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Bauberufe werden neu geordnet
Zum 1. August 2026 wird die Ausbildung in 19 Bauberufen neu geregelt. Unter anderem werden künftig digitale Arbeitsprozesse, der Umgang mit modernen Maschinen sowie der Einsatz neuer Baustoffe verbindlich Bestandteil der Ausbildung. Wir haben nachgefragt, wo Betriebe Vorteile sehen und wie sie die Änderungen umsetzen.
LINGEN | Ein Unternehmen, das sich an die Neuordnung anpassen muss, ist die Mainka Bau GmbH & Co. KG aus Lingen. Dort ist Carolin Sulmann als Ausbilderin tätig. Sie sagt: „Themen wie die digitale Vermessung, automatisierte Bauverfahren und neue Materialien nehmen jetzt mehr Raum ein als bisher. Wir stellen daher aktuell unsere Ausbildungspläne um. Gleichzeitig helfen die modernisierten Inhalte dabei, junge Fachkräfte gezielter auf die Anforderungen heutiger Baustellen vorzubereiten.“
Sieht die praktischen Vorteile der modernisierten Bauberufe: Die Ausbilderin Carolin Sulmann (Mainka Bau)
Hintergrund: Ist insbesondere die Digitalisierung
Hintergrund der Änderungen sind konkrete Entwicklungen im Bauwesen: Auf Baustellen werden zunehmend digitale Baupläne genutzt, Maschinen arbeiten automatisierter, und andere Materialien kommen zum Einsatz. Außerdem wird in der Ausbildung stärker vermittelt, wie energieeffizient gebaut wird und welche Maßnahmen für Klimaschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz konkret erforderlich sind. „Die neuen Ausbildungsstrukturen machen all dies transparenter“, sagt Carolin Sulmann, „und sie bieten bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Auszubildende.“ Positive Effekte könnte dies auch auf die Nachwuchsgewinnung in der Bauwirtschaft haben: „Denn die neuen Strukturen sind so aufgebaut, dass sie Übergänge erleichtern, wenn es z. B. um Weiterbildungen oder Spezialisierungen geht.“
Anrechnungsmodell statt Stufenausbildung
Neu ist ab August zudem, dass die sogenannte Stufenausbildung durch ein Anrechnungsmodell ersetzt wird. Das bedeutet konkret, dass Auszubildende weiterhin flexibel zwischen zweijährigen und dreijährigen Abschlüssen wechseln können, ihnen bereits erbrachte Leistungen dabei angerechnet werden.
Für Astrid Kappen, Ausbilderin bei Janning Tiefbau GmbH in Twist, ist ein positiver Aspekt dieser: „Weil die Struktur der Berufe überarbeitet wurde, sind einzelne Ausbildungsinhalte besser aufeinander abgestimmt. Auszubildende lernen künftig weniger isolierte Themen kennen, sondern werden Arbeitsabläufe verstehen.“ Auch seien die Anforderungen klarer formuliert: „So wissen Auszubildende und Betriebe, was erwartet wird.“
Die Ausbilderin Astrid Kappen, Janning Tiefbau.
Künftig gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung
Eine zentrale Änderung betrifft die Prüfungen, da in den dreijährigen Berufen die Zwischenprüfung entfällt. Stattdessen gibt es künftig eine gestreckte Abschlussprüfung. Der erste Teil findet dann bereits nach zwei Jahren statt und zählt mit 40 % zur Gesamtnote. Der zweite Teil folgt am Ausbildungsende. „Für uns heißt das, dass wir die Auszubildenden früher gezielt auf prüfungsrelevante Inhalte vorbereiten müssen“, sagt Astrid Kappen. Unverändert wichtig bleibt die überbetriebliche Ausbildung, die ein vergleichbares Qualifikationsangebot sichert. Vermittelt werden Inhalte, die nicht jeder Betrieb selbst abdecken kann. Etwa die Arbeiten mit bestimmten Maschinen.
Dass die Reform Teil einer regelmäßigen Anpassung der betrieblichen Ausbildung ist, sagt IHK-Mitarbeiterin Dr. Maria Deuling auf einer Info-Veranstaltung: „Damit Unternehmen bei den Neuerungen nicht auf sich allein gestellt sind, unterstützt unsere IHK etwa bei der Anpassung von Ausbildungsplänen.“
Über die Neuordnung informieren wir auch online.
Kontakt
Frank Isdepsky
Aus- und Weiterbildung
Ausbildungsberater