Mittelstand warnt vor geplanter Reform der Erbschaftsteuer. Investitionsstandort Deutschland in Gefahr

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald blickt mit großer Sorge auf die von der SPD vorgeschlagenen Änderungen der Erbschaftsteuer. Nach Einschätzung der regionalen Wirtschaft würden die vorgesehenen Regelungen zu einer drastischen Mehrbelastung bei der Übertragung von Betriebsvermögen führen. Besonders betroffen wären Familien- und eigentümergeführte Unternehmen – das Rückgrat der deutschen Wirtschaftsstruktur.
Pforzheim, 16.01.2026. Kritik äußert der Mittelstand insbesondere am geplanten Freibetrag von 5 Millionen Euro. Dieser ist deutlich zu niedrig bemessen und wird in der Praxis bereits durch die Übertragung von Gewerbegrundstücken, Produktionsanlagen oder Fuhrparks schnell überschritten. Eine realitätsnahe Anpassung, die die Vermögens- und Investitionsstrukturen mittelständischer Betriebe berücksichtigt, ist aus Sicht der IHK Nordschwarzwald daher dringend erforderlich.
Zudem weist die IHK Nordschwarzwald darauf hin, dass die Vorschläge die geltende höchstrichterliche Rechtsprechung ignorieren, die Ausnahmen für Betriebsvermögen ausdrücklich als gerechtfertigt ansieht. Diese Regelungen seien essenziell, um Arbeitsplätze zu sichern, Innovationskraft zu fördern und die Fortführung mittelständischer Unternehmen zu ermöglichen. Eine harte Reform könnte viele Familienbetriebe zum Verkauf zwingen. Kapital, das dann zur Steuer abgeführt werden müsste, fehle dann für Zukunftsinvestitionen und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Für die Unternehmen in der Region schafft die aktuelle politische Debatte zusätzliche Unsicherheiten. Viele Betriebe befinden sich in Transformationsprozessen und benötigen stabile Rahmenbedingungen, um Investitionen zu planen und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Vor diesem Hintergrund bewertet die IHK Nordschwarzwald die aktuelle Diskussion über verschärfte steuerliche Belastungen als kontraproduktiv. Spekulationen schaffen Unsicherheit. Unternehmen brauchen jetzt Verlässlichkeit und Planungssicherheit.
IHK-Präsidentin Claudia Gläser bringt die Sorge der Unternehmen klar zum Ausdruck: „Die vorliegenden Pläne zeigen: Teile der Bundesregierung scheinen die prekäre Lage vieler mittelständischer Unternehmen in Deutschland weiterhin zu verkennen.“
Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub warnt eindringlich vor den Folgen: „Wer den Mittelstand belastet, gefährdet nicht nur Unternehmen, sondern auch hunderttausende Arbeitsplätze. Wir brauchen eine Reform mit Augenmaß – nicht eine Politik, die Investitionen unmöglich macht.“
Die IHK Nordschwarzwald appelliert daher an die Bundesregierung, die besondere Bedeutung familiengeführter Unternehmen anzuerkennen und eine Reform der Erbschaftsteuer zu erarbeiten, die Betriebsfortführungen unterstützt, Investitionen stärkt und Arbeitsplätze sichert.