OWi-Serie "Starke Töchter"
"Starke Töchter": Die IT-Expertin
Anna-Rosa Ebeling hat viele kleine Agenten, die ihr den Alltag erleichtern – sie nutzt die Künstliche Intelligenz für Technik-Updates, für Social-Media-Planung oder für ihre Reiseplanung. Die Technologie, die sich hinter diesem Teilbereich der Informatik versteckt, nimmt eine große Rolle im Leben der IT-Expertin ein.
Ist stolz auf ihre Auszeichnung von den Wirtschaftsjunioren Deutschland: Anna-Rosa Ebeling hat in der Kategorie Nachfolge den Preis „4x4 unter 40“ gewonnen. Die 36-Jährige plant, in rund zwei Jahren das Unternehmen ihres Vaters, die esacom GmbH in Salzkotten, zu übernehmen. Sie nutzt Social-Media-Kanäle, um über ihren Nachfolgeprozess zu berichten.
Derzeit ist die 36-Jährige auf dem Weg, die Nachfolge im Unternehmen ihres Vaters Klaus Ebeling zu übernehmen – in der esacom GmbH in Salzkotten. Der IT-Partner für Managed Services und IT-Security verfügt als Besonderheit über ein eigenes Rechenzentrum. Das rund 30 starke Team bietet KI-Lösungen für den Mittelstand an, um die digitale Souveränität zu stärken und kümmert sich um alle Themen, die die IT-Infrastruktur betreffen.
NACHFOLGE WAR „NIE DIE IDEE“
Die Geschichte beginnt, wie in vielen anderen Familienunternehmen auch, damit, dass Anna-Rosa Ebeling quasi in der Firma ihres Vaters aufgewachsen ist. „Ich habe hier immer diverse Ferienjobs gemacht, Unkraut gejätet, am Empfang gesessen oder Projekte dokumentiert“, erzählt die Mutter eines Sohnes (3,5) und einer Tochter (2). Dennoch sei es „nie ihre die Idee gewesen“, in die Firma einzusteigen. Studiert hat Ebeling an der Georg-August-Universität in Göttingen – Betriebswirtschaftslehre, ein Schwerpunkt lag auf IT.
Frauen, die von ihren Vätern die Geschäftsführung übernehmen, müssen häufig mehr als Männer beweisen, dass sie ihr Geschäft verstehen. Die neue OWi-Serie "Starke Töchter" erzählt Geschichten davon, wie sie ihren Weg in die Geschäftsleitung gestalten, mit welchen Vorbehalten sie zu kämpfen haben und welche Idee sie mitbringen.
Es folgten einige Auslandssemester, unter anderem an der IESEG School of Management in Lille/Frankreich sowie ein Jahr an der Dublin Business School, wo Themen wie Cloud Computing und strategisches Management auf dem Programm standen. Während des Studiums sammelte sie Erfahrungen als Praktikantin und Werkstudentin bei IBM in Düsseldorf und HELLA in Paderborn. Ihre erste Station führte sie als Consultant in die Unternehmensberatung PwC in Düsseldorf.
„Dort habe ich IT-Migrationen, IT-Audits und End-to-End Prozessoptimierungen für DAX-Unternehmen begleitet und sowohl mittelständische als auch Großunternehmen bei der Einführung von SAP beraten und Projekte aktiv gesteuert. Wir waren ein tolles Team und die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht“, erzählt Anna-Rosa Ebeling. Geplant war ein Aufenthalt in Kanada, doch durch Corona sollte 2020 alles anders kommen. „Ich hatte meine Wohnung schon gekündigt, die Koffer waren gepackt und dann kam der Lockdown. Dadurch hatten sich meine Pläne erledigt und da ich ein ungeduldiger Mensch bin, habe ich nach Alternativen gesucht“, beschreibt sie die neue Situation.
