Volkswirtschaft und Konjunktur

Konjunktur­bericht Nord­schwarz­wald

Lage weiter­hin ernst - Talsohle scheint durch­schritten - zu hohe Arbeits­kosten belasten

Während das statis­tische Bundes­amt vor einigen Tagen für das Jahr 2025 ein bundes­weites Mini­wachs­tum von 0,2 Prozent des Brutto­inlands­produkts (BIP) fest­stellte und die Bundes­regie­rung für das Jahr 2026 ihre Wachs­tumspro­gnose mit 1,0 Prozent veröffent­lichte, deuten auch die Zahlen der Indus­trie- und Handelsk­ammer (IHK) Nord­schwarz­wald für die Region an, dass die kon­junk­turel­le Tal­sohle durch­schrit­ten sein könn­te.
Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass die aktuelle Geschäftslage im Nordschwarzwald branchenübergreifend leicht positiv bewertet wird. Bei den Auftragseingängen wird seit vier Jahren erstmals wieder ein positiver Saldo erreicht – das heißt, dass mehr Unternehmen die Auftragslage als besser werdend denn schlechter werdend angegeben haben. Und auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate bleiben positiv.
„Die Lage ist weiterhin ernst. Nunmehr weisen die meisten Zahlen aber darauf hin, dass wir die Talsohle durchschritten haben könnten“, betont Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald. „Während sich die Umsatzlage – aus dieser Talsohle kommend – weiter positiv entwickelt, zeigen die Zahlen zur Ertragslage, dass es noch ein weiter Weg zurück in eine stabile Wirtschaftslage mit echtem Wachstum ist. Die Unternehmen stehen unter erheblichem Kostendruck mit zu hohen Arbeitskosten.“
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresbeginn im Nordschwarzwald: Sie ist auf 17.019 gestiegen. Das sind 815 beziehungsweise 5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026

Die IHK Nordschwarzwald hat im Januar rund 300 regionale Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt. Fast 26 Prozent der antwortenden Unternehmen berichten derzeit von einer guten Geschäftslage, verglichen mit 24 Prozent im Herbst 2025. Der Anteil der Unternehmen, die von einer befriedigenden Geschäftslage sprechen, ist mit 52 Prozent weiterhin hoch (Herbst 2025: 52 Prozent). 22 Prozent nehmen eine schlechte Geschäftslage wahr, sodass ein positiver Saldo von fast vier festzustellen ist. Im Herbst 2025 lag der Saldo bei minus 0,5.
„Ein spürbarer Aufschwung ist in diesen Zahlen noch nicht abzulesen, zumal wir uns seit mehr als drei Jahren in einer kritischen Lage befinden“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Tanja Traub. „Mut machen jedoch die positiven Veränderungen bei den sogenannten Frühindikatoren.“

Auftragseingänge und Geschäftserwartungen gehen langsam nach oben

„Seit dem Jahresbeginn 2022 berichten die Unternehmen von schlechter werdenden Auftragslagen. Nachdem sich vor drei Jahren viele gute Auftragsbestände reduzierten und die Kapazitäten eine schlechtere Auslastung erfuhren, haben wir nun erstmals wieder einen positiven Saldo bei den Auftragseingängen auf niedrigem Niveau“, so Traub.
Mehr als 23 Prozent der Unternehmen melden derzeit einen steigenden Auftragseingang, 56 Prozent geben einen gleichbleibenden Auftragseingang an (Herbst 2024: 52 Prozent). Gut 20 Prozent erwarten fallende Auftragseingänge. Damit liegt der Saldo bei drei. Im Herbst 2025 lag er bei minus 16, im Vorjahreszeitraum bei minus elf.
Leicht positiv stimmen auch die Geschäftserwartungen: Gut 18 Prozent gehen von sich verbessernden Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus, elf von sich verschlechternden – ein Saldo von plus sieben, der einem Wert von minus zwei aus dem Vorjahreszeitraum gegenübersteht. Der gute Trend zeigt sich besonders in der Industrie: Hier liegt der Saldo bei plus 16, vor einem Jahr lag der Wert bei minus 0,1 Prozent.
„Die Industrie ist unsere Leitbranche. Im Bundes- wie Landesvergleich arbeiten in unserer Region überproportional viele Menschen im verarbeitenden Gewerbe. Diese Zahlen sind also für alle Branchen mittelfristig gute Signale“, betont IHK-Präsidentin Gläser.

Investitionsbereitschaft noch verhalten – weiter Vertrauensaufbau nötig

„Dass wir von einer stabilen Trendwende noch nicht ohne Einschränkungen sprechen können, zeigen die Zahlen zur Investitionsbereitschaft – dem dritten der sogenannten Frühindikatoren“, erläutert Tanja Traub. Seit mehr als zwei Jahren überwiegt die Zahl der Unternehmen, die nicht investieren wollen oder können, deutlich gegenüber denen mit Investitionsabsichten. Mit minus 13,3 bleibt der Saldo deutlich im negativen Bereich. „Gründe dafür sehen wir in der instabilen weltpolitischen Lage, noch nicht aufgebautem Vertrauen in die Politik sowie vor allem in einer schlechten Ertragslage“, führt Traub aus.

