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Nr. 6996332
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 Mandy Roth-Grycza ist Inhaberin des Altstadtkinds.
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Wie eine Händlerin der Online-Konkurrenz Paroli bietet

Der Name „Altstadtkind“ schwirrte schon lange vor der Gründung ihres kleinen Unternehmens im Kopf von Mandy Roth-Grycza herum. Die Namensidee stammt von ihrem Mann. Anfang 2024 übernahm sie den Kinderladen in der Großen Straße in Strausberg, in dem sie bislang als Angestellte Spielzeug, Kleidung und mehr verkauft hatte und der als „Gänseblümchen“ firmierte. Es galt, einen passenderen Namen zu finden. „Fremde dachten, wir sind ein Blumenladen“, erinnert sich die 49-Jährige.
Als Mandy Roth-Grycza die Nachfolge antrat, war der Zeitpunkt perfekt. Das „Altstadtkind“ sollte es sein. Seine Inhaberin ist zwei Häuser entfernt aufgewachsen und bezeichnet sich selbst als Altstadtkind. Mit dem Wechsel bekam das Geschäft ein neues Gesicht. „Ich musste dem Ganzen gleich meinen Stempel aufdrücken“, sagt die energiegeladene Strausbergerin. Bei neuer Farbe blieb es nicht. Der Hingucker sind an Scherenschnitte erinnernde Silhouetten eines Jungen und eines Mädchens, die als Logo hier und da den Laden schmücken.

Das Pendeln war belastend

Bis dahin war es für die verheiratete Mutter von vier Kindern, von denen noch zwei im Haushalt leben, ein kurviger Weg. Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitete in Berlin, dort sogar als Führungskraft. „Der Fahrweg in die Hauptstadt war belastend, zumal als vielfache Mutter und allem, was damit zusammenhängt.“ Eine nächste Station war ein Geschenke- und Haushaltswarenladen in der Großen Straße in Strausberg. Als dieser aufgegeben wurde, kam das Angebot aus dem Kinderladen. „Ich kannte ihn als Kundin und ich kannte die Chefin. Wir meinten beide, es würde passen.“ Und „Handel ist Handel“, hatte sich die lebensfrohe Frau gesagt, also egal, ob sie Haushaltswaren oder Strampler und Spielzeug verkauft.
Die Entscheidung fiel in die Zeit, als Kind Nummer vier die Familie komplettierte – heute ist ihr Sohn elf Jahre alt. Mit den Kids, die altersmäßig jeweils drei bis vier Jahre trennen, war sie neben ihrer beruflichen Expertise Fachfrau schlechthin. 2023 hatte ihre Chefin dann erwähnt, sich zurückziehen zu wollen.
Lange überlegen musste Mandy Roth-Grycza nicht und hat sich gleich ins Zeug gelegt. Schulung im Gründerzentrum Strausberg, Lotsenbegleitung im Gründungsprozess, Verhandlungen zur Finanzierung – die wohl schwierigste Etappe. Einmal den Weg eingeschlagen, hielt die Strausbergerin nichts mehr auf. Zielstrebigkeit, Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit waren ihre Begleiter und die Nachfolge Ende des Jahres geregelt.
Dann hieß es umbauen und renovieren. Der Schriftzug „Altstadtkind“ wurde entwickelt und fortan für alle Korrespondenzen und als Fassadenschmuck genutzt. „Ein neues Gesicht und ein neuer Name, das ist schon ein Einschnitt und das muss sich erst einmal festsetzen.“ Noch immer werde ab und an nach dem „Gänseblümchen“ gefragt.
Die Konstanten im „Altstadtkind“ sind das Personal sowie das Grundsortiment. Im Detail schärft die 49-Jährige immer wieder nach. So habe sie zum Beispiel Lego und Schleich in einer kleinen Auswahl aufgenommen, verzichte aber auf platzraubende Schneeanzüge und Winterjacken. „So was muss ausprobiert werden, ob die Kundschaft mitgeht.“ Als Angestellte habe sie Anregungen gegeben, heute trägt sie für Veränderungen die alleinige Verantwortung. „Das ist der entscheidende Unterschied.“

Gas geben auf Social Media

Richtig Gas gegeben hat sie in Sachen Social Media. Ohne das, sagt sie, gehe gar nichts mehr. Es koste Zeit, sei aber unerlässlich. Sie poste regelmäßig auf unterschiedlichen Kanälen neu eingetroffene Waren ebenso wie Aktionen, reagiere auf individuelle Anfragen. „Diese Kundenpflege ist ebenso wichtig wie die generelle Sichtbarkeit.“ So biete sie dem großen Kontrahenten Internet Paroli und begegnet dem Vorurteil, im kleinen Geschäft vor Ort sei alles teurer. „Mich hat der Laden überzeugt“, sagt Stammkundin Anika Bötticher. Sie kaufe lokal, um die Händler zu unterstützen. Denn ohne sie verschwinde das Leben aus der Stadt. „Im ‚Altstadtkind‘ gibt es qualitativ hochwertige Waren, eine großartige Beratung.“ Sie kaufe für die Enkelkinder ein und habe Kollegen überzeugt, dass sie nicht ins Internet gehen oder ins nahe Berlin fahren müssen.
Für ihr Konzept wurde Mandy Roth-Grycza 2025 mit einem Existenzgründerpreis Oderland-Spree der IHK Ostbrandenburg in der Kategorie Nachfolge ausgezeichnet. Sie ist auch bei der IHK-Initiative „Heimat shoppen“ dabei, beteiligt sich an Events zu Halloween und dem Weihnachtsmarkt. Sie hat im Laden einen Paketshop integriert. „Jeder Grund, in den Laden zu kommen, bringt Aufmerksamkeit.“ Ihre Geschenkkiste ist sehr beliebt. Ob Geburt oder Geburtstag, wer einen Grund zum Feiern hat, packt einen Wunschartikel hinein. Die Gäste der Feier können diese kaufen und einen Volltreffer landen.
Mit ihren ersten zwei Geschäftsjahren ist die Strausbergerin sehr zufrieden. Wenn sie nach guten Ratschlägen für Gründer gefragt wird, fällt ihr einiges ein: Ein solides Grundwissen ist wichtig über das, was man machen will. Ein Zahlenverständnis sei schon allein wegen der Buchhaltung unerlässlich. „Man darf nicht leichtfertig losstürzen, sondern muss sich schlau machen und den Markt genau abschätzen. So ein Start braucht Hand und Fuß. Sich kompetente Hilfe, also Fachberatung, zu holen, kann sehr hilfreich sein.“ Und: Man müsse immer am Ball bleiben, sich auf Erfolg auszuruhen, bringe gar nichts.
FORUM/Anke Beißer
Annett Schubert
Leiterin
Regionalcenter Oderland