Innenstadtentwicklung
Studie "Vitale Innenstädte"
Bielefeld ist weiterhin die wichtigste Einkaufsstadt in Ostwestfalen – das zeigt die aktuelle Studie „Vitale Innenstädte“. Doch die Attraktivität der Innenstadt hat nachgelassen. Wir sehen klaren Handlungsbedarf und fordert gezielte Maßnahmen zur Aufwertung des Standorts.
Ergebnisse der Studie: Licht und Schatten
Die IHK Ostwestfalen hat die Teilresultate der bundesweiten Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) vorgestellt. In Bielefeld wurden dafür 506 Passantinnen und Passanten befragt. Insgesamt nahmen 107 Städte teil, darunter elf in der Ortsgrößenklasse 200.000 bis 500.000 Einwohner.
Bielefelds Attraktivitätswert ist von der Schulnote 2,8 (2020) über 3,0 (2022) auf nun 3,3 gefallen – schlechter als der Durchschnitt der Vergleichsgruppe (2,5). Zwar sehen ein Drittel der Befragten eine Verbesserung, doch die Gesamtbewertung zeigt: Es besteht Handlungsbedarf.
Einzelhandel und Nahversorgung: Stärken und Schwächen
Das Einzelhandelsangebot wird insgesamt positiv bewertet (Noten zwischen 2,1 und 2,7), mit leichten Verbesserungen in einzelnen Sortimenten. Problematisch ist jedoch die Nahversorgung: Das Lebensmittelangebot erhält die Note 3,6 – ein deutlicher Rückgang gegenüber 3,1 im Jahr 2022. Die Schließung der Lebensmittelabteilung im ehemaligen Karstadt-Haus hat hier Spuren hinterlassen. Der neue Rewe-Markt im LOOM konnte die Lücke offenbar nicht vollständig schließen.
Aufenthaltsqualität und Stadtbild: Wunsch nach mehr Grün und Sauberkeit
Besonders kritisch sehen die Befragten die Aufenthaltsqualität, das Ambiente und Flair der Innenstadt. Die Bewertung sank von 3,0 auf 3,4. Stadtbegrünung (Note 3,7) und Sauberkeit (3,2) bleiben zentrale Anliegen. Rund drei Viertel der Befragten wünschen sich eine Aufwertung der Fußgängerzonen und Plätze.
IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke betont: „Gefordert sind mehr Aufenthaltsqualität durch Begrünung, Sicherheit und Sauberkeit – das ist ein klarer Auftrag an die Stadtentwicklung.“
Mobilität und Erreichbarkeit: Verkehrspolitik unter Druck
Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Note 2,0) und die Fußgängerfreundlichkeit (2,3) schneiden gut ab. Deutlich schlechter sieht es bei Autofreundlichkeit (3,6), Parkmöglichkeiten (3,6) und Fahrradfreundlichkeit (3,1) aus. Die Verkehrspolitik erhält die Schulnote 3,8 – fast die Hälfte der Befragten vergibt ein „ausreichend“, 16 Prozent sogar ein „mangelhaft“.
Die Ergebnisse zeigen: Die Besucher nutzen vielfältige Verkehrsmittel und erwarten eine entsprechend ausgewogene Infrastruktur.
Fazit: Bielefeld muss nachlegen
Trotz seiner Rolle als Einkaufsstadt Nummer eins in Ostwestfalen steht Bielefeld vor Herausforderungen. Die Studie zeigt klar, wo Verbesserungen nötig sind – von Nahversorgung über Aufenthaltsqualität bis hin zur Mobilität. Die IHK fordert ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten, um die Innenstadt zukunftsfähig zu gestalten.
