Konjunkturumfrage 1/22

Ukraine-Krieg lässt Erwartungen einbrechen

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine spiegeln sich deutlich in unserer jüngsten Konjunkturumfrage für das erste Quartal wider: Erneute Lieferengpässe und sich verfestigende hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten die Unternehmen. Die Wirtschaft im Oldenburger Land schraubt die geschäftlichen Erwartungen folglich deutlich herunter.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, das wirtschaftliche Stimmungsbarometer unserer Region, fällt gegenüber dem Vorquartal um fast 30 auf 75,3 Punkte (Vorquartal: 105,1 Punkte). Der Index bewegt sich damit auf dem Niveau zur Zeit der Finanzkrise im Jahr 2009. An der IHK-Umfrage haben sich 257 Firmen beteiligt.
Während der Stimmungseinbruch auf die Geschäftserwartungen zurückzuführen ist, wird die aktuelle Geschäftslage laut Umfrage weiterhin überwiegend positiv bewertet. 

Risiko: Hohe Energie- und Rohstoffpreise 

57 Prozent der befragten Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine ungünstigere Geschäftsentwicklung, nur sieben Prozent eine bessere. Im Vorquartal überwogen die negativen Stimmen nur leicht.
Ein Grund für die Einschätzung der Unternehmen ist, dass die Energiepreise nun längerfristig erhöht sein dürften. 84 Prozent der Befragten geben die erhöhten Preise als Geschäftsrisiko an. Zusätzlich stören neue Engpässe bei wichtigen Rohstoffen aus Russland und der Ukraine die Planungs- und Produktionsabläufe. Zudem droht eine Sanktionsspirale.
Damit nicht genug: Hinzu kommen immer neue Lockdowns in China, die die globalen Lieferketten durcheinanderbringen. Der Export leidet unter diesen Störungen. Fast 40 Prozent der befragten Firmen gehen von rückläufigen Ausfuhren aus, nur 14 Prozent erwarten Zuwächse.
Angesichts dieser massiven Unsicherheiten halten sich die Unternehmen vorerst mit Investitionen zurück. Das gilt auch für weitere Personaleinstellungen.

Geschäftslage noch stabil – Ausblick unklar

Die aktuelle Geschäftslage ist hingegen weiter stabil. Ein Drittel der befragten Betriebe beurteilt die Lage als gut, für 52 Prozent ist sie befriedigend. Das gelte für alle Branchen mit Ausnahme des Einzelhandels. Hier überwiegen leicht die negativen Meldungen. Gastgewerbe und Dienstleistungen profitieren von den kürzlich zurückgenommenen Kontaktbeschränkungen.
Der Ausblick ist nicht eindeutig. Einerseits hängen die wirtschaftlichen Auswirkungen von der Dauer des Krieges und von möglichen weiteren Sanktionen ab. Auch die Probleme Chinas mit der Pandemiebekämpfung nehmen den Schwung aus der zuvor erhofften kräftigen Erholung. Andererseits gibt es nach dem Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen noch beachtliches Erholungspotential bei den Dienstleistern, im Gastgewerbe und im Einzelhandel.  

Branchenergebnisse

Die Auftragseingänge in der Industrie sind insgesamt stabil geblieben. Einem leichten Zuwachs aus dem Inland steht ein deutlicher Rückgang der Auslandsorder gegenüber. Für die kommenden Monate rechnet über ein Drittel der Befragten mit weiteren Einbußen im Exportgeschäft, nur 13 Prozent mit Zuwächsen.
Die Auftragslage im Baugewerbe ist weiterhin gut. Die Auftragsreichweite beträgt bei drei Viertel der Befragten vier oder mehr Monate, bei nur acht Prozent einen Monat. Stark steigende Baustoffpreise, fehlende Arbeitskräfte und steigende Zinsen für Baukredite trüben den Ausblick.
Die Stimmung im Einzelhandel hat sich im Vergleich zum letzten Quartal deutlich abgekühlt. Auch der Blick auf die zukünftige Geschäftslage bereitet der großen Mehrheit der Einzelhändler Sorgen. Als größte Risiken werden die gestörten Lieferketten und die hohe Inflation genannt.
Die Geschäftslage im Großhandel hat stark nachgelassen: Im Beschaffungsmarkt ist es zu starken Preiserhöhungen gekommen. Besonders der Im- und Export ist betroffen: Hier berichten einige Großhändler erwartungsgemäß, dass die Geschäfte mit Russland und der Ukraine komplett ausfallen sind. 
Das Verkehrs- und Logistikgewerbe bewertet die Geschäftslage und das Umsatzvolumen im ersten Quartal positiv. Die Aussichten für das zweite Quartal trüben sich jedoch deutlich ein. Die stark steigenden Rohstoffpreise können nur teilweise und zeitversetzt an die Kunden weitergegeben werden.
Nachdem die regionalen Dienstleistungsunternehmen das Jahr 2021 positiv abgeschlossen haben, sinkt im ersten Quartal auch in dieser Branche die Stimmung. Hohe Energiepreise treiben bei den Dienstleistern die Kosten in die Höhe, Lieferkettenverzögerungen erschweren auch hier das Geschäft. 
 
Die vorliegende Konjunkturumfrage wurde von Ende März bis Anfang April 2022 durchgeführt. Es sind die Antworten von 257 Unternehmen eingeflossen. Die Antworten verteilen sich auf Industrie (24%), Baugewerbe (9%), Handel (33%), Verkehrsgewerbe (9%), Gastgewerbe (4%), Kreditinstitute (2%) und Dienstleistungsgewerbe (19%). Die Antworten werden nach der Beschäftigungs- und Umsatzgrößenklasse der Unternehmen gewichtet.