„WILL DINGE SELBST ENTSCHEIDEN“
Da sei das Angebot ihres Vaters, das Projektmanagement bei esacom zu übernehmen, gerade zur rechten Zeit gekommen. Geprägt durch die Zusammenarbeit mit großen Konzernen, in denen neue Ideen und Konzepte häufig lange Entscheidungswege nahmen, reizte Ebeling am eigenen Familienunternehmen genau die andere Arbeitsweise:
„Hier wird schnell umgesetzt, wir überlegen, was der Kunde benötigt und wo wir uns als Firma weiterentwickeln können. Ich will Dinge selbst entscheiden, darum habe ich mich von meinen Kanada-Plänen endgültig verabschiedet und bin ganz bei esacom eingestiegen“, erklärt sie ihre Beweggründe.
Hinzu kam, dass ihr heute 65-jähriger Vater langsam kürzertreten möchte: „Er arbeitet jetzt nur noch drei Tage die Woche, nicht mehr sieben“, sagt Anna-Rosa Ebeling und lacht. Im vergangenen Jahr sei die Nachfolgeidee dann so richtig ins Rollen gekommen: „Es hängen viele emotionale Themen damit zusammen, aber dennoch müssen klare Entscheidungen getroffen werden“, beschreibt sie die Übergabeproblematik. Denn da gibt es auch noch ihre Schwester Larissa, die ebenfalls BWL studiert hat.
Die 34-Jährige startete ihre Karriere bei der Kosmetikfirma Shiseido in Düsseldorf und hat dort ihren Lebensmittelpunkt. Inzwischen zeichnet sie jedoch für Marketing und Vertrieb bei esacom verantwortlich. „Aktuell befindet sich meine Schwester in Elternzeit, sie arbeitet sonst viel Remote. Wir sind uns aber einig, dass ich diejenige sein werde, die die Geschäftsführung übernehmen wird. Für unsere Kunden brauchen wir die Nähe vor Ort“, macht Ebeling deutlich.
ERST BEWEISEN UND AKZEPTANZ ERARBEITEN
Ihr Einstieg sei anfangs nicht von allen Mitarbeitenden positiv aufgenommen worden: „Was will die hier?“ – diese Frage habe bei vielen Begegnungen mitgeschwungen. Nicht jeder habe ihren Eintritt bei esacom toll gefunden, gibt Anna-Rosa Ebeling offen zu. Heute lacht sie über ihre ersten Schritte im Unternehmen ihres Vaters: „Ich musste mich erst beweisen und mir Akzeptanz erarbeiten. Ich habe mein Konzernwissen mitgebracht. Höher, schneller weiter – das hat hier in Salzkotten nicht funktioniert“, reflektiert sie ihre Anfänge.
Geholfen habe ihr, dass sie fachliche Expertise mitgebracht habe und die gleichen Werte wie ihr Vater Klaus teilt. Dieser habe so manchen Deal noch per Handschlag besiegelt. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und zu seinem Wort stehen – das seien Werte, die er seinen Töchtern vorgelebt habe. Dennoch setzt die angehende Geschäftsführerin bewusst eigene Akzente:
„Ich glaube, dass meine Kommunikation eine andere ist. Mir ist es wichtig, mein Team mitzunehmen und zu erklären, warum wir eine Extrameile drehen. Und wenn ich eine Aufgabe verteile, gebe ich den Kontext mit. Dazu gehören auch regelmäßige Updates. Ich merke, dass das gut ankommt und sehe es als Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden.“
Während des Nachfolgeprozesses habe sie gemerkt, dass es wichtig sei, Demut und Respekt vor dem Lebenswerk ihres Vaters zu haben: „Ich sehe, was sich bewährt hat. Wir besprechen Themen und neue Ideen und justieren gemeinsam nach. Wenn meine Schwester oder ich etwas ändern möchten, dann müssen wir ihm Argumente liefern“, erklärt sie die generationenübergreifende Zusammenarbeit.
