IHK fordert Impulse für den Wirtschaftsstandort Bielefeld
Nach einem herausfordernden Jahr 2025 für die Wirtschaft in Bielefeld mit deutlichen Belastungen vor allem für Industrie und Handel, erwartet die Industrie‑ und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) wichtige Weichenstellungen für ein positives neues Jahr.
„Die Stadt Bielefeld steht vor Entscheidungen, die auch maßgeblich bestimmen werden, wie sich der Wirtschaftsstandort entwickelt – von der Zukunft der Karstadt‑Immobilie über ein besseres Baustellen- und Verkehrsmanagement bis hin zur dringend benötigten Realisierung neuer Gewerbe- und Industrieflächen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl‑Radtke. „Nur wenn es bei diesen Themen vorangeht, kann Bielefeld wirtschaftlich wieder in Schwung kommen und seine Potenziale ausschöpfen.“
Die wirtschaftliche Lage blieb 2025 für viele Unternehmen im Stadtgebiet schwierig. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete rückläufige Umsätze und Beschäftigtenzahlen. „Konjunkturelle Unsicherheiten, geopolitische Entwicklungen und Kostensteigerungen belasten die Betriebe auch in Bielefeld“, so Pigerl‑Radtke. „Wichtig sind jetzt Stabilität und verlässliche Perspektiven – auf Bundesebene wie vor Ort.“
Petra Pigerl-Radtke ist Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld
Der Gesamtumsatz der Industriebetriebe mit mindestens 50 Mitarbeitenden sank im Zeitraum von Januar bis Oktober, für den bislang Daten vorliegen, auf rund 3,46 Milliarden Euro – und damit um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Export reduzierte sich sogar um 15,5 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro. Besonders der Maschinenbau sowie die Papier‑, Kunststoff- und Metallbranche verzeichneten Rückgänge. Die Zahl der Industriebeschäftigten sank um 2,3 Prozent auf 18.701. Zum Vergleich: 2019 war mit 20.388 Industriebeschäftigten der Höchstwert erreicht worden. Auch der Handel steht unter Druck, das zeigen ebenfalls rückläufige Beschäftigtenzahlen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt blieb in Bielefeld aber auf hohem Niveau – besonders im Gesundheits‑ und Sozialwesen sowie in weiteren Dienstleistungsbereichen gab es Zuwächse. Ende Juni 2025 wurden rund 168.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Bielefeld verzeichnet. Damit liegt die Zahl weiterhin nahe des Spitzenwerts von gut 170.000 im Herbst 2023.
Eine Schlüsselrolle für die Stadtentwicklung und den Einzelhandelsstandort Bielefeld hat die ehemalige Karstadt‑Immobilie. „Sie ist ein zentraler Baustein für Frequenz und Struktur der Innenstadt. Hier wird in den kommenden Monaten der Weg bereitet, um den Standort zu stärken, sodass Bielefeld seiner Rolle als größtes Oberzentrum in Ostwestfalen gerecht wird und die Attraktivität der Innenstadt insgesamt weiter steigt.“ Die jüngste IHK‑Umfrage zur Innenstadt habe den Handlungsbedarf nochmals aufgezeigt.
Auch beim Baustellen- und Verkehrsmanagement sieht die IHK hohen Handlungsdruck. Die neue Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer hat den Abstimmungstakt erhöht – ein Schritt, den die Wirtschaft begrüßt. „Die Unternehmen brauchen verlässliche Verkehrsflüsse“, sagt Pigerl‑Radtke. „Wir hoffen auf spürbare Verbesserungen für Unternehmen, Lieferverkehre und Pendler, auf weniger Staus, weniger Belastungen, mehr Effizienz“, erklärt die IHK-Hauptgeschäftsführerin: „Mobilität darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir benötigen Lösungen, die ermöglichen – nicht verhindern.“
"Die aktuell zur Rede stehenden rund 50 Hektar Industrie- und Gewerbeflächen an fünf Stellen in Bielefeld müssen nun zügig entwickelt und für Unternehmen verfügbar gemacht werden."
Ein weiterer zentraler Standortfaktor ist die Bereitstellung von Gewerbe‑ und Industrieflächen. Seit Jahren hat Bielefeld faktisch kein verfügbares Angebot – trotz beständiger Nachfrage. „Die aktuell zur Rede stehenden rund 50 Hektar an fünf Stellen in Bielefeld müssen nun zügig entwickelt und für Unternehmen verfügbar gemacht werden“, fordert Pigerl‑Radtke. „Das kann zudem nur ein erster Schritt sein und muss strategisch in die Zukunft fortgeführt werden. Ohne aktives Flächenmanagement verlieren wir Betriebe und Wachstum – und damit auch Wohlstand für die gesamte Stadt.“
Positive Impulse auch für die wirtschaftliche Entwicklung erwartet die IHK von der Hochschullandschaft, insbesondere durch die medizinische Fakultät OWL und die wachsende Gesundheitswirtschaft. „Hier entstehen hochwertige Arbeitsplätze und neue Wertschöpfung. Diese Dynamik müssen wir unterstützen. Hier ist die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft eine wesentliche Triebfeder.“
Die IHK bekräftigt zudem ihre klare Ablehnung einer kommunalen Verpackungssteuer. Solch eine Abgabe belaste insbesondere Gastronomie und Handel. „Die Verpackungssteuer ist bürokratisch, ineffizient und würde Unternehmen in einer ohnehin schwierigen Zeit treffen sowie für Wettbewerbsnachteile von Bielefelder Betrieben gegenüber anderen jenseits der Stadtgrenze sorgen“, so Pigerl‑Radtke. „Nachhaltigkeit erreichen wir durch Innovation und Kooperation, nicht durch Regulatorik und zusätzliche Sonderabgaben.“ Zudem gebe es bereits mehrere europäische und bundesweit einheitliche Gesetze und Verordnungen mit dem Ziel, Verpackung nachhaltig zu reduzieren und zu optimieren.
Trotz der Herausforderungen blickt die IHK-Hauptgeschäftsführerin verhalten optimistisch auf 2026. Fortschritte bei Innenstadtentwicklung, Verkehrsmanagement und Flächenpolitik könnten das Wirtschaftsjahr positiv prägen. „Bielefeld hat großes Potenzial, engagierte Menschen und starke Unternehmen sowie einen breit gefächerten Branchenmix“, betont Pigerl‑Radtke. „Wenn die richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen auf Bundesebene, aber auch vor Ort getroffen werden, kann 2026 ein Jahr des Aufbruchs werden.“
