12.11.2021 | Corona-Pandemie

Liquidität sichern

Informationen für Unternehmen, die durch Corona-Auswirkungen akute Umsatzeinbußen haben und in betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. 
Verschiedene Angebote und Förderprogramme von Bund und Ländern bieten finanzielle Unterstützung für Unternehmen, die Umsatzrückgänge zu verkraften haben. Die Ankündigungen und Informationen darüber können verwirren. Über die Hotline 0335 – 5621 3900 erreichen Sie die Regionalcenter der IHK Ostbrandenburg. Für Fragen zu Förderanträgen, zur betriebswirtschaftlichen Situation und andere aktuelle Themen stehen wir direkt zur Verfügung.

Innerbetriebliche Maßnahmen organisieren


Liquidität sichern, fängt im eigenen Unternehmen an. Vor allem in einer Krise ist es wichtig, die Liquiditätsentwicklung ständig im Blick zu haben. Ein  Soll-Ist-Abgleich des Liquiditätsstandes und der voraussichtlichen Entwicklung der Liquidität hilft Ihnen dabei. 
Sollten Sie dies noch nicht in Ihrer Buchhaltung etabliert haben, können Sie unsere kostenlose, zeitlich unbefristete und vom Datenvolumen unbeschränkte Internetplattform „Gründungswerkstatt“ dafür nutzen. Sie können sich jederzeit auf  www.gw-brandenburg.de anmelden und ein Projekt anlegen. So verschaffen Sie sich einen Überblick über Ein- und Auszahlungen, Fälligkeitstermine und den Bestand an liquiden Mitteln zum jeweiligen Zeitpunkt des Jahres.
Weiter geht es mit einem professionellen Forderungsmanagement. Ein professionelles Forderungsmanagement betrachtet den gesamten innerbetrieblichen Prozess, der zeitnahen Rechnungserstellung nach Leistungserbringung bis zum Eingang des Geldes auf dem Geschäftskonto des Unternehmens. Je enger die Liquidität wird, desto stringenter muss dieser Prozess im Unternehmen organisiert werden. 
Zur Organisation des Forderungsmanagements im Unternehmen gehört eine  Forderungsausfallversicherung, die Vereinbarung von Kreditlinien mit dem Versicherer für die Kunden/Auftraggeber des Unternehmens und die zeitnahe Überwachung und Anpassung dieser Linien. Wenn Sie immer zeitnah Ihre Forderungen einziehen, SEPA-Lastschriftmandate bei Ihren Vertragspartnern einsetzen, kennen Sie den Bestand Ihrer offenen Forderungen. Mit säumigen Zahlern muss gerade in der aktuellen Lage intensiv gesprochen und gehandelt werden, um das eigene Unternehmen zu schützen.
Wenn Sie detailliert aussagefähig über Liquidität und Rentabilität Ihres Unternehmens aktuell und in der nächsten Zukunft sind, lässt es sich auch einfacher mit der finanzierenden Bank sprechen. Anhand vorliegender Auswertungen und Planungen lassen sich die eigenen Interessen gegenüber einem Dritten gut vermitteln. Ggf. kommt in dieser Zeit auch mal ein Spezialinstitut mit Leasing oder Factoring als Geschäftspartner in Frage.
Die Bürgschaftsbank Brandenburg mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) bieten mit ihrem  Finanzierungsportal für den Mittelstand die kostenlose Möglichkeit, eine Finanzierungsanfrage im Rahmen der Restrukturierung des Unternehmens ohne Einbindung einer Geschäftsbank zu stellen.
Schließlich wäre es auch eine Überlegung, durch Verkauf nicht benötigter Anlagegüter und Umlaufvermögen wie zum Beispiel Waren-/Rohstofflager des Unternehmens wichtige Liquidität für die Übergangsphase bis zum Ende der Pandemie zu schaffen. Doch nicht nur die Bank ist ein wichtiger Partner zur Verbesserung der Liquidität.
Sprechen Sie mit Ihrem Versicherer über die versicherbaren Risiken Ihres Unternehmens. Die Anpassung der bestehenden Policen an die aktuelle Lage des Unternehmens kann unmittelbar oder mittelbar Liquidität schonen.

