Handelsforum 2026
Am 12. Mai 2026 fand das erste gemeinsame Handelsforum unserer IHK mit dem Handels- und Dienstleistungsverband Osnabrück-Emsland (HDV) statt. Unter dem Motto "Zukunft erfolgreich gestalten" stellten erfolgreiche Unternehmer ihre Strategien vor, mit denen sie ihre Betriebe fit für die Zukunft machen. Schlüsselfaktoren dabei sind die digitale Reichweite, emotionale Kundenerlebnisse und eine verstärkte Zusammenarbeit.
Der Handel befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – und doch war die zentrale Botschaft des ersten Handelsforums von IHK und Handels- und Dienstleistungsverband Osnabrück-Emsland (HDV) klar: Die Branche hat Zukunft, wenn sie aktiv gestaltet wird. Erfolgreicher Handel entsteht heute aus der Verbindung von Reichweite, Erlebnis und Zusammenarbeit. Sichtbare Marken, emotionale Kundenerlebnisse, motivierte Mitarbeiter und mutige Unternehmerpersönlichkeiten bilden dabei die Grundlage.
IHK-Vizepräsident Mark Rauschen betonte in seiner Eröffnung die Rolle der Unternehmer als Impulsgeber: Es brauche Tatkraft, Leidenschaft und unternehmerische Freiheit, um neue Wege zu gehen. Gleichzeitig werde der Austausch untereinander immer wichtiger. Innenstädte seien kein Ort des Wettbewerbs Einzelner, sondern das Zentrum, das Lebens- und Aufenthaltsqualität bieten müsse. Auch Tobias Schonebeck, Präsident des HDV, unterstrich die strategische Dimension: Der Handel entwickele sich vom Versorger hin zum Erlebnisanbieter. Angesichts der hohen Dynamik sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um ins Machen zu kommen und die Zukunft der Standorte aktiv mitzugestalten.
Ein realistisches Bild der aktuellen Rahmenbedingungen zeichnete Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Er machte deutlich, dass insbesondere kleine und mittelständische Händler unter der Nachfrageschwäche leiden. Gleichzeitig erhöhen neue Wettbewerber und steigende Kosten den wirtschaftlichen Druck. Dennoch bleibe der Handel eine stabile Branche mit konstanten Gründungszahlen – getragen von engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern vor Ort.
Wie Transformation konkret gelingen kann, zeigten mehrere Praxisbeispiele erfolgreicher Unternehmer mit Mut, Leidenschaft und Visionen eindrucksvoll. Thomas Zumnorde verdeutlichte, wie entscheidend Reichweite heute ist. Früher habe man sich die Frequenz durch Standorte in 1A-Lagen erkauft. Heute generiert das Unternehmen seine Frequenz eher durch eine engere Kooperation mit Modehäusers und Shop-in-Shop-Lösungen. Auch die Online-Sichtbarkeit sei wichtig. Da sich unter den Zumnorde-Followern auch viele Händler befinden, seien deren Social-Media-Kanäle auch für die Hersteller eine wertvolle Plattform für Produktkampagnen geworden.
Nadine Zechlin, Betreiberin von zwei Modeboutiquen in Brandenburg, stellte ihre Philosophie vor. Sie verkauft nicht primär Produkte, sondern Emotionen. Die Kundinnen sollen sich eher als Gäste und Freundinnen fühlen. Für sie entscheiden persönliche Ansprache, Atmosphäre und authentische Erlebnisse über den Erfolg. Sehr erfolgreich nutzt sie auch WhatsApp als Vertriebskanal. Mehr als 8.000 „Rebellinnen“ folgen ihr dort.
Ingo Kretzschmar (Thalia) zeigte, wie sich Geschäftsmodelle durch Omnichannel-Strategien, neue Sortimentswelten und Kooperationen weiterentwickeln lassen. Sein Credo: Dinge ausprobieren und den Wandel aktiv gestalten. Ein weiteres erfolgreiches Handelsunternehmen präsentierten die Brüder Jost und Merten Hannemann, die ein kleines Rasurfachgeschäft in Lübeck übernommen haben. Durch eine klare Positionierung, die Entwicklung einer Eigenmarke und eine starke Social-Media-Präsenz konnten sie den Betrieb zu einer erfolgreichen Marke mit überregionaler Wahrnehmung entwickeln – mit wachsender Reichweite und überregionaler Anziehungskraft.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der Handel sich kontinuierlich neu erfinden muss. Kundennähe, Beratung und Erlebnis bleiben zentrale Erfolgsfaktoren, auch im digitalen Zeitalter. Technologien wie Künstliche Intelligenz eröffnen zusätzliche Chancen, ersetzen jedoch nicht den persönlichen Kontakt. Gleichzeitig wurde die Bedeutung guter Rahmenbedingungen hervorgehoben: Weniger Bürokratie und mehr Freiräume sind notwendig, damit Unternehmen Zeit für Innovation und strategische Weiterentwicklung haben. Carla Gundlach, Vorsitzende des IHK-Fachausschusses Handel, brachte es auf den Punkt: Handel müsse vor allem Problemlöser sein und dabei die Freude am Gestalten nicht verlieren. Dabei sei die Größe des Unternehmens nicht entscheidend.
Fazit: Der Handel steht vor großen Herausforderungen, aber ebenso vor großen Chancen. Erfolgreich wird sein, wer Erlebnisse schafft, Reichweite gezielt nutzt und Kooperationen sowohl innerhalb der Branche als auch am Standort stärkt. Oder anders formuliert: weniger Routine und mehr Mut zum Ausprobieren.