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Quereinsteigerin übergibt an Quereinsteiger
Schon vor zwei Jahren stand für Dagmar Eckart fest: Anfang 2026 möchte sie in den Ruhestand gehen und ihre „DEKAFFEE-Rösterei“ in Erkners Mitte in gute Hände legen. Sie wünschte sich eine Nachfolge, die mit ebenso viel Liebe zum Handwerk und dem Kaffee das Geschäft weiterleben lässt. In der eigenen Familie bestand kein Interesse, so nutzte sie frühzeitig die Nachfolgeplattform „Nexxt Change“.
Dagmar Eckart ahnte, dass es nicht leicht werden würde, die Firma zu verkaufen. Zwar bot sie ein gesundes Unternehmen mit stabilem Kundenstamm und guten Zahlen, aber auch die Gewissheit, dass es mit 20 Stunden Arbeit in der Woche nicht getan ist.
Ein Zufall ließ die Erkneranerin mit Tobias Mehrländer in Kontakt treten. „Man kennt sich in der Branche. Ich folgte ihm als Kollegen schon eine Weile auf Social Media und war von einem Post so angetan, dass ich ihn angerufen habe.“ So seien beide ins Gespräch gekommen, auch die Nachfolge zum Thema geworden. Wie Dagmar Eckart ist auch er ein Quereinsteiger, der seine Liebe zum Kaffee zum Beruf gemacht hat.
Die einstige Bankkauffrau traute sich vor zwölf Jahren, eingetretene Pfade zu verlassen. Sie befasste sich von der Pike auf mit der Rösterei, besuchte Kaffeeplantagen, lernte das Leben der Farmer kennen und zog aus diesem Wissen ihren Respekt und ihre Verantwortung für das Produkt.
Kaffee ja, Helikopter nein
Tobias Mehrländer hatte ebenfalls sein Leben für den Kaffee auf den Kopf gestellt, seinen Job in einem Pharma-Unternehmen aufgegeben und fortan Plantagen nicht nur angeschaut, sondern dort gearbeitet und gelebt. Zudem war er eine Zeit bei GEPA, dem größten Fair-Trade-Handelsunternehmen Europas beschäftigt. So begründet sich auch sein Ansatz, der in Sachen Nachhaltigkeit noch weiter geht. 2020 zurück in Deutschland hat er in Luckenwalde seine Rösterei für Bio-Kaffee gegründet.
Verstärkung: Kaylee Alvarez und Nina Voß (von links) haben am Tag der Eröffnung das Team die neuen Inhaber der DEKAFFEE-Rösterei in Erkner, Marlen Ring und Tobias Mehrländer unterstützt. Das Team hatte alle Hände voll zu tun, um die rund 150 Besucher zu bedienen.
Das Aufeinandertreffen beider – ein Glücksfall. Ein zweiter Impuls kam aus ganz anderer Richtung. Mehrländers Familie und die von Marlen Ring sind seit vielen Jahren befreundet. Die Bad Saarowerin arbeitete zuletzt für einen großen Getränkehersteller im Marketing für den europäischen Markt. Immer mal wieder hatten beide darüber nachgedacht, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. „Über die IHK Ostbrandenburg, die Referentin für Tourismus, erhielt ich den Tipp, dass die Rösterei in Erkner eine Nachfolge sucht.“ So machten sie sich auf den Weg und schauten sich alles ganz genau an.
Fachlich passte es ohnehin. Der 40-Jährige ist Röster, die 44-Jährige kennt sich mit Kommunikation aus. Beide haben Betriebswirtschaft studiert. Die Kompetenzen ergänzen sich somit bestens. Ebenso wie die Angebote in Erkner und in Luckenwalde. Ein Beispiel: Wenn beide im Onlinehandel kooperieren, erweitert sich die Auswahl für die eine Kundschaft um Bioprodukte, für die andere um eine viel größere Palette an Kaffee-Sorten – alles handmade natürlich.
