Mehr Unternehmensübergaben erwartet

Für insgesamt rund 190.000 Unternehmen steht nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn in den kommenden fünf Jahren eine Nachfolge an. Das sind 27 Prozent mehr als in den fünf Jahren zuvor. Im Vergleich zur Zeit vor 2014 stieg die Zahl der Nachfolgeunternehmen sogar um 72 Prozent. 

Fast die Hälfte der Übernahmen werden, so das IfM Bonn, im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen stattfinden und über ein Viertel im Produzierenden Gewerbe. Dagegen dürfte es bei Unternehmen, die personenbezogene Dienstleistungen anbieten (z. B. Gastgewerbe, Gesundheits-/Sozialwesen, Kunst, Unterhaltung, Erholung, Erziehung und Unterricht), sowie im Handel deutlich seltener zu einer Übernahme kommen.
Die meisten Übergaben in Relation zum Unternehmensbestand erwartet das IfM in Bremen und Niedersachsen: 59 bzw. 56 Übergaben je 1.000 Unternehmen. Dies beruht im Fall von Bremen auf einer vergleichsweise hohen Zahl an Unternehmen im Wirtschaftsbereich unternehmensnahe Dienstleistungen – einem Wirtschaftszweig, der eine hohe Bedeutung für das Nachfolgegeschehen im Allgemeinen besitzt. In Niedersachsen gibt es hingegen viele mittelgroße Unternehmen, wo gleichfalls viele Übergaben stattfinden.
Die niedrigste Zahl an Übergaben im Vergleich zum Unternehmensbestand wird mit 44 je 1.000 Unternehmen in Berlin erwartet. Hier gibt es ebenfalls überproportional viele Unternehmen im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen. Mehrheitlich handelt es sich hierbei um kleine und kleinste Unternehmen, bei denen sich lt. IfM Bonn oftmals eine Übernahme nicht lohnt.
Brandenburg liegt wie Berlin und äquivalent zu den neuen Bundesländern mit 47 erwarteten Übergaben je 1.000 Unternehmen unter dem Bundesdurchschnitt von 52 je 1.000 Unternehmen. Auch hier sind die Gründe mehrheitlich in der Unternehmensgröße auszumachen. Das IfM definiert ein vor dem Wechsel stehendes Unternehmen dann als übergabereifreif, wenn dessen Jahresgewinn mindestens gut 60.000 Euro beträgt (ohne Kapitaleinsatz).
Corona-Pandemie wirkt sich in unterschiedlicher Weise aus
Die Corona-Pandemie dürfte das Nachfolgegeschehen vorrangig bei den familienexternen Übergaben tangieren. Diese machen jedoch weniger als 30 % aller Nachfolgeregelungen aus, schätzt das IfM Bonn. Alteigentümerinnen und Alteigentümer, die aktuell einen Verkauf anstreben, müssten in diesen Fällen unter Umständen niedrigere Kaufpreise akzeptieren. Andere werden hingegen ihre Nachfolgepläne so lange hinausschieben, bis sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiert hat. Hierauf deuten auch Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern aus ihrem Service zur Unternehmensnachfolge hin.
Insgesamt erwartet das IfM Bonn, dass wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen trotz demografischem Wandel und Fachkräftemangel eine Nachfolgelösung finden werden.
Das IfM Bonn informiert hier. Die ausführliche Studie ist hier downloadbar.