife auszugleichen.
Dazu gehören beispielsweise Nachhilfeangebote, Ausbildungsvorbereitungskurse oder auch die „Assistierte Ausbildung“ (AsA flex). Das von der Agentur für Arbeit geförderte Programm bietet Auszubildenden individuelle fachliche und sozialpädagogische Unterstützung, etwa durch Stützunterricht, Prüfungsvorbereitung oder die Förderung von Schlüsselkompetenzen. Damit trägt es auch dazu bei, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.
Ergänzend dazu verweist die IHK bei Bedarf auf das bundesweite Mentoringprogramm VerAplus. Dort begleiten erfahrene ehrenamtliche Expertinnen und Experten Auszubildende individuell, unterstützen bei fachlichen Herausforderungen sowie der Prüfungsvorbereitung und tragen dazu bei, Ausbildungsverhältnisse erfolgreich zum Abschluss zu führen. Beide Angebote sind für Ausbildungsbetriebe und Auszubildende kostenfrei.
Auch die Auswirkungen des in Nordrhein-Westfalen deutlich kleineren Abiturjahrgangs in diesem Sommer wegen der Rückkehr zum Abitur nach neun statt acht Jahren an vielen Gymnasien wurden abgefragt. Trotz der geringeren Zahl an Schulabgängerinnen und Schulabgängern berichten etwas mehr als die Hälfte der Betriebe (56 Prozent), bislang keine negativen Folgen für die Besetzung ihrer Ausbildungsplätze festgestellt zu haben.
Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, hat weiterhin gute Chancen. Auf dem Portal www.ausbildung.nrw/ostwestfalen finden junge Menschen zahlreiche offene Ausbildungsstellen in der Region. Gleichzeitig können Betriebe dort ihre freien Plätze veröffentlichen und potenzielle Bewerberinnen und Bewerber erreichen.
