Sicherheit, Verteidigung und wirtschaftliche Resilienz

Geopolitische Veränderungen, internationale Krisen und sicherheitspolitische Herausforderungen verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf Unternehmen aus, insbesondere auf Planungssicherheit, Lieferketten und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Verteidigungsfähigkeit und Fachkräftesicherung sind heute eng miteinander verknüpft. Die aktuellen Veränderungen erfordern eine sachliche Diskussion über ausgewogene und verhältnismäßige Sicherheitsmaßnahmen. Ziel ist es, die Resilienz zu stärken und Ostbrandenburg als leistungsfähigen und sicheren Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Dieser Beteiligungsprozesses ist bis zum 20.02.2026 für Mitgliedsunternehmen geöffnet.

Positionen der IHK Ostbrandenburg zur Wirtschaftssicherheit

I Präambel

Die Sicherheitslage in Deutschland und Europa hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert:
Die wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen der Großmächte wie USA, China oder Russland haben zu geopolitischen Neuordnungen und Neubewertungen geführt. Der Krieg in der Ukraine, der Gazakonflikt, der Angriff auf Venezuela, drohende Handelskriege und neue strategische Partnerschaften haben die Welt gewandelt und ein großes Unsicherheitspotential geschaffen.
Europa und Deutschland befinden sich in der Situation, ihre sicherheitspolitischen Strategien neu zu justieren. Die Bundesregierung hat bereits Kurskorrekturen bei Verteidigung und Krisenprävention vorgenommen, die maßgebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.
Ostbrandenburg mit seiner 200 Kilometer langen Grenze zum Nachbarland Polen hat dabei spezifische Interessen, die auch den weiteren Ausbau und die Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zum Nachbarland beinhalten. Eine engere, auch sicherheitspolitisch orientierte Kooperation mit der Republik Polen ist dabei eine Grundvoraussetzung für die Fortsetzung der Politik der friedlichen Koexistenz in Europa.

II Neue europäische Identität in der Sicherheitspolitik

Das neue Europäische Selbstbewusstsein mit dem Ziel, einer sicherheitspolitischen Autonomie, sollte sich an folgenden Leitlinien orientieren:

Weltweiter Ausbau von Partnerschaften

Neue Zölle, Kriege, Exportkontrollen und Marktabschottungen haben gezeigt, dass bestehende einseitige Handelsbeziehungen zu strategischen Abhängigkeiten geführt haben. Zum Abbau dieser Abhängigkeiten und zur Diversifizierung von Lieferketten sind bestehende Handelsabkommen der EU zügig zu ratifizieren und neue Abkommen abzuschließen. Der Abschluss gezielter Rohstoff- und Digitalabkommen ist ebenso notwendig wie die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zu den EU-Nachbarstaaten.

Planungssicherheit für die Wirtschaft

Ob für die Ostbrandenburger, die Deutsche oder Europäische Wirtschaft gedacht, verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind auch in Krisenzeiten der Schlüssel für wettbewerbsfähige Unternehmen. Der Abbau und die Harmonisierung von Berichtspflichten, kostengünstige Energieversorgung sowie effiziente und transparente Genehmigungsverfahren sind Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften insbesondere der kleinen und mittelständigen Unternehmen Ostbrandenburgs.

Augenmaß bei Schutzmaßnahmen

Freiheit und Sicherheit sind zentrale Grundwerte liberaler Demokratien. Sie sind eng miteinander verbunden und bedingen einander. Auch in krisenhaften und unsicheren Zeiten müssen Maßnahmen zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit strikt risikobasiert und verhältnismäßig ausgestaltet werden. Eingriffe in die wirtschaftlichen Freiheiten sollten sich klar auf Hochrisikobereiche beschränken, um Sicherheitsinteressen zu wahren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.
Die IHK Ostbrandenburg unterstützt ihre Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte, beim Aufbau nachhaltiger und resilienter Lieferketten und setzt sich für den Abbau bürokratischer Hürden im internationalen Handel ein.

III Wirtschaft und Verteidigung – neue sicherheitspolitische Herausforderungen

Bedrohungslage macht strukturelle Defizite deutlich

Die aktuellen Herausforderungen bei der äußeren Sicherheit und beim Wirtschaftsschutz verschärfen die Dringlichkeit vieler von der Wirtschaft ohnehin geforderten Maßnahmen: Infrastrukturmodernisierung, Bürokratieabbau, Gewinnung von Fach- und Arbeitskräften sind nur einige Themen, die Entwicklung hemmen und nun auch der Verteidigung und dem Wirtschaftsschutz entgegenstehen. An diesen Stellschrauben ist verstärkt zu arbeiten. Die dafür vorgesehenen Mittel sollten sinnvoll, unbürokratisch und gerecht eingesetzt werden.
Dazu zählt auch die Gewährleistung des Schutzes kritischer Infrastrukturen. Sie ist eine Kernaufgabe staatlicher und unternehmerischer Sicherheitsvorsorge. Cyber- und Energiesicherheit rücken zunehmend in den Fokus von Unternehmen und Sicherheitsbehörden. Die Bundesregierung hat hierfür die entsprechenden rechtlichen Rahmen zu gestalten. Die IHK Ostbrandenburg wird durch ihre Berater- und Informationsfunktion diesen Prozess unterstützen.

