IHK-Konjunkturumfrage: Handel unzufrieden mit dem vierten Quartal 2025

Schwache Binnennachfrage macht den Unternehmen zu schaffen

07/2026 vom 16. Januar 2026
Die Stimmung im Oldenburger Land hat im vierten Quartal 2025 erneut nachgelassen. Das hat eine Stichprobe der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) unter ihren Mitgliedsunternehmen ergeben. Der IHK-Konjunkturklimaindex fällt um 1,2 Zähler auf 93,5 Punkte (Vorjahr: 89,9 Punkte). Eine schwache Binnennachfrage sowie gestiegene Kosten machen den Unternehmen zu schaffen.
„Insbesondere im Einzelhandel hat sich die Stimmung eingetrübt“, sagt Björn Schaeper, IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik. Steigende Arbeitslosenzahlen und die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust haben den Konsum gerade in der umsatzstärksten Zeit des Jahres gebremst. Zusätzlich haben Rabattaktionen in der Vorweihnachtszeit die Ertragslage deutlich belastet, so Schaeper. Ebenfalls unzufrieden sind große Teile des Großhandels, vor allem der Binnengroßhandel. Hier bewertet jedes zweite Unternehmen die Lage als schlecht, nur acht Prozent als gut. Der Im- und Exportgroßhandel zeigt sich hingegen zufrieden.
Die Industrie sowie das Transport- und Logistikgewerbe berichten von einem etwa schwächeren Geschäft im Vergleich zum Vorquartal. Das Gros der Unternehmen dieser Branchen beurteilt die Situation aber als zufriedenstellend. Baugewerbe und Dienstleister melden einen guten Verlauf des vierten Quartals.
„Die Unternehmen erwarten für die kommenden Monate keine durchgreifende Belebung der Konjunktur“, so der IHK-Geschäftsführer. Jedes dritte Unternehmen erwarte eine ungünstigere Lage, nur knapp 16 Prozent eine günstigere Lage als derzeit. Ein Risiko bleibe die schwache Binnennachfrage. Daher sind insbesondere Einzelhandel, Großhandel und das Transportgewerbe für die nächsten Monate skeptisch.
Auch die Industrie rechnet nicht mit einer grundlegenden Besserung. Immerhin erwartet sie eine leichte Belebung des Exportgeschäftes, nachdem im Handelskonflikt mit den USA eine relative Ruhe eingekehrt ist.
„Der wirtschaftliche Aufschwung ist noch nicht in Sicht“, sagt Schaeper. Verbesserte Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Schaffen würden den Unternehmen viel mehr helfen als angekündigte Ausgabenprogramme. Nur dann werden Unternehmen bereit sein, in den Standort Deutschland zu investieren, so Schaeper.
Branchenergebnisse
Die Industrieunternehmen melden wie schon im Vorquartal einen Rückgang der inländischen Auftragseingänge. Dieser Rückgang konnte durch einen anziehenden Ordereingang aus dem Ausland kompensiert werden. Viele Unternehmen erwarten auch für die kommenden Monate ein erhöhtes Exportgeschäft. Die Ertragslage bleibt angesichts hoher Kosten schwierig.
Die Bauindustrie ist mit dem Verlauf des vierten Quartals sehr zufrieden. Fast 60 Prozent der Befragten geben eine Auftragsreichweite von vier oder mehr Monaten an, 36 Prozent eine Reichweite von zwei bis drei Monaten. Allerdings sind die Auftragseingänge im Hoch- sowie Tiefbau gefallen. Der Hochbau rechnet deshalb mit einem schwierigen Jahresstart, Tiefbau sowie sonstiges Baugewerbe mit einem eher zufrieden stellenden Verlauf.
Nach drei Quartalen mit einer schrittweisen Stimmungsaufhellung im Einzelhandel hat sich das Bild im Schlussquartal 2025 deutlich eingetrübt. Das Weihnachtsgeschäft blieb auch in unserer Region hinter den Erwartungen zurück – die große Mehrheit der Befragten berichtet von rückläufigen Umsätzen. Der Blick in die Zukunft ist von Pessimismus geprägt.
Die Unternehmen des regionalen Großhandels berichten weiterhin von einer schwierigen Geschäftslage. Zwar ist der Anteil negativer Einschätzungen um fünf Prozentpunkte gesunken, doch meldet nach wie vor fast jeder dritte Großhändler schlechte Geschäfte. Mit Blick auf die zukünftige Konjunkturentwicklung bleiben die Betriebe jedoch pessimistisch. Als zentrale Risiken sehen die Großhändler die schwache Inlandsnachfrage sowie steigende Arbeitskosten.
Die Geschäftslage im Transport- und Logistikgewerbe bleibt angespannt. Zwar beurteilt weiterhin die Mehrheit der Unternehmen ihre aktuelle Situation als befriedigend, doch ist der Anteil negativer Einschätzungen gestiegen. Für das kommende Quartal zeigt sich die Branche weiterhin vorsichtig. Die Belastungsfaktoren bleiben nach wie vor die hohen Arbeitskosten sowie der Fachkräftemangel.
Die Stimmung in der Dienstleistungswirtschaft hat sich im Vergleich zum Vorquartal leicht eingetrübt. Dennoch wird die aktuelle Geschäftslage von vielen Unternehmen weiterhin als zufriedenstellend eingeschätzt. Auffällig ist der deutlich optimistischere Blick nach vorn: Im Vergleich zu den beiden vorherigen Quartalen erwarten die Betriebe künftig spürbar bessere Entwicklungen.
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