IHK sieht Potenziale für Wirtschaft – Politik muss Weichen für Wachstum stellen
Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) blickt zum Jahreswechsel mit Zuversicht, aber auch mit klaren Erwartungen an die Politik auf 2026. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben dabei herausfordernd und angespannt: „Insbesondere unsere Industrie steht weiterhin unter erheblichem Druck. Die Ursachen reichen von Stagnation und geopolitischen Konflikten über hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten bis hin zu lähmender Bürokratie“, erklärt IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker. Trotz dieser Herausforderungen sieht er die hiesige Wirtschaft aber gut aufgestellt.
„Ostwestfalen bleibt eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Bei Forschungsausgaben und Patentanmeldungen liegen wir deutlich über dem Landesdurchschnitt. Unsere Unternehmen haben immer wieder bewiesen, dass Wandel möglich ist. Und starke Netzwerke, die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sowie eine lebendige Gründerszene zeigen, wie viel Potenzial in unserer Region steckt“, so Wahl-Schwentker.
„Wir brauchen jetzt klare Entlastungen und mutige Reformen, damit Deutschland und auch Ostwestfalen ein attraktiver Standort bleibt.“IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker
IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke und IHK-Präsident Jörn Wahl-Schwentker
Die IHK fordert von der Politik auf Bundes- und Landesebene, die richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen für Investitionen, Innovationen und Wachstum zu setzen. „Wir brauchen eine konsequente Entlastung bei den Energiekosten, eine Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung, die Bürokratie abbaut und Digitalisierung vorantreibt, sowie steuerliche Impulse, die Investitionen erleichtern. Die Vielzahl der angekündigten Maßnahmen – vom Investitions- und Wachstumsbooster über den Bauturbo bis hin zu niedrigeren Energiepreisen etwa durch geringere Stromnetzentgelte – muss jetzt in der gesamten Breite zügig und wirksam umgesetzt werden und in den Unternehmen ankommen“, fordert der IHK-Präsident. Die Bundesregierung müsse alles daransetzen, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen: „Wir brauchen jetzt klare Entlastungen und mutige Reformen, damit Deutschland und auch Ostwestfalen ein attraktiver Standort bleibt.“
Wahl-Schwentker betont aber auch die Verantwortung der Kommunen: „Viele wichtige Standortfaktoren werden direkt hier vor Ort gestaltet. Es sind die Städte und Gemeinden, die mit ihren Entscheidungen zu Gewerbeflächen, Infrastruktur und Steuern maßgeblich dazu beitragen, ob Unternehmen wachsen und investieren können. Nur gemeinsam können wir Ostwestfalen als attraktiven, wettbewerbsfähigen und lebenswerten Standort weiterentwickeln“, betont Wahl-Schwentker.
„Diese Azubi-Lücke dürfte den ohnehin anspruchsvollen Ausbildungsmarkt belasten. Unsere Empfehlung an Unternehmen lautet: früher und breiter rekrutieren und neue Zielgruppen aktiv ansprechen – etwa Studienzweifler, Berufskollegschüler sowie internationale Talente.“IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke
„Eine spezielle Herausforderung für die ostwestfälische Wirtschaft wird im neuen Jahr die Abiturientenlücke sein“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 statt 12 Jahren fehlen im Sommer 2026 etwa zwei Drittel eines Abiturjahrgangs. Landesweit werden rund 40.000 junge Menschen weniger dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen, in Ostwestfalen etwa 4.000. „Von den Auszubildenden in kaufmännischen sowie gewerblich-technischen IHK-Berufen haben rund 45 Prozent Abitur oder Fachabitur – der hohe Anteil dieser Gruppe unterstreicht deren besondere Bedeutung für die regionale Wirtschaft bei der Fachkräftegewinnung“, so Pigerl-Radtke. „Diese Azubi-Lücke dürfte den ohnehin anspruchsvollen Ausbildungsmarkt belasten. Unsere Empfehlung an Unternehmen lautet: früher und breiter rekrutieren und neue Zielgruppen aktiv ansprechen – etwa Studienzweifler, Berufskollegschüler sowie internationale Talente.“
Der IHK-Präsident und die Hauptgeschäftsführerin rufen trotz aller Herausforderungen zu Mut und Zuversicht auf: „Mit Innovationskraft, Unternehmergeist, Zusammenhalt und aktivem Handeln auf allen Ebenen kann Ostwestfalen auch 2026 die Herausforderungen meistern und die Potenziale nutzen - für eine starke Region mit einer starken Wirtschaft.“