Als die Entscheidung gefallen war, blieb ein halbes Jahr für den Übergang. „Alles, was toll ist, soll bleiben“, sagt Marlen Ring. Der Name, die Sorten, das Netzwerk, die Kunden, der Vertrieb, die Öffnungszeiten. Sonntag, Montag und Dienstag sind Schließtage, Dienstag wird geröstet. An anderen Stellen könne nachjustiert werden. „Wir sind eine andere Generation. Das macht sich bemerkbar.“ Sie seien jünger, schneller, flexibler. Die Kommunikation ist nun ebenso digitaler wie die Produktion.
Erfahrung und IT
Setzte Dagmar Eckart auf Erfahrung, Sehen, Riechen, Schmecken, macht Tobias Mehrländer nichts ohne seinen Computer. Fürs Marketing bringt Marlen Ring viele neue Ideen ein. „Wir wollen noch stärker mit Unternehmen zusammenarbeiten, deren eigenen Kaffee kreieren, der dann wiederum bei ihnen Marketingzwecke und Unternehmenskultur unterstützen kann.“ Zudem soll der Cafébetrieb in Erkner etwas mehr Betonung erfahren.
Quasi als Übergabe-Geschenk hat Dagmar Eckart die Terrasse nochmal herrichten lassen. „Den Belastungstest bei der Eröffnungsfeier Ende April hat sie bestanden.“ Zudem ist aus dem Verkaufsraum das große rote „Monstrum“, eine traditionelle, mannshohe Röstmaschine verschwunden. Sie war ein Hingucker, hat aber viel Platz verschlungen. „Und steht jetzt in Schweden“, erzählt die Erkneranerin. Ein Zeichen, dass die 64-Jährige loslassen kann. „Seit dem 1. April sind mein Mann und ich Rentner, und wir waren gleich zwölf Tage weg.“
Mit offenen Armen empfangen
So konnten die neuen „DEKAFFEE“-Eigentümer nach ihrem Gustus schalten und walten. Was sich auch hätte anders entwickeln können. Schließlich ist die Rösterei Dagmar Eckarts „Baby“ und befindet sich – durchaus erschwerend – in ihrem Wohnhaus. Zum „Helikopter“ werde sie aber gewiss nicht. Die Ruheständlerin wolle weiter ihren geliebten Espresso trinken und den Kaffeeduft genießen, der im und rund ums Haus liegt. „Reinreden werde ich nicht. Und als Aushilfe mitarbeiten auch nicht“, betont sie den klaren Schnitt.
Staffelstabübergabe: Dagmar Eckart (3. von rechts) sieht ihre DEKAFFEE-Rösterei Erkner bei Marlen Ring (2. v.l.) aus Bad Saarow und Tobias Mehrländer (2.v.r) aus Luckenwalde in guten Händen. Erkners Bürgermeister Henryk Pilz war bei der Eröffnungsfeier dabei.
„Vielleicht ist das in ein, zwei Jahren anders“, hält ihre Nachfolgerin die Tür offen. Die Achtung davor, was Dagmar Eckart geschäftlich aufgebaut hat, ist spürbar, und so bekommt das Versprechen, verantwortungsvoll damit umzugehen, das Unternehmen modern und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln, zusätzlich Gewicht.
Einen Vorgeschmack darauf haben die Nachfolger bei der Eröffnung gegeben. „Es war ein Dankeschön an die Kunden und an die Partner“, sagt Marlen Ring. Sie haben in die Rösterei eingeladen und den handwerklichen Prozess gezeigt. Sie haben Kaffee verkosten und personalisierte Label drucken lassen.
„Wir sind dankbar, dass wir als neue Inhaber mit so offenen Armen empfangen worden sind“, lobt die Bad Saarowerin den Start. Sie freue sich auf die, die „DEKAFFEE“ weiter oder neu wohlgesonnen sind und hier ihren Lieblingskaffee finden. „Wir haben ihn schon. Für mich ist es der Brazil entkoffeiniert, und für Tobias der Espresso India Monsooned Malabar.“
FORUM/Anke Beißer
Kontakt
Manuela Neumann
Referentin Tourismus
Regionalcenter Berliner Umland
