18. Januar 2023
Dringend um unser Wasser kümmern!
Die Gewässer im Kreis Minden-Lübbecke bereiten der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) Sorgen. Alle Beteiligten müssten sich umgehend zusammensetzen und ein „Gewässer-Handlungskonzept Minden-Lübbecke“ erarbeiten. Auf die Erhebung aller wünschenswerten Grundlagendaten dürfe nicht gewartet werden. Die im Handlungskonzept festgehaltenen Maßnahmen müssten neben Einsparungen unter anderem auch konsequentere Grundwasseranreicherungen durch Niederschlagswasser und Verteilungsfragen bei Wasserknappheiten auf die konkurrierenden Nutzungsansprüche umfassen. Es einfach bei einer Erhöhung von Grundwasserfördermengen, dem Bau langer Wasserleitungen und zeitlich begrenzten Gartenbewässerungs- und Oberflächenwasserentnahmeverboten zu belassen, wäre fahrlässig. Das Konzept für klimaangepasste Niederschlagswasserbewirtschaftung im Kreis Minden-Lübbecke mit seinen Handlungsempfehlungen sei ein guter Baustein, der einer gemeinsamen Ergänzung, Differenzierung und Vertiefung bedarf.
Die Gewässerkonferenz OWL Mitte November 2022 habe die große Trockenheit in Minden-Lübbecke mit Phasen einer fast flächendeckend außergewöhnlichen Dürre aufgezeigt. Der Niederschlagstrend auf NRW-Ebene sei in den letzten drei Jahrzehnten deutlich rückläufig. An vielen Messstellen wurde in verschiedenen Monaten des vergangenen Jahres der tiefste jemals gemessene Grundwasserstand ermittelt. Beim Grundwasser gerät Minden-Lübbecke laut IHK bei unter anderem zunehmender öffentlicher Wasserförderung und abnehmender Grundwasseranreicherung unter anderem durch geringere Niederschläge immer weiter in eine verhängnisvolle Sackgasse. Nutzungen, die bisher erlaubt gewesen seien, liefen Gefahr gegebenenfalls eingeschränkt zu werden. Das könnte auch Auswirkungen auf Betriebsbrunnen von Unternehmen haben, die auf bestimmte Wassermengen und -qualitäten angewiesen sind.
Der Klimawandel mit ausgiebiger Trockenheit gepaart mit Hitze wirke sich auch auf die Oberflächengewässer aus. Die Füllstände der beiden für die Oberweser wichtigen Eder- und Diemeltalsperren seien über lange Jahresabschnitte gering, wie auf der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft Oberweser / Eder- und Diemelsee im Oktober 2022 bekannt wurde. Beim Bau der Talsperren (1908 bis 1923) sei man von 3 Wochen Wasserabgabe zur Stützung der Weser ausgegangen. In 2022 wurde 13 Wochen Wasser abgegeben.
In der heutigen Zeit müsste die Edertalsperre dreimal so groß sein als sie damals konzipiert wurde. Der Wasserstand der Fließgewässer war laut Gewässerkonferenz Ende Oktober im westlichen Teil des Mühlenkreises niedrig und im östlichen Teil sehr niedrig, Ende August am Minimum. Der geringe Wasserstand in der Weser in der warmen Jahreszeit habe nicht nur Auswirkungen auf die Schifffahrt (Personen; Güter), sondern auch auf die Wassertemperatur. Die Weser erreichte am Pegel Porta zwischen Mitte Juni und Ende August 2022 eine Wassertemperatur meistens zwischen 21 und knapp 24 Grad. Niedrigabflüsse führten zu steigenden Stoffkonzentrationen im Gewässer (lösliche Stoffe) und gemeinsam mit hohen Temperaturen zur Beeinträchtigung der Biozönose.
Aus ökologischen Gründen sollte eine Höchsttemperatur eingehalten werden, andererseits ist die fortgesetzte Einleitung warmen Wassers notwendig, beispielsweise in sehr energiesensiblen Zeiten von Kraftwerken in größere Gewässer oder bei industriellen Einleitungen in kleinere Gewässer. So sei derzeit ein NRW-Erlass zur Herausgabe von Allgemeinverfügungen zur Einschränkung von Entnahmen aus Oberflächengewässer in Arbeit.