Erstattung von Rundfunkbeiträgen und GEMA

Kosten sparen können Unternehmen, die von der behördlich angeordneten Schließung direkt betroffen sind. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine rückwirkende Freistellung von der Rundfunkbeitragspflicht über ein entsprechendes Formular beantragt werden. Hinweise zu den Bedingungen und ein Antragsformular veröffentlicht der Beitragsservice. Auch die Erstattung der Lizenzkosten für GEMA-Kunden für den Zeitraum der Schließung ist möglich. Voraussetzungen und Antragsmodalitäten werden in den allgemeinen Informationen und FAQs beschrieben.

Existenzsicherung für (Solo-)Selbständige und Künstler

Wenn die Regelungen für das Kurzarbeitergeld nicht greifen und aktuelle Soforthilfeprogramme nur die Betriebsausgaben decken, kann die Existenzsicherung jedoch über Leistungen nach dem SGB II erfolgen. Dabei können ALGII-Empfänger weiterhin selbständig tätig sein. Um möglichen „Hemmschwellen“ bei der Antragstellung entgegenzuwirken und notwendige Informationen zu geben, wurde durch die Agentur für Arbeit bzw. Jobcenter ein gesonderter telefonischer Zugang unter 0800 – 4 5555 21 eingerichtet.
Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 08.00 bis 18.00 Uhr erreichbar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hotline nehmen sich speziell den Unsicherheiten und Vorbehalten der Anruferinnen und Anrufer an. Wichtige Fragen zur Antragstellung und zur Fristenwahrung, Kostenübernahme bei privater Krankenversicherung, Zuständigkeitsinformation für die tatsächliche Antragsbearbeitung und weitere werden beantwortet.
Verbessert sind auch die Möglichkeiten für (Solo-)Selbständige. Die Höhe anrechnungsfreier Rücklagen (Altersvorsorge) wurde angepasst. Betriebsvermögen wird ebenso nicht angerechnet, wenn es zur Fortsetzung der Selbständigkeit dient. Bei Leistungsansprüchen wird keine Vermittlung in eine andere Tätigkeit angestrebt, wenn es nicht selbst gewünscht ist. 

Freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versicherte Unternehmer

Vorrübergehende Sonderregelungen in der Beitragspflicht bestehen für Unternehmer, die freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Wenn die wöchentliche Arbeitszeit durch die Einschränkungen unter 15 Stunden sinkt, ist der Anspruch auf Arbeitslosengeld zu prüfen. Hinweise zum Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag finden Sie hier.

Verdienstausfallentschädigung nach IfSG

Verdienstausfallentschädigung nach dem IfSG bekommen Selbstständige, wenn z.B. Quarantäne verhängt wurde oder sie ihre Kinder wegen Schul- und Kitaschließungen zu Hause betreuen müssen. Die richtet sich anteilig nach dem Gewinn, der im Steuerbescheid für das letzte Kalenderjahr festgestellt wurde. Für die Betreuung von Kindern wird eine Entschädigung von 67 % gewährt, im Übrigen von 100 %. Arbeitgeber müssen den Verdienstausfall für Arbeitnehmer verauslagen und können dafür eine Erstattung beantragen.
Weitere Informationen zu Voraussetzungen der Erstattung und Antragstellung finden Sie auf der Internetpräsentation des LASV Brandenburg. Anträge können ausschließlich online gestellt werden.

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des GKV-Spitzenverbandes unter dem Stichwort Sozialversicherungsbeiträge. 
Die Möglichkeit einer Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen ist in § 76 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 SGB IV geregelt. Danach dürfen Ansprüche auf den Gesamtsozialversicherungsbeitrag dann gestundet werden, wenn die sofortige Einziehung mit erheblichen Härten für das Unternehmen verbunden wäre und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet wird. Eine erhebliche Härte für das Unternehmen ist gegeben, wenn es sich aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse vorübergehend in ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten befindet oder im Falle der sofortigen Einziehung der fälligen Sozialversicherungsabgaben in diese geraten würde. Eine Stundung darf allerdings nicht gewährt werden, wenn eine Gefährdung des Anspruchs eintreten würde. Das ist der Fall, wenn die Zahlungsschwierigkeiten nicht nur vorübergehend sind oder eine Überschuldung in absehbarer Zeit offensichtlich nicht abgebaut werden kann.
Über den Stundungsantrag entscheidet die Krankenkasse als zuständige Einzugsstelle nach pflichtgemäßem Ermessen. Bitte wenden Sie sich direkt an Ihre Krankenkasse. Die Antragstellung sollte so schnell wie möglich erfolgen.

