24. März 2026

IHK-Umfrage: US Zölle, Bürokratie und Unsicherheit belasten Export

Zölle, Auflagen und geopolitische Unsicherheiten belasten das internationale Geschäft ostwestfälischer Unternehmen. Das zeigt die von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) regional ausgewertete Umfrage „Going International 2026“, an der sich rund 100 Unternehmen aus Ostwestfalen beteiligt haben, bundesweit waren es insgesamt 2.400.
Die Befragung erfolgte vom 2. bis 13. Februar – und damit noch vor der Eskalation des Nahost-Konflikts. Bundesweit berichten rund zwei Drittel der Unternehmen von zunehmenden Handelshemmnissen. Vor allem die US‑Handelspolitik, steigende Zollkosten und anhaltende Unsicherheiten wirken sich spürbar auf das Auslandsgeschäft aus und dämpfen die internationale Geschäftsentwicklung zunehmend.
Die Hemmnisse entstehen aber nicht nur in Drittländern: 87 Prozent der ostwestfälischen Unternehmen sehen die deutsche und europäische Bürokratie als Belastung für ihr Auslandsgeschäft. Am häufigsten genannt werden dabei Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, EU‑Verpackungsregeln sowie der CO₂‑Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) und die Entwaldungsverordnung. Die Ergebnisse für Ostwestfalen entsprechen in ihrer Tendenz denen für Bund und NRW, verdeutlichen aber die besondere Betroffenheit der stark exportorientierten Region.
Rund 85 Prozent der befragten Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen der aktuellen US‑Handelspolitik auf ihr Geschäft. Als größte Herausforderungen nennen sie handelspolitische Unsicherheiten, zusätzliche Bürokratie im Zollverfahren sowie steigende Kosten. Drei Viertel der Unternehmen mit US-Geschäft geben an, die höheren Zollkosten ganz oder teilweise an ihre Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Zurückhaltung bei Aktivitäten in den Vereinigten Staaten: Unter den Unternehmen mit geplanten Investitionen in den USA reduziert oder verschiebt mehr als die Hälfte ihre Vorhaben.
Der auf europäischer Ebene diskutierte „Buy‑European“-Ansatz, also eine stärkere Fokussierung auf den Binnenmarkt, wird von den Unternehmen in Ostwestfalen ambivalent bewertet – mit erkennbaren Chancen, aber auch Risiken. Zwar erwarten viele Betriebe dadurch eine bessere Wettbewerbsposition im EU‑Binnenmarkt. Gleichzeitig sehen sie erhebliche Risiken – darunter höhere Produktionskosten, zusätzliche Bürokratie bei Herkunftsnachweisen sowie mögliche Gegenreaktionen wichtiger internationaler Handelspartner außerhalb des EU-Raums. Für eine stark international verflochtene Industrieregion wie Ostwestfalen ist entscheidend, dass europäische Wertschöpfungspolitik praktikabel bleibt und nicht neue Wettbewerbsnachteile schafft.
Zurückhaltend fällt die Einschätzung zum geplanten EU‑Mercosur‑Abkommen aus. Zwar erkennen viele Unternehmen grundsätzlich Chancen durch besseren Marktzugang, neue Absatzmöglichkeiten und Zollabbau. Konkrete Maßnahmen haben bislang jedoch nur wenige Betriebe ergriffen. Die Mehrheit wartet ab – nicht zuletzt aufgrund offener Fragen zur Umsetzung und zu regulatorischen Anforderungen. Für die Unternehmen ist klar: Erst mit verlässlichen Rahmenbedingungen entsteht die notwendige Planungssicherheit für Investitionen und neue Geschäftsaktivitäten.
„Unsere Unternehmen sind international hervorragend aufgestellt, brauchen aber verlässliche und berechenbare Rahmenbedingungen“, sagt IHK‑Präsident Jörn Wahl‑Schwentker. „Dauerhafte Unsicherheit, immer neue Zölle und wachsende Bürokratie bremsen Investitionen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit – gerade in einer exportstarken Region wie Ostwestfalen. Deutschland und Europa müssen Regulierungen spürbar abbauen, Verfahren deutlich vereinfachen und für mehr Planungssicherheit im internationalen Handel sorgen. Nur so lassen sich internationale Geschäftsbeziehungen langfristig sichern und weiterentwickeln.“