28. Januar 2022

IHK kritisiert: mIV-Konzept bremst den Wirtschaftsverkehr aus

Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) hält das vorgelegte Konzept für den motorisierten Individualverkehr (mIV), das am 1. Februar im Bielefelder Stadtentwicklungsausschuss beschlossen werden soll, für nicht akzeptabel.
„Die IHK nimmt die darin vorgeschlagenen Maßnahmen für die Reduzierung des Anteils des motorisierten Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen in Bielefeld nicht zustimmend zur Kenntnis“, stellt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe die Darstellung in der zugehörigen Beschlussvorlage richtig und bemängelt die fehlende Berücksichtigung der Belange des Wirtschaftsverkehrs: „Bereits in den zwei Workshops zur Erarbeitung des Konzeptes hat die IHK mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass sie mit Sorge auf den Wirtschaftsstandort Bielefeld und dessen Erreichbarkeit blickt. Wirtschaftsverkehr ist nicht nur Lkw-Verkehr sondern auch Anliefer-, Kunden- und Pendlerverkehr. In vielen Bereichen fehlt aktuell eine echte Alternative zum Lkw oder Pkw.“
Die Vorschläge zur Verkehrsreduzierung des mIV -Konzepts seien zu undifferenziert, zu radikal und nicht zu Ende gedacht. „Maß und Mitte fehlt“, bemängelt Grefe, der bei der IHK für den Bereich Verkehr verantwortlich zeichnet, gerade im Zusammenhang dem vorgesehen Wegfall von Fahrspuren an den Hauptverkehrsachsen für Bielefeld. „Wer den voreiligen Rückbau der Herforder Straße, der Arthur-Ladebeck Straße, der Eckendorfer Straße und der Detmolder Straße empfiehlt, nimmt bewusst großen wirtschaftlichen Schaden für die Stadt in Kauf.“
Die IHK setze auf eine moderate Verkehrswende und auf eine individuelle und differenzierte Betrachtung der Möglichkeiten an den Hauptverkehrsachsen. Mit dem Kompromissvorschlag zum Umbau der Artur-Ladebeck-Straße habe die IHK Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, die alle Verkehrsarten bestmöglich berücksichtigt.
Was fehle und dringend benötigt werde, sei ein schlüssiges Gesamtkonzept. Der Bielefelder Ansatz, aus vier Teilkonzepten ein Gesamtkonzept zu entwickeln, funktioniere nicht. Einzelne Themenbereiche widersprächen sich sogar. So sehe das eine Konzept eine Busspur vor, das andere auf der gleichen Straße eine Protected-Bikelane. Auch die Diskussion über einen Radschnellweg an der Herforder Straße anstelle des Lückenschlusses zur L712n verkenne die Realität: Der vorgesehene Radschnellweg kann die zweite Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr nicht ersetzen. „Hier geht es vielmehr um ein sinnvolle Integration - und nicht um ein entweder oder“, erläutert Grefe. „Die bisherigen Puzzleteile passen einfach nicht ineinander.“
Darüber hinaus seien schon die im mIV-Konzept als moderat bezeichneten Maßnahmen zu radikal, etwa die Einführung von Sperrungen für den Kfz-Verkehr und der Entfall von miV-Fahrstreifen auf Bundesstraßen. Ganz abgesehen von den progressiven Vorschlägen wie die Einführung einer City-Maut, die völlig utopisch sei.
„Wir wünschen uns deshalb die Erarbeitung eines kompromissfähigen Gesamtverkehrskonzeptes für Bielefeld mit entsprechender Berücksichtigung des für die Stadt immens wichtigen Wirtschaftsverkehrs“, blickt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke nach vorn und fordert dafür unbedingt das Einbeziehen des städtischen Lenkungskreises Innenstadtmobilität, der bisher nur sporadisch zum Zug gekommen sei und in dem eigentlich die Harmonisierung der Empfehlungen der einzelnen Teilkonzepte abgestimmt werden sollte. „Mit guten Kompromissen und alltagstauglichen Lösungen bringen wir gemeinsam die Verkehrswende in Bielefeld Stück für Stück voran“, ist sich Pigerl-Radtke sicher und plädiert für das richtige Augenmaß bei der Umsetzung von Maßnahmen.