Wirtschaftsspiegel
Nr. 7095786
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Team beim Brainstorming
Praxis & Ratgeber

KI-Agenten im Unternehmenseinsatz

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen angekommen. Sie schreibt Texte, fasst Dokumente zusammen, hilft bei Recherchen. Hendrik Adam sagt: Das ist erst der Anfang.
In seinem Vortrag vor der IHK-Vollversammlung am 11. Juni sprach der Geschäftsführer der DIA Digital Consulting GmbH aus Wetzlar und Mitglied der Vollversammlung der IHK Lahn-Dill über das Thema „Agentic Enterprise“, also über Unternehmen, in denen KI-Agenten Kundentermine vorbereiten, Tickets bearbeiten oder Bewerbungen vorsortieren.
Entscheidend sei, wie Unternehmen Wissen, Entscheidungswege und Verantwortlichkeiten so ordnen, dass KI sinnvoll eingebunden werden kann. Nicht als KI-Tool, das auf eine einzelne Frage antwortet, sondern als KI-Agent. „KI-Agenten eignen sich vor allem für Arbeiten, die Zeit kosten und selten überraschen: Anfragen vorsortieren, Unterlagen prüfen, Berichte erstellen, Termine vorbereiten“, so Adam. Sie verbinden Arbeitsschritte. Automatisiert. Mit dem Menschen als Kontrollinstanz.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigte Adam an einem Beispiel aus dem Vertrieb eines Händlers. „Zwei Tage in der Woche waren die Vertriebler bei potenziellen Kunden. Drei Tage verbrachten sie mit dem Schreiben von Berichten“, berichtet er. „Zu wenig Zeit beim Kunden, zu viel Zeit mit Papierarbeit.“ Ein KI-Agent konnte dort helfen. Heute sind die Vertriebler fünf Tage die Woche im Kundenkontakt. Die Berichte erzeugt der Agent. „Der Nutzen von Agenten ist nicht die Technik selbst, sondern das Mehr an Zeit für das, was Menschen besser können: mit Kunden sprechen, Vertrauen aufbauen, Entscheidungen erklären.“, so Adam.

Nicht der Prozess zählt, sondern die Entscheidung

Dafür brauchen Agenten mehr als reine Daten. Sie brauchen Kontext: Wie funktioniert das Unternehmen? Welche Regeln gelten? Wer entscheidet was? Welche Informationen zählen? Welche Ausnahmefälle gibt es?
Genau hier stoßen viele Betriebe auf ein Problem. Nicht schlechte Daten seien die größte Hürde, sagte Adam. Kritischer sei das Wissen in den Köpfen der Menschen. „Viele Abläufe stehen nirgends vollständig beschrieben. Neue Mitarbeiter lernen sie, weil erfahrene Kolleginnen und Kollegen sie einarbeiten. Für Agenten reicht das nicht“, sagt er.

Kontext wird zum Wettbewerbsvorteil

Wer seine Unternehmenswelt gut beschreibt, gibt Agenten eine Grundlage, auf der sie arbeiten können. Wer KI weiterhin als einzelnes Werkzeug nutzt und nicht in den Prozess einbaut, schafft keinen Wettbewerbsvorteil. „Dann sind alle ein bisschen schneller, aber nicht unbedingt besser“, so Adam.
Für den Mittelstand ist das eine wichtige Botschaft. Der Einstieg muss nicht mit einem Großprojekt beginnen. In der Fragerunde riet Adam dazu, repetitive Arbeiten im Unternehmen zu suchen. Dort lasse sich oft mit kleinen Anwendungen starten: Anfragen vorsortieren, Informationen bündeln, Standardkommunikation vorbereiten, einfache Abläufe entlasten.

Vertrauen entsteht Schritt für Schritt

Doch Agenten brauchen Vertrauen. Adam: „Wer einen Praktikanten einstellt, gibt ihm am ersten Tag doch auch keine Verantwortung. Erst wenn die Ergebnisse stimmen, gibt es Handlungsspielraum.“ Ähnlich sollten Unternehmen KI-Agenten aufbauen.
Für den Start empfiehlt der Experte kleine Projekte: „Dinge, die jeden Tag gemacht werden, Zeit und Nerven kosten“. Doch Adam betont: „KI ist kein IT-Projekt.“ Sie verändert die Organisation. Adam beschreibt eine Verschiebung der Arbeitsrollen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Beschäftigte werden künftig nicht mehr nur Aufgaben ausführen. Sie steuern KI-Agenten, prüfen Ergebnisse und tragen Verantwortung.“
Spätestens dann wird KI zur Führungsfrage. Wer Agenten einsetzt, muss mehr klären als die passende Software. Unternehmen müssen festlegen, was ein Agent darf, welche Daten er nutzen kann, wann ein Mensch eingreift und wer am Ende haftet. Führung heißt dann weniger, einzelne Arbeitsschritte zu kontrollieren. „Führung heißt, Systeme so zu bauen, dass gute Entscheidungen entstehen“, erklärt Adam.
Der Einstieg beginnt deshalb nicht mit dem neuesten Tool. Er beginnt auf dem Schreibtisch: bei den Aufgaben, die jeden Tag Zeit fressen, immer ähnlich laufen und trotzdem Menschen binden. Dort, zwischen Kundenmail, Bericht und Freigabe, zeigt sich, ob KI nur hilft, oder ob sie ein Unternehmen wirklich verändert.