PREIS “4x4 unter 40” GEWONNEN
Ebeling bewegt sich in einer Branche, die noch immer von Männern dominiert wird. Für ausbaufähig hält sie daher auch die Zahl der Frauen, die für esacom arbeiten. Derzeit sei nur ein Drittel der Belegschaft weiblich: „Hier sehe ich noch viel Potenzial. Wir nutzen beispielsweise Aktionen wie das Speeddating für Auszubildende, um unsere Ausbildungsberufe wie Fachinformatiker/in oder Anwendungsentwickler/in aufmerksam zu machen. Wir möchten organisch wachsen.“
Von den Wirtschaftsjunioren Deutschland ist die Geschäftsführerin in diesem Sommer für ihr Engagement, mit moderner Technologie eigene Akzente zu setzen und so die Weiterentwicklung des Unternehmens voranzutreiben, mit dem Preis „4x4 unter 40“ ausgezeichnet worden: „Der Preis ist eine schöne Würdigung und auch die Kolleginnen und Kollegen sind stolz darauf. Er zeigt, dass wir gemeinsam als Team Dinge bewegen.“
"IN KI STECKT VIEL POTENZIAL"
Ein wichtigen und zunehmenden Stellenwert nimmt bei esacom das Thema Künstliche Intelligenz ein. Das Steckenpferd von Anna-Rosa Ebeling, die sich schon während ihrer Masterarbeit mit den Anfangstools wie „Alexa“ oder „Siri“ beschäftigt hat
„Derzeit herrscht ja ein Riesenhype um dieses Thema. Ich finde es spannend, wie Chat GPT immer bessere Texte schreibt. Wie können wir den Mittelstand stärken? Wo kann die KI unterstützen? Was ist aus Datenschutzgründen zu beachten? Wie kann das Wissen der Mitarbeitenden mittels KI aufgezeichnet werden? Diese Fragen beschäftigen Ebeling und ihr Team:
„Natürlich muss man auch die Risiken der KI abwägen und Spielregeln definieren, aber es steckt so viel Potenzial in dieser Technologie,“ gerät sie ins Schwärmen.
ÜBER NACHFOLGEPROZESS BERICHTEN
Auch wenn es noch keine konkrete Deadline für den genauen Übergabeprozess gibt – die Vorbereitungen laufen bereits. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird Anna-Rosa Ebeling nach und nach mehr Verantwortung übernehmen: „Wahrscheinlich wird mein Vater auch danach beratend tätig bleiben“, prophezeit sie mit einem Augenzwinkern. In der Zwischenzeit will die künftige Unternehmerin sich verstärkt dem Thema Social Media widmen:
„Wir wollen sichtbarer werden im Markt. Und ich möchte über unseren Übergabeprozess berichten. Authentische Einblicke geben und erzählen, was gut läuft und was nicht. Viele Firmen finden keinen Nachfolger und das finde ich sehr schade.“ Ihre Empfehlung: sich umhören, im Unternehmen fragen, ob jemand gestalten möchte und welchen Support er dafür bräuchte. Auch Tandem-Lösungen seien denkbar. Dass sie selbst trotz ihrer zwei kleinen Kinder in Vollzeit arbeiten kann, verdankt sie ihrem Mann:
„Er ist derzeit in Elternzeit und hält mir den Rücken frei. Die Lösung ermöglicht mir beides mit ganzem Herzen zu machen - ohne schlechtes Gewissen arbeiten zu gehen und in meiner Freizeit für meine Familie da zu sein.“ Für ihre Zukunft als Geschäftsführerin hat Anna-Rosa Ebeling sich vorgenommen, mit Mut ihren eigenen Weg zu gehen: „Für mich bedeutet das ein Zusammenspiel aus Bewährtem und Weiterentwicklung.“ Gutes Rüstzeug bringt sie mit, die 2. Generation bei esacom.
