IHK-Neujahrsempfang: Aufbruch, digitale Resilienz und neue Denkweisen

02/2026 vom 7. Januar 2026
Rund 800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft folgten am Dienstag der Einladung zum IHK-Neujahrsempfang in den Weser-Ems-Hallen Oldenburg. Der Abend stand unter dem Motto „Sicherheit und Wirtschaft“.
„Investieren statt abwarten“
„2026 brauchen wir einen Aufbruch“, forderte IHK-Präsident Jan Müller zum Auftakt. „Mein Appell an die Unternehmerrinnen und Unternehmer unseres Kammerbezirks: Investieren statt abwarten, kooperieren statt abschotten, Verantwortung übernehmen. Wirtschaftliche Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille. Investieren Sie in Innovationen, binden Sie Startups ein, stärken Sie die Ausbildungs- und Fachkräfte-Ökosysteme, gestalten Sie Standortpolitik mit.“ Politik und Verwaltung müssten ihrerseits Beschleunigung und Deregulierung vorantreiben.
„Digitale Resilienz“
„Sicherheit ist Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität“, sagte die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) in ihrer Festrede. Die Digitalisierung beflügele zwar die Wirtschaft. Sie werde aber gleichzeitig für gezielte strategische Angriffe genutzt, etwa von russischer und chinesischer Seite. Behrens sprach von einem „hybriden Krieg“ durch Cyberattacken, Sabotage, Desinformationskampagnen, Spionage oder Drohnen. Ziel sei es, Unternehmen und Gesellschaft zu verunsichern. Die Ministerin ermunterte vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, deutlich mehr in den Schutz vor Cyberangriffen zu investieren. „Datenverlust ist deutlich teurer als Prävention.“ Das Land verstehe sich dabei als Unterstützer und habe den Wirtschaftsschutz in den letzten Monaten ausgebaut. Gestärkt werden müsse gleichzeitig die digitale Resilienz der Landesverwaltungen, Kommunen und Sicherheitsbehörden. „Innere und äußere Sicherheit muss viel mehr miteinander gedacht werden.“
„Nicht klein beigeben“
Auf einem von Jan Müller moderierten Podium diskutierten anschließend die CDU-Europaabgeordnete Lena Düpont, Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla (Vorstandsvorsitzende Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR) und Hans-Lothar Domröse (General a.D.) über militärische wie zivile Sicherheitsaspekte.
„Es ist klug und richtig, dass wir in Abschreckung investieren“, sagte Domröse mit Blick auf die Nato. „Vom Satelliten bis zum Fallschirmspringer: alles muss funktionieren.“ Daniela Behrens warb dafür, sich nicht mit der Frage nach Zuständigkeiten aufzuhalten. „Die Frage ist jetzt: Wie schützen wir unsere kritische Infrastruktur? Da muss ganz viel passieren, damit wir nicht nur beschreiben, sondern auch handeln.“ „Wir sind ein Volk von Schissern. Die hybride Lage werden wir nicht mit Formularen erledigen können“, ergänzte Lena Düpont und appellierte dafür die Bürokratie abzubauen. In Sachen Krisenvorsorge sei Finnland ein gutes „Role-Model“. Auch hierzulande sei wirtschaftlich wie gesellschaftlich eine Denkweise im Sinne von „Wir werden nicht klein beigeben“ nötig.
Anke Kaysser-Pyzalla verwies auf die verwundbare „Infrastruktur im All. Viel hängt davon ab, aber sie ist ungeschützt.“ Entscheidend sei, sie im Bedarfsfall schnell zu ersetzen, etwa indem Satelliten schnell in den Weltraum gebracht werden könnten. „Es ist unglaublich wichtig, Tempo aufzunehmen.“ Das DLR sei neben der Raumfahrt sehr aktiv in der Sicherheits- und Verteidigungsforschung. Etwa in puncto Aufklärung, Drohnen, Hafensicherheit, Hyperschallwaffen oder Navigations- und Kommunikationssicherheit. „Wir arbeiten eng mit der Bundeswehr zusammen.“
Jan Müller sieht Chancen für die Unternehmen im Oldenburger Land durch die zahlreichen Verteidigungsinvestitionen, etwa am Marinestandort Wilhelmshaven. Die hohen Vergabehürden bremsten sie jedoch häufig aus. „Das hat auch was mit nicht vorhandener Geschwindigkeit zu tun.“ Domröse warb dafür, die Wert-Grenzen für Vergabeverfahren deutlich anzuheben, um beispielsweise nicht europaweit ausschreiben zu müssen.
Einig war sich das gesamte Podium, dass nicht 2029 die Zielmarke ist, sondern dass jetzt gehandelt werden muss.