Konjunkturbericht Nordschwarzwald
- Geduld und Zuversicht sind gefragt
- Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Herbst 2025
- Weiterhin bleibt die Hoffnung für das Frühjahr 2026
- Wettbewerbsfähigkeit erfordert zügige Reformen bei den Arbeitskosten
- Zahlen zu den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig
- Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen
Geduld und Zuversicht sind gefragt
Im Frühsommer hieß es noch: „Weiter warten auf den Aufschwung – am Tunnelende schimmert Licht.“ Vier Monate später bleibt die Lage angespannt – doch das Licht am Ende des Tunnels wird heller. Zwar zeigen die jüngsten innenpolitischen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf Bundesebene noch keine unmittelbare Wirkung, die Hoffnung auf Besserung der Wirtschaftsakteure ist aber weiterhin da. Während die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald leicht negativ bewertet wird, sind zumindest die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate wieder positiv – das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald im Herbst 2025.
Etwas über 24 Prozent der befragten Unternehmen nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein Saldo von Minus 0,5 festzustellen ist. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei Minus 10,9.
Nach wie vor liegt der Saldo im negativen Bereich (-8,7), die Mehrheit der Unternehmen bewertet den Auftragseingang also als verschlechternd. Dies ist zwar eine kleine Verschlechterung zur vergangenen Umfrage; der Saldo liegt aber deutlich höher als vor einem Jahr -30,2).
Geschäftserwartung - IHK-Region Nordschwarzwald
„Die Herausforderungen bleiben groß und von Entspannung kann noch keine Rede sein“ , betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Doch viele Unternehmen zeigen bemerkenswerte Zuversicht – und wir stehen an ihrer Seite.“
Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Herbst 2025
Die IHK Nordschwarzwald hat im Herbst rund 300 regionale Unternehmen zur deren wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 24 Prozent davon berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 18 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2024: 53 Prozent). Etwas über 24 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein Saldo von Minus 0,5 festzustellen ist. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei Minus 10,9.
„Wir befinden uns seit nunmehr drei Jahren in einer strukturell angespannten Lage ohne Wachstum. Insofern sind die Werte relativ zu sehen. Einige Unternehmen gaben bereits bei den letzten Erhebungen an, dass die Geschäftslage schlecht oder nur befriedigend sei“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub.
Weiterhin bleibt die Hoffnung für das Frühjahr 2026
„Neben der Geschäftslage blicken wir für die Frage nach dem Aufschwung auf die Auftragseingänge und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Und da müssen wir feststellen: Es heißt weiter warten und frühestens nach dem Jahreswechsel werden sich spürbare Verbesserungen einstellen“, so Traub.
Nur 17 Prozent der Unternehmen sehen derzeit steigende Auftragseingänge, wobei der Wert im Vorjahreszeitraum mit 9 Prozent noch deutlich schlechter war. 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Auftragslage (Herbst 2024: 52 Prozent). 33 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei Minus 16, vor einem Jahr war er bei Minus 30. Hinsichtlich der Investitionen in den nächsten zwölf Monaten erwarten nur zwölf Prozent zunehmende Investitionen, 47 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Investitionsvolumen aus und 16 von einem abnehmenden. Das ergibt einen Saldo von Minus 13 und damit zwei Punkte schlechter als vor einem Jahr, aber neun Punkte besser als bei der letzten Erhebung im Frühsommer 2025.
Positiv stimmen die Geschäftserwartungen: Gut 24 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften aus, 18 von sich verschlechternden – ein Saldo von Plus sechs Prozent, der einem Wert von Minus 11,5 Prozent aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Und das gilt für die Branche der Industrie erst recht: Hier liegt der Saldo im Herbst 2025 bei Plus 10,5 Prozent, vor einem Jahr lag der Wert bei Minus 26 Prozent.
„Die Region Nordschwarzwald ist eine produktionsstarke Wirtschaftsregion. Deshalb stimmen diese Zahlen zuversichtlicher“, so IHK-Präsidentin Gläser.
Wettbewerbsfähigkeit erfordert zügige Reformen bei den Arbeitskosten
„Die weltpolitische Lage bleibt instabil, dass sehen wir auch an den Exportzahlen. Umso wichtiger waren die entschlossenen und die gut sichtbaren Schritte der Bundesregierung zurück aufs europäische beziehungsweise internationale Parkett“, sagt Tanja Traub.
17 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarten steigende Exporte. Das waren im Vorjahreszeitraum 26 Prozent, wobei im Herbst 2024 rund 36 Prozent gleichbleibende und 37 Prozent fallende Exporte angaben. Im Herbst 2025 geben 69 Prozent gleichbleibende und 13 Prozent fallende Exporterwartungen an. Damit ist der Saldo nach Minus elf Prozent im Vorjahr mit vier Prozent nunmehr wieder im positiven Bereich.
„Diese Zahlen sind weiterhin keine guten – da sie auf niedrigem Niveau sind. Wir sind eine Exportnation und die Geschäftsmodelle und Lieferketten vieler unserer Unternehmen im Nordschwarzwald sind auf internationale Absatzmärkte ausgerichtet. Hemmnis neben der weltpolitisch unberechenbaren Lage ist auch der Reformstau, der die Arbeitskosten hochtreibt. Dieser muss nun angegangen und aufgelöst werden. Die Bundesregierung muss jetzt den angekündigten Kurswechsel kraftvoll umsetzen“, betont IHK-Präsidentin Claudia Gläser.
Zahlen zu den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig
Dementsprechend führen in der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (75,5 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (63 Prozent) deutlich die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen an. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien liegt die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit 50 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Gleichwohl ist doch positiv, dass wir auch entlang dieser Zahlen sehen, dass es eindeutige innenpolitische Hausaufgaben für die Politik gibt, die angegangenen werden können, aber eben auch müssen. Sofern sich diese Erkenntnis nun auch im politisch linkeren Spektrum durchsetzen sollte, kann es mit unserem Wirtschaftsstandort auch wieder schneller nach oben gehen“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub abschließend.
Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen
Verarbeitendes Gewerbe
18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 9 Prozent), 51 von einer befriedigenden, 31 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 46 beziehungsweise 44 Prozent. 21 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 21 Prozent von gleichbleibenden, 57 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Herbst 2024) waren: 16, 15 und 69 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 16 Prozent als gut, 45 als befriedigend und 39 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 7, 44 und 48.
Gastgewerbe
Im Tourismusgewerbe der Region trübte sich die Lage – nach guten Werten bei den vorherigen Erhebungen – in den letzten Monaten etwas ein: 23 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 50 Prozent), 54 Prozent sehen sie als befriedigend (Herbst 2024: 42 Prozent), nunmehr knapp 23 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 8 Prozent). 25 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Herbst 2024: 17 Prozent), 33 Prozent geben gefallene Umsätze an (Herbst 2024: 42 Prozent). 23 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 39 als befriedigend, 38 als schlecht (Vorjahreszeitraum: 30, 31 und 39 Prozent).
Handel & Dienstleistungen
30 Prozent sehen im Bereich Handel und Dienstleistungen eine gute Geschäftslage, 53 Prozent bewerten sie als befriedigend, 17 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 27, 61 und zwölf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 39 Prozent, bei 31 Prozent bleiben sie gleich, 30 Prozent sehen fallenden Umsätze. Im Herbst 2024 waren auch diese Werte mit 29, 41 und 30 Prozent etwas schlechter.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.