Stundung von Steuern

Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer können in wirtschaftlich schwierigen Lagen gestundet werden, sodass sie erst zu einem späteren Zeitpunkt zu zahlen sind. Vorauszahlungen der Gewerbesteuer können auf Null reduziert werden.

Antrag auf Herabsetzung des Gewerbesteuermessbetrags

Nach § 19 Abs. 3 Satz 3 GewStG kann auch das Finanzamt bei Kenntnis veränderter Verhältnisse hinsichtlich des Gewerbeertrags für den laufenden Erhebungszeitraum die Anpassung der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen veranlassen. Das gilt insbesondere für die Fälle, in denen das Finanzamt Einkommensteuer- und Körperschaftsteuervorauszahlungen anpasst (R 19.2 Abs. 1 Satz 5 GewStR). Nimmt das Finanzamt eine Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrages für Zwecke der Vorauszahlungen vor, ist die betreffende Gemeinde hieran bei der Festsetzung ihrer Gewerbesteuer-Vorauszahlungen gebunden (§ 19 Abs. 3 Satz 4 GewStG).

Vorläufiger Verlustrücktrag


Neue Regelungen lösen BMF-Schreiben vom 24.04.2020 ab
Bereits mit  BMF-Schreiben vom 24.04.2020 wurde von Verwaltungsseite die Möglichkeit der Berücksichtigung eines pauschalen Verlustrücktrags eingeräumt. Das BMF-Schreiben vom 24.04.2020 (IV C 8 – S 2225/20/10003:010) wurde als eine Corona-Sofortmaßnahme eingeführt und sollte zur Erleichterung von Steuerpflichtigen dienen, die Gewinneinkünfte und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen. Berechtigt zu einem Antrag waren einkommensteuer- oder körperschaftsteuerpflichtige Personen, die im VZ 2020 Gewinneinkünfte oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielten und von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffen sind. Diese Annahme wurde dann als gegeben angesehen, wenn die Vorauszahlungen des Steuerpflichtigen für den VZ 2020 bereits auf null Euro herabgesetzt wurden oder für den VZ 2020 aufgrund der Corona-Krise eine nicht unerhebliche negative Summe der Einkünfte erwartet wird. Bei Antragsstellung und Erfüllung der Voraussetzungen betrug der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 15% des Saldos der maßgeblichen Gewinneinkünfte und/oder der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, welche der Festsetzung der Vorauszahlungen für 2019 zugrunde gelegt wurden. Bis zu einem Betrag von 1 Million Euro beziehungsweise 2 Millionen Euro bei Zusammenveranlagung war dieser abzuziehen.

FAQ zu Steuerentlastungen Corona

Zur Entlastung der von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich betroffenen Steuerpflichtigen haben das Bundesministerium der Finanzen und die obersten Finanzbehörden der Länder verschiedene steuerliche Erleichterungen beschlossen. Ziel ist es, die Liquidität bei Unternehmen zu sichern und zu verbessern, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Alles wissenswerte dazu in den FAQs.

Kredite und Bürgschaften

Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar von der Corona-Pandemie betroffen sind, werden unter anderem von der KfW verschiedene Kredite angeboten. Für Anschaffungen und laufende Kosten können kleine bis mittlere Unternehmen mit dem KfW-Schnellkredit 2020 bei 100 Prozent Haftungsfreistellung für den Finanzierungspartner mit einer raschen Liquiditätshilfe unterstützt werden. Der neue KfW-Schnellkredit ergänzt das bereits bestehende KfW-Sonderprogramm 2020 und die bereits bestehende Soforthilfe für Unternehmen bis zehn Beschäftigte.
Das Finanz- und Wirtschaftsministerium und die Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH teilten mit, der Höchstbetrag für eine Bürgschaft von bislang 1,25 Millionen Euro werde auf 2,5 Millionen Euro verdoppelt. Die Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH sichert mit Bürgschaften Kredite an mittelständische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, an Betriebe des Gartenbaus und an Angehörige freier Berufe in Brandenburg. Dabei wird sie vom Land Brandenburg und dem Bund durch die Übernahme von Rückbürgschaften unterstützt. Mit der beschlossenen Programmerweiterung soll die Liquidität von Unternehmen im Land Brandenburg in der Phase der Corona-Pandemie unterstützt werden.
Der zeitliche Geltungsbereich der Programmerweiterung endet voraussichtlich am 31. Dezember 2020.
Ansprechpartner
bei der Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH: Karsten Kolbe (kolbe@bb-br.de; 0331/649 63 30)