1. April 2026
IHK-Umfrage: Nahost-Konflikt belastet ostwestfälische Wirtschaft spürbar
Die Eskalation im Nahen Osten wirkt sich zunehmend auf die ostwestfälische Wirtschaft aus. Das zeigen die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage, die von der Industrie‑ und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) regional ausgewertet worden ist. Demnach führt der Konflikt bei vielen Unternehmen zu steigenden Kosten, belasteten Lieferketten und wachsender Unsicherheit.
NRW-weit haben sich 768 Betriebe an der Umfrage beteiligt, darunter 232 mit Sitz in OWL. Von den 83 hiesigen Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben und geschäftlich im Nahen Osten aktiv sind, geben 73 Prozent an, bereits negativ betroffen zu sein. Weitere 23 Prozent können die Auswirkungen derzeit noch nicht abschätzen, nur 4 Prozent sehen keine Folgen. „Die Rückmeldungen zeigen sehr deutlich, dass die Auswirkungen des Konflikts längst bei unseren Unternehmen angekommen sind“, sagt IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker.
Ein zentraler Belastungsfaktor sind die internationalen Transportketten: 88 Prozent der im Nahen Osten aktiven Unternehmen aus der Region berichten von gestiegenen Transport‑ und Logistikkosten, 70 Prozent von steigenden Energiepreisen und ebenso viele von Verzögerungen oder Unterbrechungen in ihren Lieferketten. Doch auch Unternehmen ohne direkte Geschäftsbeziehungen in die Region melden mehrheitlich, Folgen zu spüren: 82 Prozent nennen höhere Transportkosten, 77 Prozent steigende Energiepreise. Damit reichen die Auswirkungen des Konflikts weit in die regionalen Wertschöpfungsketten von Industrie, Handel und Dienstleistern hinein.
Fehlende Vorprodukte und unsichere Liefertermine führen dabei in vielen Betrieben zu kurzfristigen Anpassungen in der Fertigung und Beschaffung. Besonders ausgeprägt sind die Belastungen in der Kunststoffverarbeitung und der chemienahen Industrie. Eingeschränkte Verfügbarkeiten bei petrochemischen Vorprodukten wie Polymeren und Granulaten haben dort Engpässe und Preissteigerungen zur Folge. Auch die Metallverarbeitung ist betroffen, insbesondere durch die veränderte Verfügbarkeit und Kostenentwicklung bei Aluminium und weiteren Vormaterialien. In der Elektro‑ und Elektronikindustrie schlagen vor allem Lieferverzögerungen bei Bauteilen und Chips durch.
“Die Umfrage verdeutlicht die hohe internationale Verflechtung der ostwestfälischen Wirtschaft.”
IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker
Als Reaktion auf die angespannte Lage planen 40 Prozent der direkt betroffenen Unternehmen Preiserhöhungen oder die Weitergabe gestiegener Kosten an ihre Kunden. 29 Prozent arbeiten am Aufbau alternativer Lieferketten, 20 Prozent bauen ihre Lagerhaltung aus, um kurzfristige Ausfälle abzufedern. Gleichzeitig gibt rund ein Viertel der Unternehmen an, derzeit noch keine konkreten Maßnahmen umzusetzen, da die weitere Entwicklung schwer abschätzbar bleibt oder Alternativen am Weltmarkt nur eingeschränkt verfügbar sind. Auch indirekt betroffene Unternehmen reagieren in ähnlicher Weise, insbesondere mit Preiserhöhungen, Lageraufbau und Anpassungen ihrer Lieferketten.
„Die Umfrage verdeutlicht die hohe internationale Verflechtung der ostwestfälischen Wirtschaft“, betont Wahl-Schwentker. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen richtet er einen Appell an die Politik, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend auszurichten: „Europa muss seine Versorgung mit industriellen Vorprodukten und Rohstoffen widerstandsfähiger aufstellen. Dazu gehört eine Unterstützung des gezielten Auf‑ und Ausbaus eigener Produktionskapazitäten ebenso wie eine breitere Diversifizierung von Lieferketten und Bezugsquellen. Ebenso entscheidend sind international wettbewerbsfähige Energiepreise – sie sind eine zentrale Voraussetzung für industrielle Wertschöpfung und stabile Produktionsbedingungen“, so der IHK-Präsident.
