FORUM - Das Wirtschaftsmagazin
Nr. 7023216
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Fokus Region

„Wir sammeln keine Plaketten, um sie uns an die Tür zu kleben“

Der Tourismuspreis 2025 im Land Brandburg ist an drei Preisträger gegangen. Einer ist die TMU Tourismusmarketing Uckermark GmbH. Sie arbeitet als landkreiseigene Gesellschaft und ist Schnittstelle zwischen Tourismusanbietern, Kommunen und Gästen. Geschäftsführerin Anet Hoppe erzählt im Gespräch mit Eva-Martina Weyer, wie das Unternehmen nachhaltigen Naturtourismus entwickelt und vermarktet.
FORUM: Frau Hoppe, die Uckermark gilt schon seit 2012 als zertifiziertes, nachhaltiges Reiseziel. Warum bleiben Sie und Ihre Kollegen immer wieder dran an diesem Thema?
ANET HOPPE: Wir sammeln ja keine Plaketten und Urkunden, um sie uns an die Tür zu kleben, sondern machen das für die Anbieter in der Region und damit wir als Gesellschaft an Profil gewinnen. Die Zertifizierung eröffnet uns einen ganz anderen Kontext. Deutschlandweit haben wir Partner auf Augenhöhe entdeckt, denen Nachhaltigkeit genauso am Herzen liegt wie uns. Wir werden von unseren Partnern in der Region und in der Ferne immer wieder animiert weiterzumachen.
FORUM: Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit im Tourismus?
ANET HOPPE: Es geht um zukunftsfähige Angebote, die wir auch morgen und übermorgen noch in der Uckermark haben. Wir ermöglichen naturnahen Tourismus und bleibende Natur- und Kulturerlebnisse. Wenn wir nicht unsere Anbieter hätten – den Gastgeber, den Reiterhof, das Hotel – die die Angebote entwickeln, dann hätten wir nicht das Fundament, es fürs Marketing aufzubereiten. Der Uckermärker muss das mögen, dann ist er der gute Botschafter, der den Gästen etwas vorschwärmt. Für uns ist der Dreiklang wichtig aus Anbietern, Gästen und einheimischer Bevölkerung.

FORUM: Welche Themen haben Sie in den Wettbewerb eingebracht?
ANET HOPPE: Da war zum einen das Thema „Ökologischer Wandel“. Da haben wir uns zuhause gefühlt. Aber wir haben uns auch mit „Digital und smart“ beworben. Das war und ist spannend für uns, aber zugleich wichtige Aufgabe in der Produktweiterentwicklung.
FORUM: Welches sind die Gründe dafür?
ANET HOPPE: Es ist ein Spagat vom Gast hin zum Digitalen, weil gerade die Großstädter die Ruhe und Einfachheit in der Uckermark schätzen. Sie wollen nicht ständig das Handy am Ohr haben. Für uns war die Frage: Wie bleiben wir wettbewerbsfähig und authentisch zugleich? Eltern und Kinder aus der Großstadt erleben in der Uckermark eine ganz andere Welt. Hier gibt es klare Seen, tiefe Wälder oder einfach eine Wiese zum Toben vor dem Ferienhaus. Diese Refugien möchten wir bewahren und trotzdem Neues anbieten.
FORUM: Was war dieses Neue?
ANET HOPPE: Wir müssen den potenziellen Gast im Blick haben, der über die sozialen Netzwerke sucht und bucht. Der digitale Erlebniswanderweg „Mission gutes Leben“ spricht digital affine Zielgruppen an und schafft neue Reiseanlässe. So ermöglichen wir, dass Gäste aktiv Verständnis für Klimaschutz gewinnen und in Regionalentwicklung eingebunden werden.

FORUM: Wie sieht das in natura aus?
ANET HOPPE: „Mission gutes Leben“ ist ein fünf Kilometer langer Erlebniswanderweg. Er macht Gäste sensibel für das Besondere am Wegesrand und spricht Familien mit Kindern an. Da ist auch ein kleiner Anteil Entertainment dabei. Er ermöglicht einen Aha-Effekt und das Staunen darüber, was man noch lernen kann. Alles geht zurück auf eine Idee des Naturparks Uckermärkische Seen. Wir haben das Angebot aufgegriffen und weiter kommuniziert.
FORUM: Auf welches Produkt waren Sie 2025 besonders stolz?
ANET HOPPE: Das ist die Aktion „Bäume für die Uckermark“. Gäste haben gefragt, ob sie etwas für die Region tun könnten. Wir haben überlegt, welches Produkt wir daraus ableiten können. Über das Internet kann jeder ein Stück Regenwald kaufen und retten. Mit Partnern sind wir auf das Baumpflanzen in der Uckermark gekommen. Gäste, Einheimische und Unternehmen können Setzlinge kaufen und bei Pflanzaktionen mit dem Stadtförster dabei sein. Kinder lernen nicht nur dazu, sondern werden in ihrem Bestreben unterstützt Gutes zu tun. Wir hatten solche Aktionen schon in Prenzlau, Templin und Angermünde. In diesem Jahr gehen wir damit nach Lychen.
FORUM: Was ist 2026 noch geplant?
ANET HOPPE: Im bundesweiten Wettbewerb „Deutschlands schönste Wanderwege“ machen wir mit. Wir haben großes Interesse daran, uns diesem Bauchkribbeln zu stellen und der Frage: Wo stehen wir überhaupt? Wir bewerben uns mit dem „Märkischen Landweg“. Er ist schon sehr lange ein Qualitätswanderweg nach den Kriterien des Deutschen Wanderbundes und führt quer durch die Uckermark. Für uns ist es spannend, wie die Leute sich die Region erwandern. Am Ende wählt das Publikum mit, also die Wanderer.
FORUM: Wie gewinnen Sie Unternehmer und Partner?
ANET HOPPE: Die Zusammenarbeit ist freiwillig. Wir machen Angebote, sprechen Tourismusanbieter immer wieder an. Manche begleiten uns als Partner seit vielen Jahren. Sie tun das, auch wenn sie sich um Gäste kümmern müssen und ihren Alltag haben.

FORUM: Alle Tourismusregionen ringen um Gäste und stellen das Besondere heraus. Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Uckermark?
ANET HOPPE: Unsere Gäste spiegeln uns das wider, dass es bei uns der besondere Naturraum ist, die tiefen Wälder, der saubere Wasserreichtum. Zum Beispiel punktet die Uckermark mit vielseitigen Aktivitäten am und auf dem Wasser. Leute aus der Großstadt schwärmen davon und werden zu Stammgästen. Sie wissen, man kann hier Ferien mit Kindern machen, mit regionalen Produkten kochen und auf geführte Wanderungen gehen.
Es fragte Eva-Martina Weyer.

Manuela Neumann
Referentin Tourismus
Regionalcenter Berliner Umland