Umsatz- und Ertragslage werden deutlich unterschiedlich bewertet

Während über 36 Prozent steigende Umsätze angeben, etwas über 34 Prozent gleichbleibende verbuchen und nur noch etwas über 29 Prozent gefallene Umsätze angeben und sich damit ein positiver Saldo von sieben ergibt, liegt der Saldo zur Ertragslage bei minus 17. Nur knapp 16 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Ertragslage, 52 Prozent geben sie mit befriedigend an und fast 33 Prozent melden eine schlechte Ertragslage.
„Bis zum Jahr 2022 entwickelten sich die Kurven dieser beiden Salden fast parallel. Das zeigt den seither gestiegenen Kostendruck und wie die Unternehmen kämpfen müssen“, so Traub.

Zahlen zu Exporten und Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind eindeutig

Demnach verwundert nicht, dass bei der regionalen Konjunkturbefragung die verhaltene Inlandsnachfrage (83 Prozent) und die gestiegenen Arbeitskosten (67 Prozent) noch deutlicher die Liste der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen anführen als bereits bei den letzten Erhebungen. Auf Platz drei der zehn Risikokategorien folgt mit großem Abstand die Angabe „geopolitische Spannungen“ mit knapp 44 Prozent.
„Unser Blick geht nach vorne. Die Zahlen sind allerdings eindeutig. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist einem starken Reformdruck ausgesetzt“, so IHK-Präsidentin Gläser. „Unsere leidende Wettbewerbsfähigkeit hängt deutlich mit zu hohen Arbeitskosten zusammen. 2026 muss der Bund daher die großen Reformvorhaben zu Rente, Gesundheitsversorgung und Sozialabgaben angehen. Aus Arbeitnehmersicht muss mehr Netto vom Brutto erreicht und die Lohn-Preis-Spirale eingebremst werden. Das ist gerade für uns – als starker Exportstandort – im Nordschwarzwald wichtig.“
Tanja Traub ergänzt: „Unsere Zahlen zu den Exporterwartungen gehen nun wieder spürbar nach oben. Vor diesem Hintergrund ist – neben den innenpolitischen Reformen – die weitere Vertiefung des europäischen Binnenmarkts und die Erschließung neuer Märkte durch das endlich abzuschließende Mercosur-Abkommen und das jüngst von der EU mit Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen wichtig.“
32 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende Exporte. Im Herbst 2025 waren es nur knapp über 17 Prozent. Der Saldo steigende zu fallende Exporterwartungen liegt nun bei 24,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum war der Wert bei nur 1,7 Prozent, davor sogar negativ.

Mittelstandsfreundliche Politik gefragt

„Das gute außenpolitische Engagement der Bundesregierung und die Verhandlungen der Europäischen Union mit neuen Partnern in der Welt müssen nun endlich Früchte tragen können, dann wird nach dem Durchschreiten der Talsohle auch echtes Wachstum möglich werden“, so Gläser und Traub abschließend. „Für die Landtagswahlen Anfang März hoffen wir auf eine stabile und wirtschaftsfreundliche Landesregierung mit klaren Mehrheiten, die sich an den Belangen des Mittelstands orientiert. Denn ohne Wirtschaft ist alles nichts.“

Lage in ausgewählten Wirtschaftszweigen

Verarbeitendes Gewerbe

Etwas mehr als 18 Prozent der Industrieunternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 15 Prozent), 53 von einer befriedigenden, etwas unter 30 Prozent von einer schlechten. Die Werte des Vorjahres waren hier 53 beziehungsweise 32 Prozent. Knapp 31 Prozent berichten von gestiegenen Umsätzen, 38 Prozent von gleichbleibenden, 31 Prozent von gefallenen. Die Werte im Vorjahreszeitraum (Jahresbeginn 2025) waren: 14, 23 und 63 Prozent.
Die Ertragslage bewerten 15 Prozent als gut, 47 Prozent als befriedigend und 38 Prozent als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren: 9, 47 und 44.

Gastgewerbe

60 Prozent bewerten die Geschäftslage als positiv (Vorjahreszeitraum: 59 Prozent), 27 Prozent sehen sie als befriedigend (Jahresbeginn 2025: 35 Prozent), nunmehr 13 Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage (Vorjahreszeitraum: 6 Prozent). 57 Prozent stellen wachsende Umsatzzahlen fest (Jahresbeginn 2025: 29 Prozent), knapp 29 Prozent geben gefallene Umsätze an (Jahresbeginn 2025: etwas mehr als 29 Prozent). 40 Prozent bewerten die Ertragslage als gut, 47 als befriedigend, 13 als schlecht (Vorjahreszeitraum: etwas mehr als 29, gut 47 und 23,5 Prozent).

Handel & Dienstleistungen

34,5 Prozent der Unternehmen aus dem Handel und der Dienstleistungsbranche sehen eine gute Geschäftslage, 50 Prozent bewerten sie als befriedigend, 15,5 als schlecht. Die Werte im Vorjahreszeitraum waren 32, 62 und etwas über fünf Prozent. Gestiegene Umsätze verbuchen immerhin 44 Prozent, bei knapp 28 Prozent bleiben sie gleich, etwas mehr als 28 Prozent sehen fallende Umsätze. Zum Jahresbeginn 2025 lagen die Werte bei 31, 51 und 18 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: 17 Prozent sehen eine gute, 55 Prozent eine befriedigende und 28 Prozent eine schlechte Ertragslage. Vor einem Jahr lagen die Werte bei 27, 49 und 24 Prozent.
Die Ertragslage lässt weiterhin zu wünschen übrig: nur 14 Prozent sehen eine gute, 63 Prozent eine befriedigende und 23 Prozent eine schlechte Ertragslage. Im Herbst 2024 lagen die Werte bei 16, 49 und 35 Prozent.