Wirtschaft und Bundeswehr im Ringen um Fach- und Arbeitskräfte

Der Personalbedarf der Bundeswehr wird den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte verschärfen. Es ist deshalb wichtig, Wehrdienst, berufliche Bildung und Arbeitswelt ganzheitlich zu betrachten, um für alle Bereiche der Gesellschaft zu tragfähigen Lösungen zu gelangen. Eine zukunftsgerichtete Verteidigungsstrategie sollte deshalb auch die langfristige Fachkräftesicherung und die wirtschaftlichen Auswirkungen in den Blick nehmen und nicht einseitig zu Lasten der Wirtschaft gehen.

Investitionen in den Infrastrukturausbau

Mit dem beschlossenen Sondervermögen für den Ausbau einer militärtauglichen Infrastruktur ist der Grundstein für dringend erforderliche Sanierungs- und Neubaumaßnahmen gelegt. Die IHK Ostbrandenburg appelliert nachdrücklich an das Land und die Bundesregierung die Verkehrsprojekte in Ostbrandenburg wie die A 12 (dreispuriger Ausbau), Ostbahn oder die Eisenbahnverbindung Berlin-Stettin in Angriff zu nehmen und zügig umzusetzen.

Wichtige Aufgaben der Industrie- und Handelskammer

Die Rahmenrichtlinie für die Gesamtverteidigung (RRGV) benennt viele Felder, in denen militärische und zivile Aufgabenbereiche ineinandergreifen. Dabei wird die Wirtschaft als Garant für die Energie-, Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung, die Logistik und vieles mehr hervorgehoben. Die IHK-Organisation spielt dabei als Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung, Bundeswehr und Wirtschaft eine zentrale Rolle.
Die IHKs sind im Spannungs- oder Verteidigungsfall auf Basis von Sicherstellungs- und Versorgungsgesetzen z.B. im Verkehrs- oder Energiebereich zur Mitwirkung verpflichtet.
Neben der Information der Mitgliedsunternehmen, der Interessenvertretung im sicherheitspolitischen Bereich werden auch hoheitliche Aufgaben wie Stellungnahmen zur Unabkömmlichkeit von Arbeitnehmern in den Fokus gelangen.
Über die bundesweit organisierten Auftragsberatungsstellen als Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft unterstützen die IHKs Unternehmen, um sich in einem fairen Wettbewerb an öffentlichen Aufträgen - und so auch der Bundeswehr – zu beteiligen. Durch die Zugriffsmöglichkeit auf Dienstleistungen und Expertise der Auftragsberatungsstellen, auf die Daten präqualifizierter Unternehmen und die enge Zusammenarbeit mit den IHKs eröffnen sich Möglichkeiten einer erweiterten regionalen Marktansprache.

IV Unternehmenssicherheit und Zivilschutz als Aufgabe mit Bedeutungszuwachs für KMU

Terroristische Anschläge und die Resilienz kritischer Infrastrukturen

Anschläge auf die Stromversorgung (Tesla und zuletzt in Berlin) auf Weihnachtsmärkte und ähnliches mehr sind Angriffe auf die Lebensadern der Region und auf die Grundlagen unserer Gesellschaft. Sie verdeutlichen den Handlungsbedarf bei der Prävention vor Angriffen auf die netzgebundenen Infrastrukturen und weiterer lebenswichtiger Einrichtungen. Der Staat ist in der Pflicht, geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen und sicheres Leben und Wirtschaften zu ermöglichen.
Die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen (Resilienz) hängt nicht allein von der Prävention an. Es geht auch darum, Angriffe unattraktiver zu gestalten. Durch die Schaffung kleinerer, voneinander abgekoppelter Einheiten und die schnelle Möglichkeit von Reparaturen der Schäden oder die Bereitstellung alternativer Versorgungsmöglichkeiten sinkt die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen.
Aber auch jedes Unternehmen selbst, das das Risiko dieser Straftaten im Wesentlichen selbst trägt, hat geeignete Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen und mit Notfallplänen für geeignete Schadensminimierung zu sorgen.

Pandemien und Naturkatastrophen beeinflussen den wirtschaftlichen Alltag

Die Coronapandemie hat gezeigt, wie anfällig sicher geglaubte Strukturen sind. Ein geeignetes Krisen- und Konfliktmanagement ist deshalb auch für kleine und mittelständische Unternehmen existenzielle Voraussetzung. Die IHK Ostbrandenburg wird Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Zivil- und Katastrophenschutzes verstärkt und KMU beraten und unterstützen.

Cybersicherheit als Basis unternehmerischen Handelns

Cyberangriffe – ob als staatsterroristischer Akt oder mit erpresserischem Hintergrund – sind als regelmäßig Störung Teil des unternehmerischen Alltags geworden. Insbesondere KMU stehen vor den finanziellen Herausforderungen für Prävention und Reparatur der versursachten Schäden und Ausfälle. Die IHK unterstützt mit der Vermittlung von Experten und organisiert über den jährlichen IT-Sicherheitstag ein breites Forum für Wissensaustausch.

Zum Antwortformular

Bitte beteiligen Sie sich bis zum 20. Februar 2026 über das hier zu öffnende Antwortformular zur Wirtschaftssicherheit.

Hinweis: Sie können sich ausschließlich als Mitgliedsunternehmen der IHK Ostbrandenburg beteiligen.